Heute schrei­be ich mei­nen ers­ten Blog-Artikel seit lan­gem. Warum? Ich hat­te unglaub­lich viel Arbeit. Die letz­ten Wochen und Monate wuss­te ich ein­fach nicht, wo mir der Kopf steht. Aufträge über Aufträge. Immer, wenn ich gedacht habe, dass ich jetzt end­lich ein wenig zur Ruhe kom­men kann, kam der nächs­te Auftrag rein. Das ist natür­lich schön für mich, ande­rer­seits habe ich es auch ver­misst, end­lich mal wie­der etwas für mich zu schrei­ben – und über Themen, die mich inter­es­sie­ren und mir am Herzen lie­gen.

Aber jetzt ist es soweit. Diese Woche habe ich ein biss­chen Luft und kann mich wie­der auf die wesent­li­chen Dinge kon­zen­trie­ren, bevor die November-Projekte los­ge­hen. Denn in der Zwischenzeit sind wun­der­vol­le Dinge pas­siert und eines davon möch­te ich euch ger­ne erzäh­len: Ich habe jetzt einen Hund. Den habe ich aus dem Tierheim geholt. Und durch Zufall ein Herzensprojekt gefun­den.

So könn­te man es ganz kurz gefasst sagen. Denn ich bin jetzt in Charge über den Facebook-Account Tierheim Kranenburg e.V. – und es ist das Beste, was mir in mei­ner beruf­li­chen Laufbahn pas­siert ist. (Achtung, der nach­fol­gen­de Satz ent­hält nerv­tö­tend vie­le Anglizismen und Fachwörter) Natürlich ver­die­ne ich kein Geld damit, aber es ist schön, einen Social Media-Account zu ver­wal­ten, auf dem das Involvement unglaub­lich hoch und auch der Zusammenhalt der Community so unglaub­lich groß ist. Das lässt ein­fach das Herz eines jeden Community-Managers auf­ge­hen.

Das ist Dobby, der Zuwachs in unse­rer klei­nen Familie. Sie hat prak­tisch kei­ne Unterwolle und weil sie nur spa­ni­sches Klima gewohnt ist, muss sie den ers­ten Herbst und Winter wohl mit die­ser Situation rum­lau­fen. Findet sie nur so mit­tel.

Social Media – Irgendwas ist immer

Wieso? Erstens bin ich ja mitt­ler­wei­le ver­wal­ten­de Kraft hin­ter einer nicht zu ver­ach­ten­den Anzahl an Social-Media-Accounts aus den ver­schie­dens­ten Bereichen. Hier ist ja inter­es­sant, dass jeder Bereich ganz ande­res funk­tio­niert. Einige haben Unmengen an Followern, die aller­dings über­haupt nicht mit den Inhalten inter­agie­ren, indem sie weder liken noch kom­men­tie­ren – dafür aber kon­su­mie­ren wie die Blöden. Also auf die ent­spre­chen­den Links kli­cken und den Artikel lesen oder sich über das Produkt infor­mie­ren. Dann gibt es aber auch Accounts, die nur eine sehr gerin­ge Anzahl an Followern haben, die­se weni­gen Follower aber eine Interaktionsrate haben, von denen die meis­ten Unternehmen nur träu­men. Allerdings pas­siert es bei die­sen Accounts auch oft genug, dass zwar inter­agiert wird, als gäbe es kein Morgen mehr – aber nie­mand die Inhalte anklickt, weil die Produkte oder Dienstleistungen dann doch nicht sooooo inter­es­sant sind.

Ja und dann gibt es natür­lich auch noch die Accounts, die eine gerin­ge Anzahl an Followern haben, mit denen kei­ner inter­agiert und deren Inhalte auch kei­ner anklickt, weil die Inhalte pups­lang­wei­lig sind (aber die sind nicht in mei­ner Verwaltung. Dann wäre ich ein schlech­ter Social-Media- und Community-Manager). Bis jetzt konn­te ich also sagen: Bei Social-Media-Accounts gibt es kei­ne eier­le­gen­de Wollmilchsau, bei der die Followermenge groß, die Interkationsrate himm­lisch und die Conversionrate

(also Leute, die das Proukt oder die Dienstleistung auf­grund des Posts letzt­end­lich gekauft haben) ein Traum ist. Irgendeinen Wermutstropfen gibt’s immer irgen­wie.

Im Tierheim ist immer was los

Aber der Account vom Tierheim Kranenburg ist anders als alles, was ich bis jetzt ver­wal­tet habe. Bei einem Tierheim-Account kom­men alle Faktoren zusam­men, die das Gesicht eines Community-Managers zum Strahlen brin­gen. Meine per­sön­li­che eier­le­gen­de Wollmilchsau. Bei den Inhalten muss ich meist nicht lan­ge über­le­gen. Im Tierheim ist eigent­lich immer was los und ich habe jetzt schon Geschichten und Fotos auf Lager, mit denen ich jetzt schon täg­lich einen Post bis Mitte 2017 vor­be­rei­ten könn­te. Emotional ist alles dabei: Rührende Geschichten, wit­zi­ge Geschichten, trau­ri­ge Geschichten, herz­er­wär­men­de Geschichten und immer ein süßes Hundegesicht. Das hat man sonst als Social Media-Manager ja nicht so. Sonst muss man auch viel und ange­strengt über­le­gen, wie man die rich­ti­ge Portion Emotionalität in den Inhalt bekommt und ihn infor­ma­tiv gestal­tet. Beim Tierheim: Ts, die Emotionalität wird schon gleich mit­ge­lie­fert.

Dann ist da noch das Involvement der Community (ja, ich weiß, biss­chen vie­le Anglizismen, aber so heißt das lei­der nun mal). Generelles Szenario, wenn ich etwas pos­te: Paar Likes, paar Kommentare, paar Reaktionen und ab und zu auch ne Diskussion. Ein Teil der Nutzer kauft oder infor­miert sich über Produkte. Ziel erreicht. My Job is Done. Beim Tierheim? Ich pos­te, die Likes flie­gen zu, die Reaktionen flie­gen zu, die Nutzer schmei­ßen einem selbst Content zu, der Facebook-Gold ist (wun­der­ba­re Storys von armen, armen Straßenhunden, die ein lie­be­vol­les Zuhause gefun­den haben und die klei­nen Racker beim Spielen, Schlafen und beim Spaziergang zei­gen), tei­len wie die Irren und locken somit neue Nutzer an, die schluss­end­lich die Seite liken und letzt­end­lich ein Tier adop­tie­ren (Coversionrate ist also auch phä­no­me­nal).

6.750 MAL geteilt, 450.000 erreichte Personen. Richtig krass.

Glaubt ihr nicht? Ich möch­te euch ein Fallbeispiel nen­nen (ein extre­mes, zuge­ge­ben – sonst ist das natür­lich nicht so krass). Anwohner hier am Grenzwald in Frasselt hat­ten schon seit Tagen einen her­ren­lo­sen Hund her­um­lau­fen sehen – wahr­schein­lich einen Border Collie oder einen Border Collie-Mix – und das Tierheim ver­stän­digt. Das Tierheim hat den Hund ein­ge­fan­gen und erst ein­mal im Tierheim unter­ge­bracht, bis der Besitzer sich fin­den und mel­den wür­de. Die Hoffnung war groß, dass der Besitzer gefun­den wer­den wür­de, da das Tier gechipt war. Leider konn­te man den Chip dann nicht aus­le­sen, da es sich um einen nie­der­län­di­schen Chip han­del­te und es Wochenende war.

Da dach­te ich mir: Ach komm, setzt du den armen Kerl mal auf Facebook und schreibst auf Deutsch und Niederländisch, ob jemand die­sen Hund ver­misst. Ich hat­te damit gerech­net, dass die Interaktionsrate schon hoch sein wür­de – aber was dann pas­siert ist, hab selbst ich nicht abse­hen kön­nen. Wir sind viral gegan­gen. Aber frag nicht nach Sonnenschein. Über 6.750 mal geteilt, mehr als 450.000 erreich­te Personen und pi mal Daumen 45.000 Interaktionen. Praktisch wuss­te also die gan­ze Grenzregion Bescheid, dass die­ser Hund gefun­den wur­de. Darüber hin­aus fan­den sich unglaub­lich enga­gier­te Niederländer, die die Chipnummern durch sämt­li­che Datenbanken gejagt haben. Tierschützer, Tierheimbesitzer, Tierärzte und ande­re Berufsgruppen, die Zugang zu den Datenbanken hat­ten. Selbst das nie­der­län­di­sche Konsulat hat beim Tierheim ange­ru­fen und gefragt, ob sie irgend­wie hel­fen kön­nen. Da hab ich tat­säch­lich selbst als abge­brüh­ter Community-Manager-Hund ein biss­chen Pipi in den Augen gehabt. Das war ein­fach über­wäl­ti­gend schön, wie sehr sich die Menschen enga­giert haben.

Nun ja, das Leben ist kein Ponyhof

Aber wie das Leben halt nun mal so ist – es ist kein Ponyhof. Es wäre natür­lich mein per­sön­li­cher Facebook-Oscar gewe­sen, hät­te sich das Herrchen oder Frauchen gefun­den. Am Besten noch von ziem­lich weit weg und sehr ver­zwei­felt auf der Suche nach sei­nem oder ihrem Hund. Zack, Hund hin­ge­bracht, Foto gemacht, alle wären glück­lich gewe­sen und es wäre DIE Facebook-Story des Jahres gewe­sen. Aber lei­der war dem nicht so. Herrchen oder Frauchen haben den Chip nicht regis­triert und es ist nicht ganz unwahr­schein­lich, dass das arme Tier ein­fach im Wald aus­ge­setzt wur­de. Das habe ich aller­dings dann lie­ber mal nicht geschrie­ben. Viel zu trau­rig.

Aber ja, ihr merkt, ich habe gro­ße Freude an dem Projekt und ich habe gro­ßen Respekt vor der Arbeit, die die Menschen im Tierheim jeden Tag voll­brin­gen. Ich selbst bin ja nur die, die Fotos macht und das in die­ses Online da bringt. Aber es erfüllt mich und ich bin jeden Tag froh, wenn ich als per­sön­li­ches Highlight mei­nes Arbeitstages eine klei­ne aber fei­ne Geschichte online set­ze, die vie­le Menschen irgend­wie, irgend­wo berührt. Denn manch­mal ist es ganz schön frus­trie­rend, laut mit meh­re­ren Accounts auf Facebook rum­zu­schrei­en und irgend­wie zu ver­su­chen, sich Gehör zu ver­schaf­fen und trotz­dem nur eine klit­ze­klei­ne Randnotiz im Alltag eines Menschen zu sein, die bald schon wie­der aus dem Kurzzeitgedächtnis ver­bannt wird. Da ist es ein­fach wun­der­bar, wenn man nur lei­se kurz eine Geschichte erzählt und trotz­dem einen blei­ben­den Eindruck zu hin­ter­las­sen.

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