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Was war los die­se Woche? An die­ser Stelle möch­te ich euch ger­ne mei­ne Internetschätze prä­sen­tie­ren – denn: Es war viel los. Ich habe sehr viel den Kopf geschüt­telt und auch herz­lich gelacht. Enjoy.

Fail der Woche:

Dieses doch sehr offen­sicht­lich schlecht auto-über­­­set­z­­te Popup kam mir die­se Woche ent­ge­gen.

Benutzen die­se auto­ma­tisch Übersetzungen immer ist nicht so eine gute Idee. Ist aber für alle Fälle herr­li­ches Entertainment. Nachdem ich habe gele­sen die Überschrift, ich habe alle deut­schen Sätze ein­fach in eng­li­sche Grammatik umge­formt. Ich fand das lus­tig – meis­te ande­re Menschen nicht.

Quelle: smartbuyglasses.co.uk 

Politikum der Woche

Ich sags ja immer wie­der: Wer in der digi­ta­len Welt durch­star­ten will, muss immer so geklei­det sein, als wür­de es gleich noch schnell zum Späti gehen. In die­sem Fall hat der Typ von ResearchGate alles rich­tig gemacht: Erst noch schnell die Kanzlerin tref­fen und dann ab in den Feierabend an den See. Mir ist der sehr sym­pa­thisch – wobei ich mir sicher bin, dass nur Menschen aus unse­rer Branche das 100% nach­voll­zie­hen kön­nen.

Gedanken, die der wahr­schein­lich hat­te “Na, du willst doch was von mir und ich nicht von dir, oder? Ich komm ange­zo­gen, wie ich will!”

Ich find den cool.

Quelle: Twitter.com/RegSprecher

Meme der Woche

Einige von euch sind wahr­schein­lich nicht so tief im Internet drin wie ich, des­halb ist hier ein wenig Erklärungsbedarf. (Was ein Meme ist, erklä­re ich hier mal nicht. Für die Wenigen, die es nicht wis­sen und erfah­ren möch­ten: Hier) Das Internet ist ja unbe­re­chen­bar. Ich hän­ge viel auf 9GAG rum und da wer­den vie­le Memes über aktu­el­le gesell­schafts­po­li­ti­sche Themen (neben viel Quatsch) gepos­tet. Einige von denen sind manch­mal echt so nah an der Geschmacklosigkeit dran, dass man tief ein­at­met und es einem eher unan­ge­nehm ist, dass man dar­über gelacht hat.

Manchmal hat das Internet aber auch wahn­wit­zi­ge Trends und Vorlieben, die nicht so ganz nach­voll­zieh­bar sind. Das Internet ist neben dem Phänomen des Bronie-Trends und der Faszination für neue Namensfindungen für Beresect Conderhadge näm­lich auch ein gro­ßer Fan der Kinderserie Lazytown, ins­be­son­de­re des Schurkens, der von Stefan Karl gespielt wur­de. Der ist ges­tern nach einem lan­gen Kampf mit dem Krebs gestor­ben.

Ich muss nicht erwäh­nen, dass die­ses Meme die Internet-Woche ganz gut zusam­men­fasst, oder?

Respect to the number one.
Quelle: 9GAG

WTF der Woche

Speaking of Memes: Warum? Warum? Waaaruuuum? Gut, Otto hat nichts falsch gemacht. Die haben ein­fach den Darsteller von Hide The Pain Harold genom­men, dem wahr­schein­lich ne ziem­li­che Stange Geld gezahlt und einen Werbespot für die rele­van­te Zielgruppe gedreht. 

Hide The Pain Harold ist irgend­so ein ukrai­ni­sches Stockfoto-Model, das auf zahl­rei­chen, abge­dro­sche­nen Stockfotos zu sehen ist. Irgendwann wur­de er zum Meme und bekannt als Hide The Pain Harold, weil er immer so gequält lacht. Zuerst fand er es doof, dass ihn Leute auf der Straße die gan­ze Zeit ange­spro­chen haben. Jetzt, wo er Geld draus machen kann, scheint das doch nicht mehr so blöd zu sein. 

Ich hab mich trotz­dem ein wenig vor den Kopf gesto­ßen gefühlt, als ich den in hoch auf­ge­löst und mit gutem Script gese­hen habe. Hide The Pain Harold soll­te wei­ter schlech­te Witze in pixe­li­ger Qualität machen.

Andererseits… Ich gön­ne ihm den lukra­ti­ven Fame und höre jetzt mit die­sem “Vor-dem-Kommerz-war-alles-bes­­ser” auf. Ich lebe schließ­lich von die­sem Kommerz 😉

https://www.youtube.com/watch?v=wTTDwEJkoaE

Aha! der Woche

Ich hab Windings ja frü­her immer nur benutzt, um “heim­li­che” Nachrichten mit mei­ner dama­li­gen bes­ten Freundin aus­zu­tau­schen. Da war ich zwölf und dach­te, ich sei unglaub­lich cle­ver. Wozu Windings tat­säch­lich gut ist, war mir nie bewusst.

Vielleicht soll­te ich das noch­mal aus­pro­bie­ren. Ich schmeiß’ immer direkt Photoshop an – aber viel­leicht geht das auch ein­fa­cher.

https://www.youtube.com/watch?v=JdKV1L1DJHc

Rumspielerei der Woche

Ich war auf Facebook unter­wegs und bin ja schon ein gro­ßer Fan die­ser 3D-Rumspielereien. Eigentlich ste­he ich mit Van Gogh auf Kriegsfuß, weil ich im Kunstunterricht mal die­ses Blumenbild nach­ma­len muss­te und mit Ach und Krach gera­de mal ne 4- geschafft habe – aber mal zu sehen, wie Van Goghs Sternennacht zum Leben erweckt wird, ist sau­cool.

Quelle: facebook.com/iartGaleria

Produkt der Woche

Zuerst hab ich gedacht “Hahahahaha, was für Idioten!” dann habe ich mich aber selbst dabei ertappt, den Kauf die­ses Produkts in Erwägung zu zie­hen. Weiß zwar sel­ber noch nicht, was ich damit anfan­gen soll – aber irgend­wie wär’s geil. Personalisierte Hundesocken woll­te ich schon immer mal haben. Solltet ihr im Kreis der Menschen sein, die mir in regel­mä­ßi­gen Abständen was schen­ken müs­sen – eine klei­ne Inspiration.

Quelle: Supersocken.de

Video der Woche

Und hier noch­mal ein­fach was für die gute Laune. Ich per­sön­lich fand, dass es sehr gut inves­tier­te 3 Minuten mei­ner Zeit waren. Einfach zuhö­ren und wit­zig fin­den. Dödödödö död­ödö dödö. Dödödödö död­öd­öd­öd­ödö… Ach nee, das war Tetris. Oder genau­er gesagt: Johann Sebastian Bach

https://www.youtube.com/watch?v=FT0RSXGLPpw

GIF der Woche

Ich arbei­te ja unter ande­rem auch für die bezau­bern­den Ladies von der Curiosity Box und da ich dort die ein­zi­ge Deutsche bin, die dazu auch noch mit DSGVO-Fun Facts alle Marketingträume zunich­te macht, habe ich die­ses GIF die­se Woche sehr oft erhal­ten. Zurecht. Ich elen­der DSGVO-Spielverderber 😉

via GIPHY

Hach ja – ihr habt es sicher­lich schon mit­be­kom­men: Es war warm. Nicht nur so ein biss­chen warm, son­dern eher so warm, dass man stän­dig in sei­ner eige­nen Suppe geses­sen hat und sich ein­fach nicht bewe­gen woll­te. Dazu gehör­te ich selbst­ver­ständ­lich auch. Aber wisst ihr, wer auch dazu gehör­te? Meine Telefonanlage. Jap, das arme Ding ist auf dem Dachboden unse­res Gründerzeit-Hauses instal­liert wor­den und hat eine auto­ma­ti­sche Abschalt-Funktion, die unmit­tel­bar in Kraft tritt, sobald die Raumtemperatur etwa 50°C über­steigt. Ich war die ver­gan­ge­nen Wochen also vom Nachmittag an ohne Internet.

Das neue Spiel für Adrenalinjunkies: Wann ist das Internet weg?

Wann genau konn­te ich aller­dings nicht sagen. Deshalb hab ich ziem­li­che vie­le Runden „Schaff-ich-das-noch-bevor-sich-alles-ver­­a­b­­schie­­det-Bingo“ gespielt. Ist tat­säch­lich mit ein biss­chen Nervenkitzel ver­bun­den. Ich kam mir vor wie in einer die­ser Kochshows, in denen die Kandidaten unter immensem Zeitdruck eine drei­stö­cki­ge, fili­gran ver­zier­te Hochzeitstorte zusam­men­bas­teln müs­sen bevor die Uhr stoppt und sie sofort die Hände von der Torte weg­neh­men und auf einen roten Buzzer drü­cken müs­sen. So ging das in etwa bei mir auch, nur dass ich eher Facebookkampagnen auf­ge­setzt habe und eine Zeit lang auch nicht wirk­lich ein­schät­zen konn­te, wann die Uhr stop­pen wür­de.

Doch ich bin ja schlau und habe mich des­halb kur­zer­hand zu einer Art Amateur-Meteorologin ent­wi­ckelt, die anhand von Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit in etwa abschät­zen kann, wann Schicht im Schacht ist. Gut, dass man Wikipediaartikel näm­lich auch run­ter­la­den kann.

Kein Internet: Langweilig. Voll langweilig.

Hatte ja auch genug Zeit, mich mit Meteorologie zu beschäf­ti­gen, war ja schließ­lich nichts ande­res zu tun. Denn mir war lang­wei­lig. Mein Gott, war mir lang­wei­lig. Mein Fernseher funk­tio­nier­te auch nicht ohne Internet, mein Datenvolumen war bis ans Maximum aus­ge­reizt und mein iPad hat­te kei­nen Speicherplatz mehr, weil ich da tat­säch­lich Sachen für die Arbeit drauf habe, die ich brau­che.

In die­ser Zeit ist mir dann schmerz­lich bewusst gewor­den, dass ich zu viel vor Bildschirmen hän­ge: Wenn ich nicht vor dem Computer arbei­te, fri­ckel ich irgend­was auf mei­nem Handy rum, schaue Netflix auf mei­nem iPad oder lass mich vom Vorabendprogramm auf dem Fernseher berie­seln. Die ein­zi­ge Zeit, die ich nicht vor einem Bildschirm ver­brin­ge, gehe ich ent­we­der mit dem Hund oder bin ver­hin­dert, weil ich gera­de schla­fe.

Was macht man nochmal in diesem Offline?

Sich des­sen bewusst zu wer­den, ist schon ganz schön krass. Klar, digi­tal unter­wegs zu sein ist mei­ne Passion, mein Beruf und ein gro­ßer Teil mei­nes Lebens – aber ich muss doch auch mal was off­line machen! Nur was macht man noch­mal so in die­sem Offline? Ehrlich gesagt war ich zunächst ein wenig rat­los.

Früher habe ich immer gele­sen. Meine Mutter war näm­lich der Meinung, dass Fernseher und Handys dumm machen und des­halb war ich ziem­lich oft auf mich allei­ne gestellt in Sachen Entertainment. Also habe ich immer mei­ne Bücherei-Karte aus­ge­reizt und ein­fach mal so fast jedes Buch in unse­rer klei­nen Dorfbücherei gele­sen. Denn ich hat­te nicht den Luxus eines Kindle-Abos und muss­te ein­fach das lesen, was da war. Das führ­te dann auch dazu, dass ich mich durch Michel Houllebecq gequält und wahr­schein­lich jeden seich­ten Frauenroman ver­schlun­gen habe, der in den Jahren 2002 bis 2008 ver­öf­fent­licht wur­de. 2008 war dann Schluss, dann habe ich Abi gemacht und hat­te von da an einen Fernseher und einen Computer. Da ging es schon ein biss­chen berg­ab.

Richtig berg­ab ging es dann aber mit dem Smartphone. Seitdem ich das Teil habe, nut­ze ich es auch. Ich orga­ni­sie­re mein Leben mit Apps, scrol­le immer mal wie­der durch die Branchennews und habe schon viel zu viel Zeit damit ver­bracht, sinn­lo­se Videos auf YouTube zu schau­en – und wo wir gera­de schon­mal so ehr­lich sind: Ich bin nicht stolz drauf, aber bei Candy Crush Soda Saga befin­de ich mich gera­de in Level 1153. Ja, das hat so vie­le Level und noch viel mehr. Nein, da bin ich echt nicht stolz drauf.

Naja, gut. Ein biss­chen.

Fragen über Fragen, deren Antworten nur online zu finden sind…

Nun ja, da ich mei­nen Feierabend also ohne Internet und Fernsehen ver­brach­te, muss­te ich umdis­po­nie­ren: Gut. Lesen wir doch mal was. Wir mögen lesen.

Hier ist doch das Buch von Obama, das ich schon so lan­ge mal lesen woll­te: Dreams from my Father. (Warum woll­te ich das lesen? Ich hab Obama bei Letterman auf Netflix gese­hen und noch wäh­rend ich geschaut habe bei Amazon auf “Bestellen” geklickt…). Zwei Seiten gele­sen. “Mhm, mhm, mhm inter­es­sant” – “Hab ich eigent­lich die Smartphone-Gebote in der einen AdWords-Kampagne ange­passt?” – “Wann war noch­mal das Frank Turner Konzert?” -“Waren das jetzt Elefanten, die nicht sprin­gen kön­nen oder Giraffen? Oder bei­de?”

Leider konn­te ich mich also nicht auf das Buch kon­zen­trie­ren, weil mir stän­dig Fragen in den Sinn gekom­men sind, deren Antwort ich nur online gefun­den hät­te.

Nach einer Woche oder so wur­de es dann aber bes­ser und ich habe es tat­säch­lich geschafft, Dreams from my Father zu been­den (Naja, zu 2/3 – beim letz­ten Drittel hab ich gechea­ted und die Hörbuch-Version bei Audible gehört, wäh­rend ich mit dem Hund gegan­gen bin. Aber ey – Obama liest es per­sön­lich mit sei­ner samt­wei­chen Soul-Stimme vor)

Zwei Wochen offline und schon werd ich zu Martha Stewart-Picasso

Irgendwie war das schon ein ziem­lich gutes Gefühl, sei­ne Zeit irgend­wie auch mal sinn­voll zu gestal­ten nach Feierabend. Denn ich habe nicht nur gele­sen, ich habe auch mein Malen nach Zahlen end­lich mal fast fer­tig (ist mir egal, dass ihr das total uncool fin­det, in der Instagram-Werbung sah das viel­ver­spre­chend und hip aus) und ich habe eine nicht zu ver­ach­ten­de Zahl an gesun­den Snacks selbst her­ge­stellt und mich wie Martha Stewart gefühlt. Von die­sen Snacks schme­cken zwar nur etwa 50% ganz okay . Bisschen Schwund ist halt immer.

Heute ist ja der ver­meint­lich letz­te Tag der Hitzewelle und ich muss ja sagen, dass mir der digi­ta­le Detox auch mal ganz gut­ge­tan hat. Aber reicht jetzt auch. Ich wer­de bestimmt nie­mals zu den Menschen gehö­ren, die sagen „Also ich hab ja kei­nen Fernseher“ (Was ist eigent­lich das heu­ti­ge Äquivalent dazu? – „Ich leb ja im Wald ohne Empfang?“) – dafür lie­be ich mein Internet zu doll. Aber ich fin­de es nicht schlecht, mal wie­der Momente der Entschleunigung zu erfah­ren und aktiv Dinge zu gestal­ten.

Fazit: Offline geht schon wieder ganz gut, muss aber nicht immer sein.

Trotzdem kann ich es nicht abwar­ten, die Netflix-Mashup Folge von Queer Eye und Nailed It auf Netflix zu inha­lie­ren, Level 1154 bei Candy Crush zu rocken und end­lich, end­lich wie­der mal nen Wasserrutschen-Test bei Galileo zu sehen (Viele den­ken, ich mache Witze. Aber: Über Galileo macht man kei­ne Witze. Ich lie­be Galileo. Also geh weg und lass mich.)

Dass ich das mache, erwäh­ne ich in zukünf­ti­gen Gesprächen natür­lich nicht. Ich wer­de mei­nem Gegenüber aus­schließ­lich gehö­rig damit auf die Nüsse gehen, in jedem drit­ten Satz mei­nen (natür­lich total frei­wil­li­gen) Digitalen Detox zu erwäh­nen und die befrei­en­de Reise, die ich dabei erlebt habe.

Ihr ent­schul­digt mich, ich habe Candy zu Crushen.

Als ich NEON das ers­te Mal sah, war ich hin und weg. Ich war zar­te 17 Jahre alt und traf NEON in einer Zeit, in der das Leben gera­de erst rich­tig anfing und ich auf der Suche nach einem Kompass war, der mich durch die­se auf­re­gen­de, aber auch ang­st­ein­flö­ßen­de Zeit navi­gier­te. Da war NEON nun. Lag läs­sig im Zeitschriftenregal und schau­te mich mit sei­nem auf­fäl­li­gen NEON-Design an. Und dann mach­te es “BOOM!”, wie das nur bei Jugendlichen geschieht.

Ich nahm NEON ohne zu zögern mit zu mir nach Hause und wir rede­ten und rede­ten, Stunde um Stunde. NEON erzähl­te mir von der gro­ßen wei­ten Welt. Wie es im Osten von China ist, wer die ange­sag­tes­ten neu­en Indie-Bands sind, wie er Bosse getrof­fen hat und ihm Fragen zur EU stell­te. In mei­nen Teenager-Augen war NEON der Größte und ich war ziem­lich ver­knallt in ihn. Jeden Monat hat­te NEON so viel zu berich­ten und zeig­te mir die gan­ze Welt.

Immer an meiner Seite – eine Schöne Zeit.

So ging das ein paar Jahre und NEON wur­de zu einem treu­en Begleiter. Er erzähl­te mir alles und inspi­rier­te mich, immer wie­der neu­es aus­zu­pro­bie­ren und an mich zu glau­ben. Die Jahre mit NEON waren unbe­schwert und vol­ler span­nen­der Lebensabschnitte. England hier, Hamburg da, dann mal in Schweden und ger­ne auch noch­mal nach Köln. Es war eine schö­ne Zeit und NEON war immer an mei­ner Seite und beglei­te­te mich.

Die Liebesgeschichte von NEON und mir zer­brach – wie so vie­le jun­ge Lieben – schlei­chend und still. Wir hat­ten uns ver­än­dert. Auseinandergelebt. Während ich mei­ner Arbeit nach­ging und mich über Versicherungen ärger­te, hielt NEON immer noch an Backpackingtrips für Bratislava fest. Irgendwann wur­de mir klar, dass das so nicht wei­ter­ge­hen konn­te. Ich tat also das, was jeder tun muss, der eine gelieb­te Person hin­ter sich las­sen muss, um wei­ter­zu­kom­men: Ich habe die Beziehung zu NEON been­det. In einem pro­fes­sio­nell distan­zier­ten, aber trotz­dem ein­fühl­sa­men Brief erklär­te ich NEON, dass es so nicht wei­ter­geht und ich mein Abonnement hier­mit zum nächst­mög­li­chen Zeitpunkt kün­di­gen möch­te. Das hat NEON sehr ver­letzt. Anrufe folg­ten, in denen NEON bet­tel­te, mich zurück­zu­neh­men. Wieso wol­le ich es nicht noch­mal ver­su­chen? Würde eine Dreiecksbeziehung mit der NIDO viel­leicht alles ret­ten? Heutzutage bezie­hen vie­le Leute Kombiabos. Aber egal, wie sehr NEON auch bet­tel­te – es war aus und vor­bei. Ich muss­te wei­ter­zie­hen.

Heftige Äffaren und kurzfristige Liasons – doch keine ist wie du

Es folg­ten ande­re Zeitschriften, doch nie wie­der konn­te ich mich mit vol­lem Herzen an eine Zeitschrift bin­den. Nach den Jahren des Gefangenseins woll­te ich mei­ne Freiheit spü­ren. Wollte ein­fach in den Kiosk gehen und mir neh­men, was ich brauch­te. Es folg­te eine kur­ze, aber hef­ti­ge Affäre mit Business Punk und eine eher halb­her­zi­ge Liaison mit stern Crime. Die ande­ren Zeitschriften waren okay für den Augenblick, aber nie wie­der schaff­te es eine Zeitschrift, mich so zu berüh­ren wie NEON.

Von Zeit zu Zeit sah ich mir alte Erinnerungen an, bei denen ich es nicht an mich brin­gen konn­te, sie zu ent­sor­gen – wie etwa die Ausgehtipps für Oxford oder die Rezepte von Migranten – und dach­te an NEON. Manchmal sah ich NEON auch aus der Ferne und es schien ihm gut zu gehen. Das Cover leuch­tend wie eh und je und die Überschriften gleich­zei­tig prä­gnant und raf­fi­niert. Dabei rea­li­sier­te ich anschei­nend nicht, dass es NEON seit mei­nem Weggang immer schlech­ter ging. Die Leserschaft wur­de klei­ner und klei­ner und damit auch das Selbstbewusstsein. Der Umzug von München nach Hamburg ließ NEON inner­lich zer­rei­ßen und die Leser nach mir waren nicht so treu wie ich – stän­dig ver­lie­ßen sie NEON und ban­del­ten mit VICE.de und ande­ren digi­ta­len Plattformen an. Doch all das sah ich nicht, weil ich mit mei­nem eige­nen Leben beschäf­tigt war.

Ein Wiedersehen.

Bis zum heu­ti­gen Tag, da traf ich NEON wie­der. Ich hör­te von HORIZONT, wie es NEON in den letz­ten Monaten ergan­gen war. Dass er an einem Tiefpunkt ange­langt war, sich aber jetzt wie­der auf­rap­pelt und einen Neustart wagt. Das hat mich inner­lich sehr berührt. Zuerst, weil ich nicht gese­hen habe, wie schlecht es NEON ging und außer­dem, weil ich ihm in die­ser Zeit bei­ste­hen woll­te. Ich sam­mel­te NEON in einem Kiosk ein und wir setz­ten uns in ein Café, wo wir lan­ge spra­chen. Ich freu­te mich, NEON wie­der­zu­se­hen und bei­na­he war es wie frü­her: Die Geschichten über Dreiecksbeziehungen der Studenten-Freunde, das Beschweren über die Eltern und den läs­ti­gen Nebenjob und die Aufklärung über den Atomausstieg. Es hat­te sich eini­ges ver­än­dert, aber vie­les war doch gleich­ge­blie­ben und ver­traut.

Doch eines ist mir klar. NEON muss sei­nen Weg nun allei­ne gehen, es gibt kei­ne Chance auf ein Happy End. Wir haben uns zu sehr aus­ein­an­der­ge­lebt. Denn ich höre mir gele­gent­lich noch ger­ne NEONs Geschichten über Backpacker und ner­ven­de Mitbewohner an, aber ich kann sie nicht mehr rich­tig füh­len.

Mein Leben ist jetzt anders. Ich hof­fe, NEON ver­steht das.

Lebe wohl, mei­ne ers­te gro­ße Zeitschriften-Liebe.

Mögest du eine Generation von Lesern fin­den, die dich genau­so liebt, wie ich es tat.

Ich ges­tern so: Seufz. Kurz vom Bildschirm weg­ge­se­hen, dann wie­der hin­ge­se­hen. Nein, es ist immer noch da. Nochmal weg­ge­se­hen. Nochmal hin­ge­se­hen. Mist. Immer noch da. Ich hat­te das also nicht geträumt und das war wirk­lich pas­siert. Einer der größ­ten und mäch­tigs­ten Konzerne der Welt hat sich mit einer Online-Kampagne in die Nesseln gesetzt. Aaaaaah. So geht das doch nicht. So. Geht. Das. Nicht.

Echt. Nicht.

Auch große Konzerne haben das Netz nicht immer verstanden.

Liebes McDonald’s‑Team – ihr habt doch Geld. Astronomisch viel Geld. Wieso macht ihr dann so einen Quatsch? McDonald’s hat es ges­tern wie­der geschafft, zu sehr an die Menschheit zu glau­ben und zu ver­ges­sen, dass das Internet in den meis­ten Fällen durch und durch böse ist.

Was ist also genau pas­siert? McDonald’s Neuseeland mein­te es gut mit den Kunden und des­we­gen gab McDonald’s ihnen die Möglichkeit, Burger selbst zu kre­ieren. So weit, so gut. Ist ja eigent­lich eine sehr net­te Idee und wahr­schein­lich hat der Pommes-Konzern einer über­kan­di­del­ten Marketingagentur ziem­lich vie­le Dollar in den Hintern gebla­sen, weil die das ja anschei­nend kön­nen. Sonst wür­den die nicht so viel Geld ver­lan­gen.

Tja. Wer auch immer die Agentur dahin­ter ist, scheint das Internet nicht ver­stan­den zu haben. Denn die Burger konn­ten kre­iert wer­den, ohne vor­her eine Freigabeprozedur durch­lau­fen zu müs­sen. Und das war der Fehler. Ähm Tschuldigung – hat denn hier nie­mand gelernt, was pas­siert, wenn man das Internet auf sowas los lässt?

TayTweets, der intel­li­gen­te Chat-Bot von Microsoft, der am Ende nur eines Tages von einer freund­li­chen jun­gen Dame von den Usern durch unan­ge­brach­te Kommentare zu einer ras­­sis­­tisch-sexis­­ti­­schen ollen Hexe ver­wan­delt wur­de? Boaty McBoatface, das bri­ti­sche Forschungsschiff, das doch nicht so hei­ßen darf, weil die Organisatoren Spaßbremsen sind und sich vor­her nicht den­ken konn­ten, dass so ein Name dabei raus­kommt, wenn es kei­ne Freigabeprozedur gibt?

Tote Kinder, Vergewaltigungen und eine Prise Islamfeindlichkeit

Eine ähn­li­che Konsequenz gab es auch für McDonald‘s: Die Startseite explo­dier­te vor lau­ter Burger der Unmöglichkeit. Erst erschie­nen da noch grenz­wer­tig wit­zi­ge Burger wie „Rektal Prolapse“ – ein Burger mit sehr viel Weichkäse, der am nächs­ten Morgen wahr­schein­lich nicht so viel Spaß macht und „The Sad European“ – ein Burger, der aus zwei Buns und einer Scheibe Käse besteht. Aber dann tauch­ten mehr und mehr Burger auf, die geschmack­los und defi­ni­tiv nicht für die öffent­li­che Zurschaustellung geeig­net sind. „Toddler Body Bag“, „The Aryan“ und „Pound my Back, Daddy“ gehen bei­spiels­wei­se über alle Geschmackgrenzen hin­aus und beherrsch­ten schon bald die Startseite der Kampagnenseite, sodass die Startseite bald aus einem Best Of “Dinge, die man bes­ser nicht sagt” bestand. Gerne wür­de ich euch ja an dem Spaß teil­ha­ben las­sen, aber lei­der muss­te McDonald’s die Seite aus dem Netz neh­men.

Das zeigt also wie­der, dass sol­che Kampagnen immer Prüfprozesse haben soll­ten. Ja, das ist mehr Aufwand und ja, das erhöht die Kosten – aber es ist immer noch bes­ser, als die Kampagne – so wie McDonald’s Neuseeland – nach einem Tag abbre­chen zu müs­sen. Nochmal so zum Mitschreiben: Das Internet ist böse und das soll­te zu jeder Zeit beach­tet wer­den. Wenn die­ser Aspekt beach­tet wird, dann klappt’s auch mit den Online-Kampagnen. Gerne sonst vor der nächs­ten Kampagne mich noch­mal fra­gen und ich schi­cke kom­men­tar­los die Kritiken die­ser Kampagne zurück.

Heute schrei­be ich mei­nen ers­ten Blog-Artikel seit lan­gem. Warum? Ich hat­te unglaub­lich viel Arbeit. Die letz­ten Wochen und Monate wuss­te ich ein­fach nicht, wo mir der Kopf steht. Aufträge über Aufträge. Immer, wenn ich gedacht habe, dass ich jetzt end­lich ein wenig zur Ruhe kom­men kann, kam der nächs­te Auftrag rein. Das ist natür­lich schön für mich, ande­rer­seits habe ich es auch ver­misst, end­lich mal wie­der etwas für mich zu schrei­ben – und über Themen, die mich inter­es­sie­ren und mir am Herzen lie­gen.

Aber jetzt ist es soweit. Diese Woche habe ich ein biss­chen Luft und kann mich wie­der auf die wesent­li­chen Dinge kon­zen­trie­ren, bevor die November-Projekte los­ge­hen. Denn in der Zwischenzeit sind wun­der­vol­le Dinge pas­siert und eines davon möch­te ich euch ger­ne erzäh­len: Ich habe jetzt einen Hund. Den habe ich aus dem Tierheim geholt. Und durch Zufall ein Herzensprojekt gefun­den.

So könn­te man es ganz kurz gefasst sagen. Denn ich bin jetzt in Charge über den Facebook-Account Tierheim Kranenburg e.V. – und es ist das Beste, was mir in mei­ner beruf­li­chen Laufbahn pas­siert ist. (Achtung, der nach­fol­gen­de Satz ent­hält nerv­tö­tend vie­le Anglizismen und Fachwörter) Natürlich ver­die­ne ich kein Geld damit, aber es ist schön, einen Social Media-Account zu ver­wal­ten, auf dem das Involvement unglaub­lich hoch und auch der Zusammenhalt der Community so unglaub­lich groß ist. Das lässt ein­fach das Herz eines jeden Community-Managers auf­ge­hen.

Das ist Dobby, der Zuwachs in unse­rer klei­nen Familie. Sie hat prak­tisch kei­ne Unterwolle und weil sie nur spa­ni­sches Klima gewohnt ist, muss sie den ers­ten Herbst und Winter wohl mit die­ser Situation rum­lau­fen. Findet sie nur so mit­tel.

Social Media – Irgendwas ist immer

Wieso? Erstens bin ich ja mitt­ler­wei­le ver­wal­ten­de Kraft hin­ter einer nicht zu ver­ach­ten­den Anzahl an Social-Media-Accounts aus den ver­schie­dens­ten Bereichen. Hier ist ja inter­es­sant, dass jeder Bereich ganz ande­res funk­tio­niert. Einige haben Unmengen an Followern, die aller­dings über­haupt nicht mit den Inhalten inter­agie­ren, indem sie weder liken noch kom­men­tie­ren – dafür aber kon­su­mie­ren wie die Blöden. Also auf die ent­spre­chen­den Links kli­cken und den Artikel lesen oder sich über das Produkt infor­mie­ren. Dann gibt es aber auch Accounts, die nur eine sehr gerin­ge Anzahl an Followern haben, die­se weni­gen Follower aber eine Interaktionsrate haben, von denen die meis­ten Unternehmen nur träu­men. Allerdings pas­siert es bei die­sen Accounts auch oft genug, dass zwar inter­agiert wird, als gäbe es kein Morgen mehr – aber nie­mand die Inhalte anklickt, weil die Produkte oder Dienstleistungen dann doch nicht sooooo inter­es­sant sind.

Ja und dann gibt es natür­lich auch noch die Accounts, die eine gerin­ge Anzahl an Followern haben, mit denen kei­ner inter­agiert und deren Inhalte auch kei­ner anklickt, weil die Inhalte pups­lang­wei­lig sind (aber die sind nicht in mei­ner Verwaltung. Dann wäre ich ein schlech­ter Social-Media- und Community-Manager). Bis jetzt konn­te ich also sagen: Bei Social-Media-Accounts gibt es kei­ne eier­le­gen­de Wollmilchsau, bei der die Followermenge groß, die Interkationsrate himm­lisch und die Conversionrate

(also Leute, die das Proukt oder die Dienstleistung auf­grund des Posts letzt­end­lich gekauft haben) ein Traum ist. Irgendeinen Wermutstropfen gibt’s immer irgen­wie.

Im Tierheim ist immer was los

Aber der Account vom Tierheim Kranenburg ist anders als alles, was ich bis jetzt ver­wal­tet habe. Bei einem Tierheim-Account kom­men alle Faktoren zusam­men, die das Gesicht eines Community-Managers zum Strahlen brin­gen. Meine per­sön­li­che eier­le­gen­de Wollmilchsau. Bei den Inhalten muss ich meist nicht lan­ge über­le­gen. Im Tierheim ist eigent­lich immer was los und ich habe jetzt schon Geschichten und Fotos auf Lager, mit denen ich jetzt schon täg­lich einen Post bis Mitte 2017 vor­be­rei­ten könn­te. Emotional ist alles dabei: Rührende Geschichten, wit­zi­ge Geschichten, trau­ri­ge Geschichten, herz­er­wär­men­de Geschichten und immer ein süßes Hundegesicht. Das hat man sonst als Social Media-Manager ja nicht so. Sonst muss man auch viel und ange­strengt über­le­gen, wie man die rich­ti­ge Portion Emotionalität in den Inhalt bekommt und ihn infor­ma­tiv gestal­tet. Beim Tierheim: Ts, die Emotionalität wird schon gleich mit­ge­lie­fert.

Dann ist da noch das Involvement der Community (ja, ich weiß, biss­chen vie­le Anglizismen, aber so heißt das lei­der nun mal). Generelles Szenario, wenn ich etwas pos­te: Paar Likes, paar Kommentare, paar Reaktionen und ab und zu auch ne Diskussion. Ein Teil der Nutzer kauft oder infor­miert sich über Produkte. Ziel erreicht. My Job is Done. Beim Tierheim? Ich pos­te, die Likes flie­gen zu, die Reaktionen flie­gen zu, die Nutzer schmei­ßen einem selbst Content zu, der Facebook-Gold ist (wun­der­ba­re Storys von armen, armen Straßenhunden, die ein lie­be­vol­les Zuhause gefun­den haben und die klei­nen Racker beim Spielen, Schlafen und beim Spaziergang zei­gen), tei­len wie die Irren und locken somit neue Nutzer an, die schluss­end­lich die Seite liken und letzt­end­lich ein Tier adop­tie­ren (Coversionrate ist also auch phä­no­me­nal).

6.750 MAL geteilt, 450.000 erreichte Personen. Richtig krass.

Glaubt ihr nicht? Ich möch­te euch ein Fallbeispiel nen­nen (ein extre­mes, zuge­ge­ben – sonst ist das natür­lich nicht so krass). Anwohner hier am Grenzwald in Frasselt hat­ten schon seit Tagen einen her­ren­lo­sen Hund her­um­lau­fen sehen – wahr­schein­lich einen Border Collie oder einen Border Collie-Mix – und das Tierheim ver­stän­digt. Das Tierheim hat den Hund ein­ge­fan­gen und erst ein­mal im Tierheim unter­ge­bracht, bis der Besitzer sich fin­den und mel­den wür­de. Die Hoffnung war groß, dass der Besitzer gefun­den wer­den wür­de, da das Tier gechipt war. Leider konn­te man den Chip dann nicht aus­le­sen, da es sich um einen nie­der­län­di­schen Chip han­del­te und es Wochenende war.

Da dach­te ich mir: Ach komm, setzt du den armen Kerl mal auf Facebook und schreibst auf Deutsch und Niederländisch, ob jemand die­sen Hund ver­misst. Ich hat­te damit gerech­net, dass die Interaktionsrate schon hoch sein wür­de – aber was dann pas­siert ist, hab selbst ich nicht abse­hen kön­nen. Wir sind viral gegan­gen. Aber frag nicht nach Sonnenschein. Über 6.750 mal geteilt, mehr als 450.000 erreich­te Personen und pi mal Daumen 45.000 Interaktionen. Praktisch wuss­te also die gan­ze Grenzregion Bescheid, dass die­ser Hund gefun­den wur­de. Darüber hin­aus fan­den sich unglaub­lich enga­gier­te Niederländer, die die Chipnummern durch sämt­li­che Datenbanken gejagt haben. Tierschützer, Tierheimbesitzer, Tierärzte und ande­re Berufsgruppen, die Zugang zu den Datenbanken hat­ten. Selbst das nie­der­län­di­sche Konsulat hat beim Tierheim ange­ru­fen und gefragt, ob sie irgend­wie hel­fen kön­nen. Da hab ich tat­säch­lich selbst als abge­brüh­ter Community-Manager-Hund ein biss­chen Pipi in den Augen gehabt. Das war ein­fach über­wäl­ti­gend schön, wie sehr sich die Menschen enga­giert haben.

Nun ja, das Leben ist kein Ponyhof

Aber wie das Leben halt nun mal so ist – es ist kein Ponyhof. Es wäre natür­lich mein per­sön­li­cher Facebook-Oscar gewe­sen, hät­te sich das Herrchen oder Frauchen gefun­den. Am Besten noch von ziem­lich weit weg und sehr ver­zwei­felt auf der Suche nach sei­nem oder ihrem Hund. Zack, Hund hin­ge­bracht, Foto gemacht, alle wären glück­lich gewe­sen und es wäre DIE Facebook-Story des Jahres gewe­sen. Aber lei­der war dem nicht so. Herrchen oder Frauchen haben den Chip nicht regis­triert und es ist nicht ganz unwahr­schein­lich, dass das arme Tier ein­fach im Wald aus­ge­setzt wur­de. Das habe ich aller­dings dann lie­ber mal nicht geschrie­ben. Viel zu trau­rig.

Aber ja, ihr merkt, ich habe gro­ße Freude an dem Projekt und ich habe gro­ßen Respekt vor der Arbeit, die die Menschen im Tierheim jeden Tag voll­brin­gen. Ich selbst bin ja nur die, die Fotos macht und das in die­ses Online da bringt. Aber es erfüllt mich und ich bin jeden Tag froh, wenn ich als per­sön­li­ches Highlight mei­nes Arbeitstages eine klei­ne aber fei­ne Geschichte online set­ze, die vie­le Menschen irgend­wie, irgend­wo berührt. Denn manch­mal ist es ganz schön frus­trie­rend, laut mit meh­re­ren Accounts auf Facebook rum­zu­schrei­en und irgend­wie zu ver­su­chen, sich Gehör zu ver­schaf­fen und trotz­dem nur eine klit­ze­klei­ne Randnotiz im Alltag eines Menschen zu sein, die bald schon wie­der aus dem Kurzzeitgedächtnis ver­bannt wird. Da ist es ein­fach wun­der­bar, wenn man nur lei­se kurz eine Geschichte erzählt und trotz­dem einen blei­ben­den Eindruck zu hin­ter­las­sen.

Ich habe ein Problem. In mei­ner Timeline. Denn Facebook ist längst im Mainstream ange­kom­men und lang­sam stresst mich das wirk­lich, wie unre­flek­tiert eini­ge Personen mit dem Internet umge­hen.

Es gab mal eine Zeit, da war mein Facebook-Newsfeed ein freund­li­cher Platz in dem mei­ne Freunde Quatsch gepos­tet und mir put­zi­ge Videos von hüp­fen­den Pinguinen emp­foh­len haben. Politik war da noch kein Thema und Facebook war ein sor­gen­frei­er Raum, in den ich ger­ne tauch­te um abzu­schal­ten. Das ist jetzt vor­bei. Jetzt kommt mir zwar immer auch noch viel Schönes und Positives ent­ge­gen – aber auch genau so viel Schreckliches und Dinge, die ich gar nicht sehen woll­te.

Jeder kennt ein oder zwei Spezialisten, die immer was Fragwürdiges posten

Ich gehe davon aus, dass jeder von euch so zwei, drei Spezis in sei­ner Freundesliste hat, die einem mit gepos­te­ten und geteil­ten Inhalten in den poli­ti­schen und mora­li­schen Wahnsinn trei­ben. Ein brand­ak­tu­el­les Beispiel. Gerade mache ich Facebook auf und Folgendes kommt mir ent­ge­gen: Ein Video, in dem Hunde gequält wer­den (wir reden hier nicht von einer Happy End-Geschichte, in der die Hunde ein lie­be­vol­les Zuhause fin­den. Die Hunde sind am Ende tot). Dann folgt irgend­so ein Aufruf, dass ich eine Petition unter­schrei­ben soll, dass soge­nann­te “Nafris” schnel­ler abge­scho­ben wer­den sol­len (Ääääh… Nein, Danke). Und als Highlight hat sich dann noch einer mei­ner Facebookfreunde furcht­bar in einer Klever Gruppe dar­über auf­ge­regt, dass der Caspar bei den drei Sternsingern aus Political Correctness nicht mehr schwarz ange­malt wird (Ja lass die doch, die Farbe hat bei mir frü­her eh immer nur ne all­er­gi­sche Reaktion her­vor­ge­ru­fen).

Und ich denk nur so: Alle mal die Sabbel hal­ten, ich bin gekom­me­nen um ein Brot zu essen und dabei ein paar wit­zi­ge Dinge zu sehen. Stattdessen bekom­me ich aber schlech­te Nachrichten, Schockvideos und die Erkenntnis dar­über, wie pein­lich eini­ge Menschen aus mei­nem Bekanntenkreis sind, weil sie angeb­lich eine simp­le Antwort auf ein kom­ple­xes Problem gefun­den haben und die Lösung dann laut und unge­fragt im Internet rum­schrei­en. Das muss auf­hö­ren. Ich habe kei­nen Platz in mei­nem Leben für poli­tisch ver­wirr­te Quatschköppe mit man­geln­der Medienkompetenz oder ver­meint­li­che Aufklärungs-Messiasse (ist das der Plural von Messias? Geht das über­haupt? Sonst ver­such ich’s mal mit Messiasuten).

Die Supermarkt-Regel

Ich per­sön­lich ach­te pein­lich dar­auf, dass mei­ne Äußerungen in die­sem Online nicht zu poli­tisch wer­den, da für mich Facebook und gene­rell das Internet immer noch ein Raum für Spaß, Kreativität und gute Laune ist. Denn mei­ne poli­ti­sche Meinung ist etwas Privates und da ich nicht in der Politik aktiv bin, geht sie auch nie­man­den etwas an. Wahrscheinlich inter­es­siert es auch nie­man­den groß­ar­tig, wel­che poli­ti­sche Einstellung ich zu ver­schie­de­nen Themen habe.

Und das ist der Knackpunkt, den eini­ge nicht ver­stan­den haben. Wer digi­tal unter­wegs ist, ist nicht pri­vat unter­wegs. Zumindest nicht pri­vat pri­vat. Das soll bedeu­ten, dass sozia­le Medien eigent­lich dazu da sind, sich ober­fläch­lich mit ande­ren Menschen aus­zu­tau­schen. Also über Dinge, mit denen man auch mit sei­nen Bekannten an der Supermarktkasse quatscht: Ich arbei­te jetzt bei der und der Firma – schau mal hier, ein Bild von mei­ner Katze – ich hab letz­tens die­sen Film gese­hen, der war echt rich­tig gut. Das reicht. Wer eine durch­schnitt­li­che sozia­le Kompetenz auf­weist, wür­de an der Supermarktkasse einem prak­tisch Fremden nie­mals im zwei­ten Satz sei­ne Meinung über “Nafris” raus­bla­sen, Streit über die Gesichtsbemalung der Heiligen Drei Könige anfan­gen oder jeman­dem ein Video auf sei­nem Handy zei­gen, in dem Hunde gequält wer­den.

Weniger Platz für Politisch-Verwirrte und mehr Cat-Content

Ist da aber das Internet als Schutzschild vor, hau­en einem eini­ge Personen unge­fragt ihre Meinung um die Ohren. Die inter­es­siert mich aber nicht. Sorry. Erzählt das bit­te euren engen Freunden oder irgend­wel­chen Personen, die ihr regel­mä­ßig bei eurem Stammtisch trefft. Denn auch wenn ich mich nicht poli­tisch äuße­re, heißt das nicht, dass ich ein armer unwis­sen­der Bürger bin, der Aufklärung sucht. Im Gegenteil. Ich weiß ziem­lich viel und bin nicht son­der­lich auf den Kopf gefal­len – ich habe vie­le eurer beklopp­ten Argumente in drei Sätzen aus­ein­an­der genom­men (außer ihr seid Hardcore-Veganer – ihr seid mir meis­tens rhe­to­risch und mora­lisch über­le­gen).

Ich möch­te gera­de ein­fach nur kei­ne gequäl­ten Hunde sehen oder ver­que­re Meinungen lesen, wenn ich mein Brot esse. Ist das denn zu viel ver­langt? So Timeline-Spezis sind wie Bauarbeiter, die einer Frau hin­ter­her­pfei­fen. Da denkt die Frau ja auch nicht: “Was für ein tol­ler Typ!” und star­tet eine Affäre mit ihm. Nein, sie geht wei­ter, denkt sich “Vollpfosten…” und läs­tert danach mit ihren Freundinnen dar­über ab. Das ist nicht anders mit stark pola­ri­sie­ren­den Aussagen in sozia­len Netzwerken. Niemand wird sich der Meinung anschlie­ßen. Die meis­ten Nutzer scrol­len wei­ter, den­ken sich “Vollpfosten…” und läs­tern danach mit ihren Freunden dar­über ab. So ein­fach ist das.

Naja, ich hab mich gera­de eigent­lich nur mal ganz furcht­bar auf­re­gen müs­sen. Aber ab jetzt wird alles wie­der posi­tiv – ich hab mei­nen Facebookfeed auf­ge­räumt und jetzt drei Facebook-“Freunde” weni­ger. Sollte den drei Personen auf­fal­len, dass wir kei­ne “Freunde” mehr sind, erklä­re ich es ihnen ger­ne, wenn ich sie an der Supermarktkasse tref­fe. Mal sehen, ob die das auch von Angesicht zu Angesicht mit einer Person bespre­chen möch­ten, die sie kaum ken­nen 😉

Ich find das sel­ber doof, dass das so ein nega­ti­ver Post war. Also mach ich die Laune jetzt wie­der gut. Et Violá: Pinguine (soll­te jetzt jemand sagen, wie ich mich noch an Pinguinen erfreu­en kann, wenn gleich­zei­tig die Gletscher schmel­zen und mir ein Video über glo­ba­le Erderwärmung schi­cken, hau ich um mich!)

Style 2

 

Was war los die­se Woche? An die­ser Stelle möch­te ich euch ger­ne mei­ne Internetschätze prä­sen­tie­ren – denn: Es war viel los. Ich habe sehr viel den Kopf geschüt­telt und auch herz­lich gelacht. Enjoy.

Fail der Woche:

Dieses doch sehr offen­sicht­lich schlecht auto-über­­­set­z­­te Popup kam mir die­se Woche ent­ge­gen.

Benutzen die­se auto­ma­tisch Übersetzungen immer ist nicht so eine gute Idee. Ist aber für alle Fälle herr­li­ches Entertainment. Nachdem ich habe gele­sen die Überschrift, ich habe alle deut­schen Sätze ein­fach in eng­li­sche Grammatik umge­formt. Ich fand das lus­tig – meis­te ande­re Menschen nicht.

Quelle: smartbuyglasses.co.uk 

Politikum der Woche

Ich sags ja immer wie­der: Wer in der digi­ta­len Welt durch­star­ten will, muss immer so geklei­det sein, als wür­de es gleich noch schnell zum Späti gehen. In die­sem Fall hat der Typ von ResearchGate alles rich­tig gemacht: Erst noch schnell die Kanzlerin tref­fen und dann ab in den Feierabend an den See. Mir ist der sehr sym­pa­thisch – wobei ich mir sicher bin, dass nur Menschen aus unse­rer Branche das 100% nach­voll­zie­hen kön­nen.

Gedanken, die der wahr­schein­lich hat­te “Na, du willst doch was von mir und ich nicht von dir, oder? Ich komm ange­zo­gen, wie ich will!”

Ich find den cool.

Quelle: Twitter.com/RegSprecher

Meme der Woche

Einige von euch sind wahr­schein­lich nicht so tief im Internet drin wie ich, des­halb ist hier ein wenig Erklärungsbedarf. (Was ein Meme ist, erklä­re ich hier mal nicht. Für die Wenigen, die es nicht wis­sen und erfah­ren möch­ten: Hier) Das Internet ist ja unbe­re­chen­bar. Ich hän­ge viel auf 9GAG rum und da wer­den vie­le Memes über aktu­el­le gesell­schafts­po­li­ti­sche Themen (neben viel Quatsch) gepos­tet. Einige von denen sind manch­mal echt so nah an der Geschmacklosigkeit dran, dass man tief ein­at­met und es einem eher unan­ge­nehm ist, dass man dar­über gelacht hat.

Manchmal hat das Internet aber auch wahn­wit­zi­ge Trends und Vorlieben, die nicht so ganz nach­voll­zieh­bar sind. Das Internet ist neben dem Phänomen des Bronie-Trends und der Faszination für neue Namensfindungen für Beresect Conderhadge näm­lich auch ein gro­ßer Fan der Kinderserie Lazytown, ins­be­son­de­re des Schurkens, der von Stefan Karl gespielt wur­de. Der ist ges­tern nach einem lan­gen Kampf mit dem Krebs gestor­ben.

Ich muss nicht erwäh­nen, dass die­ses Meme die Internet-Woche ganz gut zusam­men­fasst, oder?

Respect to the number one.
Quelle: 9GAG

WTF der Woche

Speaking of Memes: Warum? Warum? Waaaruuuum? Gut, Otto hat nichts falsch gemacht. Die haben ein­fach den Darsteller von Hide The Pain Harold genom­men, dem wahr­schein­lich ne ziem­li­che Stange Geld gezahlt und einen Werbespot für die rele­van­te Zielgruppe gedreht. 

Hide The Pain Harold ist irgend­so ein ukrai­ni­sches Stockfoto-Model, das auf zahl­rei­chen, abge­dro­sche­nen Stockfotos zu sehen ist. Irgendwann wur­de er zum Meme und bekannt als Hide The Pain Harold, weil er immer so gequält lacht. Zuerst fand er es doof, dass ihn Leute auf der Straße die gan­ze Zeit ange­spro­chen haben. Jetzt, wo er Geld draus machen kann, scheint das doch nicht mehr so blöd zu sein. 

Ich hab mich trotz­dem ein wenig vor den Kopf gesto­ßen gefühlt, als ich den in hoch auf­ge­löst und mit gutem Script gese­hen habe. Hide The Pain Harold soll­te wei­ter schlech­te Witze in pixe­li­ger Qualität machen.

Andererseits… Ich gön­ne ihm den lukra­ti­ven Fame und höre jetzt mit die­sem “Vor-dem-Kommerz-war-alles-bes­­ser” auf. Ich lebe schließ­lich von die­sem Kommerz 😉

https://www.youtube.com/watch?v=wTTDwEJkoaE

Aha! der Woche

Ich hab Windings ja frü­her immer nur benutzt, um “heim­li­che” Nachrichten mit mei­ner dama­li­gen bes­ten Freundin aus­zu­tau­schen. Da war ich zwölf und dach­te, ich sei unglaub­lich cle­ver. Wozu Windings tat­säch­lich gut ist, war mir nie bewusst.

Vielleicht soll­te ich das noch­mal aus­pro­bie­ren. Ich schmeiß’ immer direkt Photoshop an – aber viel­leicht geht das auch ein­fa­cher.

https://www.youtube.com/watch?v=JdKV1L1DJHc

Rumspielerei der Woche

Ich war auf Facebook unter­wegs und bin ja schon ein gro­ßer Fan die­ser 3D-Rumspielereien. Eigentlich ste­he ich mit Van Gogh auf Kriegsfuß, weil ich im Kunstunterricht mal die­ses Blumenbild nach­ma­len muss­te und mit Ach und Krach gera­de mal ne 4- geschafft habe – aber mal zu sehen, wie Van Goghs Sternennacht zum Leben erweckt wird, ist sau­cool.

Quelle: facebook.com/iartGaleria

Produkt der Woche

Zuerst hab ich gedacht “Hahahahaha, was für Idioten!” dann habe ich mich aber selbst dabei ertappt, den Kauf die­ses Produkts in Erwägung zu zie­hen. Weiß zwar sel­ber noch nicht, was ich damit anfan­gen soll – aber irgend­wie wär’s geil. Personalisierte Hundesocken woll­te ich schon immer mal haben. Solltet ihr im Kreis der Menschen sein, die mir in regel­mä­ßi­gen Abständen was schen­ken müs­sen – eine klei­ne Inspiration.

Quelle: Supersocken.de

Video der Woche

Und hier noch­mal ein­fach was für die gute Laune. Ich per­sön­lich fand, dass es sehr gut inves­tier­te 3 Minuten mei­ner Zeit waren. Einfach zuhö­ren und wit­zig fin­den. Dödödödö död­ödö dödö. Dödödödö död­öd­öd­öd­ödö… Ach nee, das war Tetris. Oder genau­er gesagt: Johann Sebastian Bach

https://www.youtube.com/watch?v=FT0RSXGLPpw

GIF der Woche

Ich arbei­te ja unter ande­rem auch für die bezau­bern­den Ladies von der Curiosity Box und da ich dort die ein­zi­ge Deutsche bin, die dazu auch noch mit DSGVO-Fun Facts alle Marketingträume zunich­te macht, habe ich die­ses GIF die­se Woche sehr oft erhal­ten. Zurecht. Ich elen­der DSGVO-Spielverderber 😉

via GIPHY

Hach ja – ihr habt es sicher­lich schon mit­be­kom­men: Es war warm. Nicht nur so ein biss­chen warm, son­dern eher so warm, dass man stän­dig in sei­ner eige­nen Suppe geses­sen hat und sich ein­fach nicht bewe­gen woll­te. Dazu gehör­te ich selbst­ver­ständ­lich auch. Aber wisst ihr, wer auch dazu gehör­te? Meine Telefonanlage. Jap, das arme Ding ist auf dem Dachboden unse­res Gründerzeit-Hauses instal­liert wor­den und hat eine auto­ma­ti­sche Abschalt-Funktion, die unmit­tel­bar in Kraft tritt, sobald die Raumtemperatur etwa 50°C über­steigt. Ich war die ver­gan­ge­nen Wochen also vom Nachmittag an ohne Internet.

Das neue Spiel für Adrenalinjunkies: Wann ist das Internet weg?

Wann genau konn­te ich aller­dings nicht sagen. Deshalb hab ich ziem­li­che vie­le Runden „Schaff-ich-das-noch-bevor-sich-alles-ver­­a­b­­schie­­det-Bingo“ gespielt. Ist tat­säch­lich mit ein biss­chen Nervenkitzel ver­bun­den. Ich kam mir vor wie in einer die­ser Kochshows, in denen die Kandidaten unter immensem Zeitdruck eine drei­stö­cki­ge, fili­gran ver­zier­te Hochzeitstorte zusam­men­bas­teln müs­sen bevor die Uhr stoppt und sie sofort die Hände von der Torte weg­neh­men und auf einen roten Buzzer drü­cken müs­sen. So ging das in etwa bei mir auch, nur dass ich eher Facebookkampagnen auf­ge­setzt habe und eine Zeit lang auch nicht wirk­lich ein­schät­zen konn­te, wann die Uhr stop­pen wür­de.

Doch ich bin ja schlau und habe mich des­halb kur­zer­hand zu einer Art Amateur-Meteorologin ent­wi­ckelt, die anhand von Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit in etwa abschät­zen kann, wann Schicht im Schacht ist. Gut, dass man Wikipediaartikel näm­lich auch run­ter­la­den kann.

Kein Internet: Langweilig. Voll langweilig.

Hatte ja auch genug Zeit, mich mit Meteorologie zu beschäf­ti­gen, war ja schließ­lich nichts ande­res zu tun. Denn mir war lang­wei­lig. Mein Gott, war mir lang­wei­lig. Mein Fernseher funk­tio­nier­te auch nicht ohne Internet, mein Datenvolumen war bis ans Maximum aus­ge­reizt und mein iPad hat­te kei­nen Speicherplatz mehr, weil ich da tat­säch­lich Sachen für die Arbeit drauf habe, die ich brau­che.

In die­ser Zeit ist mir dann schmerz­lich bewusst gewor­den, dass ich zu viel vor Bildschirmen hän­ge: Wenn ich nicht vor dem Computer arbei­te, fri­ckel ich irgend­was auf mei­nem Handy rum, schaue Netflix auf mei­nem iPad oder lass mich vom Vorabendprogramm auf dem Fernseher berie­seln. Die ein­zi­ge Zeit, die ich nicht vor einem Bildschirm ver­brin­ge, gehe ich ent­we­der mit dem Hund oder bin ver­hin­dert, weil ich gera­de schla­fe.

Was macht man nochmal in diesem Offline?

Sich des­sen bewusst zu wer­den, ist schon ganz schön krass. Klar, digi­tal unter­wegs zu sein ist mei­ne Passion, mein Beruf und ein gro­ßer Teil mei­nes Lebens – aber ich muss doch auch mal was off­line machen! Nur was macht man noch­mal so in die­sem Offline? Ehrlich gesagt war ich zunächst ein wenig rat­los.

Früher habe ich immer gele­sen. Meine Mutter war näm­lich der Meinung, dass Fernseher und Handys dumm machen und des­halb war ich ziem­lich oft auf mich allei­ne gestellt in Sachen Entertainment. Also habe ich immer mei­ne Bücherei-Karte aus­ge­reizt und ein­fach mal so fast jedes Buch in unse­rer klei­nen Dorfbücherei gele­sen. Denn ich hat­te nicht den Luxus eines Kindle-Abos und muss­te ein­fach das lesen, was da war. Das führ­te dann auch dazu, dass ich mich durch Michel Houllebecq gequält und wahr­schein­lich jeden seich­ten Frauenroman ver­schlun­gen habe, der in den Jahren 2002 bis 2008 ver­öf­fent­licht wur­de. 2008 war dann Schluss, dann habe ich Abi gemacht und hat­te von da an einen Fernseher und einen Computer. Da ging es schon ein biss­chen berg­ab.

Richtig berg­ab ging es dann aber mit dem Smartphone. Seitdem ich das Teil habe, nut­ze ich es auch. Ich orga­ni­sie­re mein Leben mit Apps, scrol­le immer mal wie­der durch die Branchennews und habe schon viel zu viel Zeit damit ver­bracht, sinn­lo­se Videos auf YouTube zu schau­en – und wo wir gera­de schon­mal so ehr­lich sind: Ich bin nicht stolz drauf, aber bei Candy Crush Soda Saga befin­de ich mich gera­de in Level 1153. Ja, das hat so vie­le Level und noch viel mehr. Nein, da bin ich echt nicht stolz drauf.

Naja, gut. Ein biss­chen.

Fragen über Fragen, deren Antworten nur online zu finden sind…

Nun ja, da ich mei­nen Feierabend also ohne Internet und Fernsehen ver­brach­te, muss­te ich umdis­po­nie­ren: Gut. Lesen wir doch mal was. Wir mögen lesen.

Hier ist doch das Buch von Obama, das ich schon so lan­ge mal lesen woll­te: Dreams from my Father. (Warum woll­te ich das lesen? Ich hab Obama bei Letterman auf Netflix gese­hen und noch wäh­rend ich geschaut habe bei Amazon auf “Bestellen” geklickt…). Zwei Seiten gele­sen. “Mhm, mhm, mhm inter­es­sant” – “Hab ich eigent­lich die Smartphone-Gebote in der einen AdWords-Kampagne ange­passt?” – “Wann war noch­mal das Frank Turner Konzert?” -“Waren das jetzt Elefanten, die nicht sprin­gen kön­nen oder Giraffen? Oder bei­de?”

Leider konn­te ich mich also nicht auf das Buch kon­zen­trie­ren, weil mir stän­dig Fragen in den Sinn gekom­men sind, deren Antwort ich nur online gefun­den hät­te.

Nach einer Woche oder so wur­de es dann aber bes­ser und ich habe es tat­säch­lich geschafft, Dreams from my Father zu been­den (Naja, zu 2/3 – beim letz­ten Drittel hab ich gechea­ted und die Hörbuch-Version bei Audible gehört, wäh­rend ich mit dem Hund gegan­gen bin. Aber ey – Obama liest es per­sön­lich mit sei­ner samt­wei­chen Soul-Stimme vor)

Zwei Wochen offline und schon werd ich zu Martha Stewart-Picasso

Irgendwie war das schon ein ziem­lich gutes Gefühl, sei­ne Zeit irgend­wie auch mal sinn­voll zu gestal­ten nach Feierabend. Denn ich habe nicht nur gele­sen, ich habe auch mein Malen nach Zahlen end­lich mal fast fer­tig (ist mir egal, dass ihr das total uncool fin­det, in der Instagram-Werbung sah das viel­ver­spre­chend und hip aus) und ich habe eine nicht zu ver­ach­ten­de Zahl an gesun­den Snacks selbst her­ge­stellt und mich wie Martha Stewart gefühlt. Von die­sen Snacks schme­cken zwar nur etwa 50% ganz okay . Bisschen Schwund ist halt immer.

Heute ist ja der ver­meint­lich letz­te Tag der Hitzewelle und ich muss ja sagen, dass mir der digi­ta­le Detox auch mal ganz gut­ge­tan hat. Aber reicht jetzt auch. Ich wer­de bestimmt nie­mals zu den Menschen gehö­ren, die sagen „Also ich hab ja kei­nen Fernseher“ (Was ist eigent­lich das heu­ti­ge Äquivalent dazu? – „Ich leb ja im Wald ohne Empfang?“) – dafür lie­be ich mein Internet zu doll. Aber ich fin­de es nicht schlecht, mal wie­der Momente der Entschleunigung zu erfah­ren und aktiv Dinge zu gestal­ten.

Fazit: Offline geht schon wieder ganz gut, muss aber nicht immer sein.

Trotzdem kann ich es nicht abwar­ten, die Netflix-Mashup Folge von Queer Eye und Nailed It auf Netflix zu inha­lie­ren, Level 1154 bei Candy Crush zu rocken und end­lich, end­lich wie­der mal nen Wasserrutschen-Test bei Galileo zu sehen (Viele den­ken, ich mache Witze. Aber: Über Galileo macht man kei­ne Witze. Ich lie­be Galileo. Also geh weg und lass mich.)

Dass ich das mache, erwäh­ne ich in zukünf­ti­gen Gesprächen natür­lich nicht. Ich wer­de mei­nem Gegenüber aus­schließ­lich gehö­rig damit auf die Nüsse gehen, in jedem drit­ten Satz mei­nen (natür­lich total frei­wil­li­gen) Digitalen Detox zu erwäh­nen und die befrei­en­de Reise, die ich dabei erlebt habe.

Ihr ent­schul­digt mich, ich habe Candy zu Crushen.

Als ich NEON das ers­te Mal sah, war ich hin und weg. Ich war zar­te 17 Jahre alt und traf NEON in einer Zeit, in der das Leben gera­de erst rich­tig anfing und ich auf der Suche nach einem Kompass war, der mich durch die­se auf­re­gen­de, aber auch ang­st­ein­flö­ßen­de Zeit navi­gier­te. Da war NEON nun. Lag läs­sig im Zeitschriftenregal und schau­te mich mit sei­nem auf­fäl­li­gen NEON-Design an. Und dann mach­te es “BOOM!”, wie das nur bei Jugendlichen geschieht.

Ich nahm NEON ohne zu zögern mit zu mir nach Hause und wir rede­ten und rede­ten, Stunde um Stunde. NEON erzähl­te mir von der gro­ßen wei­ten Welt. Wie es im Osten von China ist, wer die ange­sag­tes­ten neu­en Indie-Bands sind, wie er Bosse getrof­fen hat und ihm Fragen zur EU stell­te. In mei­nen Teenager-Augen war NEON der Größte und ich war ziem­lich ver­knallt in ihn. Jeden Monat hat­te NEON so viel zu berich­ten und zeig­te mir die gan­ze Welt.

Immer an meiner Seite – eine Schöne Zeit.

So ging das ein paar Jahre und NEON wur­de zu einem treu­en Begleiter. Er erzähl­te mir alles und inspi­rier­te mich, immer wie­der neu­es aus­zu­pro­bie­ren und an mich zu glau­ben. Die Jahre mit NEON waren unbe­schwert und vol­ler span­nen­der Lebensabschnitte. England hier, Hamburg da, dann mal in Schweden und ger­ne auch noch­mal nach Köln. Es war eine schö­ne Zeit und NEON war immer an mei­ner Seite und beglei­te­te mich.

Die Liebesgeschichte von NEON und mir zer­brach – wie so vie­le jun­ge Lieben – schlei­chend und still. Wir hat­ten uns ver­än­dert. Auseinandergelebt. Während ich mei­ner Arbeit nach­ging und mich über Versicherungen ärger­te, hielt NEON immer noch an Backpackingtrips für Bratislava fest. Irgendwann wur­de mir klar, dass das so nicht wei­ter­ge­hen konn­te. Ich tat also das, was jeder tun muss, der eine gelieb­te Person hin­ter sich las­sen muss, um wei­ter­zu­kom­men: Ich habe die Beziehung zu NEON been­det. In einem pro­fes­sio­nell distan­zier­ten, aber trotz­dem ein­fühl­sa­men Brief erklär­te ich NEON, dass es so nicht wei­ter­geht und ich mein Abonnement hier­mit zum nächst­mög­li­chen Zeitpunkt kün­di­gen möch­te. Das hat NEON sehr ver­letzt. Anrufe folg­ten, in denen NEON bet­tel­te, mich zurück­zu­neh­men. Wieso wol­le ich es nicht noch­mal ver­su­chen? Würde eine Dreiecksbeziehung mit der NIDO viel­leicht alles ret­ten? Heutzutage bezie­hen vie­le Leute Kombiabos. Aber egal, wie sehr NEON auch bet­tel­te – es war aus und vor­bei. Ich muss­te wei­ter­zie­hen.

Heftige Äffaren und kurzfristige Liasons – doch keine ist wie du

Es folg­ten ande­re Zeitschriften, doch nie wie­der konn­te ich mich mit vol­lem Herzen an eine Zeitschrift bin­den. Nach den Jahren des Gefangenseins woll­te ich mei­ne Freiheit spü­ren. Wollte ein­fach in den Kiosk gehen und mir neh­men, was ich brauch­te. Es folg­te eine kur­ze, aber hef­ti­ge Affäre mit Business Punk und eine eher halb­her­zi­ge Liaison mit stern Crime. Die ande­ren Zeitschriften waren okay für den Augenblick, aber nie wie­der schaff­te es eine Zeitschrift, mich so zu berüh­ren wie NEON.

Von Zeit zu Zeit sah ich mir alte Erinnerungen an, bei denen ich es nicht an mich brin­gen konn­te, sie zu ent­sor­gen – wie etwa die Ausgehtipps für Oxford oder die Rezepte von Migranten – und dach­te an NEON. Manchmal sah ich NEON auch aus der Ferne und es schien ihm gut zu gehen. Das Cover leuch­tend wie eh und je und die Überschriften gleich­zei­tig prä­gnant und raf­fi­niert. Dabei rea­li­sier­te ich anschei­nend nicht, dass es NEON seit mei­nem Weggang immer schlech­ter ging. Die Leserschaft wur­de klei­ner und klei­ner und damit auch das Selbstbewusstsein. Der Umzug von München nach Hamburg ließ NEON inner­lich zer­rei­ßen und die Leser nach mir waren nicht so treu wie ich – stän­dig ver­lie­ßen sie NEON und ban­del­ten mit VICE.de und ande­ren digi­ta­len Plattformen an. Doch all das sah ich nicht, weil ich mit mei­nem eige­nen Leben beschäf­tigt war.

Ein Wiedersehen.

Bis zum heu­ti­gen Tag, da traf ich NEON wie­der. Ich hör­te von HORIZONT, wie es NEON in den letz­ten Monaten ergan­gen war. Dass er an einem Tiefpunkt ange­langt war, sich aber jetzt wie­der auf­rap­pelt und einen Neustart wagt. Das hat mich inner­lich sehr berührt. Zuerst, weil ich nicht gese­hen habe, wie schlecht es NEON ging und außer­dem, weil ich ihm in die­ser Zeit bei­ste­hen woll­te. Ich sam­mel­te NEON in einem Kiosk ein und wir setz­ten uns in ein Café, wo wir lan­ge spra­chen. Ich freu­te mich, NEON wie­der­zu­se­hen und bei­na­he war es wie frü­her: Die Geschichten über Dreiecksbeziehungen der Studenten-Freunde, das Beschweren über die Eltern und den läs­ti­gen Nebenjob und die Aufklärung über den Atomausstieg. Es hat­te sich eini­ges ver­än­dert, aber vie­les war doch gleich­ge­blie­ben und ver­traut.

Doch eines ist mir klar. NEON muss sei­nen Weg nun allei­ne gehen, es gibt kei­ne Chance auf ein Happy End. Wir haben uns zu sehr aus­ein­an­der­ge­lebt. Denn ich höre mir gele­gent­lich noch ger­ne NEONs Geschichten über Backpacker und ner­ven­de Mitbewohner an, aber ich kann sie nicht mehr rich­tig füh­len.

Mein Leben ist jetzt anders. Ich hof­fe, NEON ver­steht das.

Lebe wohl, mei­ne ers­te gro­ße Zeitschriften-Liebe.

Mögest du eine Generation von Lesern fin­den, die dich genau­so liebt, wie ich es tat.

Ich ges­tern so: Seufz. Kurz vom Bildschirm weg­ge­se­hen, dann wie­der hin­ge­se­hen. Nein, es ist immer noch da. Nochmal weg­ge­se­hen. Nochmal hin­ge­se­hen. Mist. Immer noch da. Ich hat­te das also nicht geträumt und das war wirk­lich pas­siert. Einer der größ­ten und mäch­tigs­ten Konzerne der Welt hat sich mit einer Online-Kampagne in die Nesseln gesetzt. Aaaaaah. So geht das doch nicht. So. Geht. Das. Nicht.

Echt. Nicht.

Auch große Konzerne haben das Netz nicht immer verstanden.

Liebes McDonald’s‑Team – ihr habt doch Geld. Astronomisch viel Geld. Wieso macht ihr dann so einen Quatsch? McDonald’s hat es ges­tern wie­der geschafft, zu sehr an die Menschheit zu glau­ben und zu ver­ges­sen, dass das Internet in den meis­ten Fällen durch und durch böse ist.

Was ist also genau pas­siert? McDonald’s Neuseeland mein­te es gut mit den Kunden und des­we­gen gab McDonald’s ihnen die Möglichkeit, Burger selbst zu kre­ieren. So weit, so gut. Ist ja eigent­lich eine sehr net­te Idee und wahr­schein­lich hat der Pommes-Konzern einer über­kan­di­del­ten Marketingagentur ziem­lich vie­le Dollar in den Hintern gebla­sen, weil die das ja anschei­nend kön­nen. Sonst wür­den die nicht so viel Geld ver­lan­gen.

Tja. Wer auch immer die Agentur dahin­ter ist, scheint das Internet nicht ver­stan­den zu haben. Denn die Burger konn­ten kre­iert wer­den, ohne vor­her eine Freigabeprozedur durch­lau­fen zu müs­sen. Und das war der Fehler. Ähm Tschuldigung – hat denn hier nie­mand gelernt, was pas­siert, wenn man das Internet auf sowas los lässt?

TayTweets, der intel­li­gen­te Chat-Bot von Microsoft, der am Ende nur eines Tages von einer freund­li­chen jun­gen Dame von den Usern durch unan­ge­brach­te Kommentare zu einer ras­­sis­­tisch-sexis­­ti­­schen ollen Hexe ver­wan­delt wur­de? Boaty McBoatface, das bri­ti­sche Forschungsschiff, das doch nicht so hei­ßen darf, weil die Organisatoren Spaßbremsen sind und sich vor­her nicht den­ken konn­ten, dass so ein Name dabei raus­kommt, wenn es kei­ne Freigabeprozedur gibt?

Tote Kinder, Vergewaltigungen und eine Prise Islamfeindlichkeit

Eine ähn­li­che Konsequenz gab es auch für McDonald‘s: Die Startseite explo­dier­te vor lau­ter Burger der Unmöglichkeit. Erst erschie­nen da noch grenz­wer­tig wit­zi­ge Burger wie „Rektal Prolapse“ – ein Burger mit sehr viel Weichkäse, der am nächs­ten Morgen wahr­schein­lich nicht so viel Spaß macht und „The Sad European“ – ein Burger, der aus zwei Buns und einer Scheibe Käse besteht. Aber dann tauch­ten mehr und mehr Burger auf, die geschmack­los und defi­ni­tiv nicht für die öffent­li­che Zurschaustellung geeig­net sind. „Toddler Body Bag“, „The Aryan“ und „Pound my Back, Daddy“ gehen bei­spiels­wei­se über alle Geschmackgrenzen hin­aus und beherrsch­ten schon bald die Startseite der Kampagnenseite, sodass die Startseite bald aus einem Best Of “Dinge, die man bes­ser nicht sagt” bestand. Gerne wür­de ich euch ja an dem Spaß teil­ha­ben las­sen, aber lei­der muss­te McDonald’s die Seite aus dem Netz neh­men.

Das zeigt also wie­der, dass sol­che Kampagnen immer Prüfprozesse haben soll­ten. Ja, das ist mehr Aufwand und ja, das erhöht die Kosten – aber es ist immer noch bes­ser, als die Kampagne – so wie McDonald’s Neuseeland – nach einem Tag abbre­chen zu müs­sen. Nochmal so zum Mitschreiben: Das Internet ist böse und das soll­te zu jeder Zeit beach­tet wer­den. Wenn die­ser Aspekt beach­tet wird, dann klappt’s auch mit den Online-Kampagnen. Gerne sonst vor der nächs­ten Kampagne mich noch­mal fra­gen und ich schi­cke kom­men­tar­los die Kritiken die­ser Kampagne zurück.

Heute schrei­be ich mei­nen ers­ten Blog-Artikel seit lan­gem. Warum? Ich hat­te unglaub­lich viel Arbeit. Die letz­ten Wochen und Monate wuss­te ich ein­fach nicht, wo mir der Kopf steht. Aufträge über Aufträge. Immer, wenn ich gedacht habe, dass ich jetzt end­lich ein wenig zur Ruhe kom­men kann, kam der nächs­te Auftrag rein. Das ist natür­lich schön für mich, ande­rer­seits habe ich es auch ver­misst, end­lich mal wie­der etwas für mich zu schrei­ben – und über Themen, die mich inter­es­sie­ren und mir am Herzen lie­gen.

Aber jetzt ist es soweit. Diese Woche habe ich ein biss­chen Luft und kann mich wie­der auf die wesent­li­chen Dinge kon­zen­trie­ren, bevor die November-Projekte los­ge­hen. Denn in der Zwischenzeit sind wun­der­vol­le Dinge pas­siert und eines davon möch­te ich euch ger­ne erzäh­len: Ich habe jetzt einen Hund. Den habe ich aus dem Tierheim geholt. Und durch Zufall ein Herzensprojekt gefun­den.

So könn­te man es ganz kurz gefasst sagen. Denn ich bin jetzt in Charge über den Facebook-Account Tierheim Kranenburg e.V. – und es ist das Beste, was mir in mei­ner beruf­li­chen Laufbahn pas­siert ist. (Achtung, der nach­fol­gen­de Satz ent­hält nerv­tö­tend vie­le Anglizismen und Fachwörter) Natürlich ver­die­ne ich kein Geld damit, aber es ist schön, einen Social Media-Account zu ver­wal­ten, auf dem das Involvement unglaub­lich hoch und auch der Zusammenhalt der Community so unglaub­lich groß ist. Das lässt ein­fach das Herz eines jeden Community-Managers auf­ge­hen.

Das ist Dobby, der Zuwachs in unse­rer klei­nen Familie. Sie hat prak­tisch kei­ne Unterwolle und weil sie nur spa­ni­sches Klima gewohnt ist, muss sie den ers­ten Herbst und Winter wohl mit die­ser Situation rum­lau­fen. Findet sie nur so mit­tel.

Social Media – Irgendwas ist immer

Wieso? Erstens bin ich ja mitt­ler­wei­le ver­wal­ten­de Kraft hin­ter einer nicht zu ver­ach­ten­den Anzahl an Social-Media-Accounts aus den ver­schie­dens­ten Bereichen. Hier ist ja inter­es­sant, dass jeder Bereich ganz ande­res funk­tio­niert. Einige haben Unmengen an Followern, die aller­dings über­haupt nicht mit den Inhalten inter­agie­ren, indem sie weder liken noch kom­men­tie­ren – dafür aber kon­su­mie­ren wie die Blöden. Also auf die ent­spre­chen­den Links kli­cken und den Artikel lesen oder sich über das Produkt infor­mie­ren. Dann gibt es aber auch Accounts, die nur eine sehr gerin­ge Anzahl an Followern haben, die­se weni­gen Follower aber eine Interaktionsrate haben, von denen die meis­ten Unternehmen nur träu­men. Allerdings pas­siert es bei die­sen Accounts auch oft genug, dass zwar inter­agiert wird, als gäbe es kein Morgen mehr – aber nie­mand die Inhalte anklickt, weil die Produkte oder Dienstleistungen dann doch nicht sooooo inter­es­sant sind.

Ja und dann gibt es natür­lich auch noch die Accounts, die eine gerin­ge Anzahl an Followern haben, mit denen kei­ner inter­agiert und deren Inhalte auch kei­ner anklickt, weil die Inhalte pups­lang­wei­lig sind (aber die sind nicht in mei­ner Verwaltung. Dann wäre ich ein schlech­ter Social-Media- und Community-Manager). Bis jetzt konn­te ich also sagen: Bei Social-Media-Accounts gibt es kei­ne eier­le­gen­de Wollmilchsau, bei der die Followermenge groß, die Interkationsrate himm­lisch und die Conversionrate

(also Leute, die das Proukt oder die Dienstleistung auf­grund des Posts letzt­end­lich gekauft haben) ein Traum ist. Irgendeinen Wermutstropfen gibt’s immer irgen­wie.

Im Tierheim ist immer was los

Aber der Account vom Tierheim Kranenburg ist anders als alles, was ich bis jetzt ver­wal­tet habe. Bei einem Tierheim-Account kom­men alle Faktoren zusam­men, die das Gesicht eines Community-Managers zum Strahlen brin­gen. Meine per­sön­li­che eier­le­gen­de Wollmilchsau. Bei den Inhalten muss ich meist nicht lan­ge über­le­gen. Im Tierheim ist eigent­lich immer was los und ich habe jetzt schon Geschichten und Fotos auf Lager, mit denen ich jetzt schon täg­lich einen Post bis Mitte 2017 vor­be­rei­ten könn­te. Emotional ist alles dabei: Rührende Geschichten, wit­zi­ge Geschichten, trau­ri­ge Geschichten, herz­er­wär­men­de Geschichten und immer ein süßes Hundegesicht. Das hat man sonst als Social Media-Manager ja nicht so. Sonst muss man auch viel und ange­strengt über­le­gen, wie man die rich­ti­ge Portion Emotionalität in den Inhalt bekommt und ihn infor­ma­tiv gestal­tet. Beim Tierheim: Ts, die Emotionalität wird schon gleich mit­ge­lie­fert.

Dann ist da noch das Involvement der Community (ja, ich weiß, biss­chen vie­le Anglizismen, aber so heißt das lei­der nun mal). Generelles Szenario, wenn ich etwas pos­te: Paar Likes, paar Kommentare, paar Reaktionen und ab und zu auch ne Diskussion. Ein Teil der Nutzer kauft oder infor­miert sich über Produkte. Ziel erreicht. My Job is Done. Beim Tierheim? Ich pos­te, die Likes flie­gen zu, die Reaktionen flie­gen zu, die Nutzer schmei­ßen einem selbst Content zu, der Facebook-Gold ist (wun­der­ba­re Storys von armen, armen Straßenhunden, die ein lie­be­vol­les Zuhause gefun­den haben und die klei­nen Racker beim Spielen, Schlafen und beim Spaziergang zei­gen), tei­len wie die Irren und locken somit neue Nutzer an, die schluss­end­lich die Seite liken und letzt­end­lich ein Tier adop­tie­ren (Coversionrate ist also auch phä­no­me­nal).

6.750 MAL geteilt, 450.000 erreichte Personen. Richtig krass.

Glaubt ihr nicht? Ich möch­te euch ein Fallbeispiel nen­nen (ein extre­mes, zuge­ge­ben – sonst ist das natür­lich nicht so krass). Anwohner hier am Grenzwald in Frasselt hat­ten schon seit Tagen einen her­ren­lo­sen Hund her­um­lau­fen sehen – wahr­schein­lich einen Border Collie oder einen Border Collie-Mix – und das Tierheim ver­stän­digt. Das Tierheim hat den Hund ein­ge­fan­gen und erst ein­mal im Tierheim unter­ge­bracht, bis der Besitzer sich fin­den und mel­den wür­de. Die Hoffnung war groß, dass der Besitzer gefun­den wer­den wür­de, da das Tier gechipt war. Leider konn­te man den Chip dann nicht aus­le­sen, da es sich um einen nie­der­län­di­schen Chip han­del­te und es Wochenende war.

Da dach­te ich mir: Ach komm, setzt du den armen Kerl mal auf Facebook und schreibst auf Deutsch und Niederländisch, ob jemand die­sen Hund ver­misst. Ich hat­te damit gerech­net, dass die Interaktionsrate schon hoch sein wür­de – aber was dann pas­siert ist, hab selbst ich nicht abse­hen kön­nen. Wir sind viral gegan­gen. Aber frag nicht nach Sonnenschein. Über 6.750 mal geteilt, mehr als 450.000 erreich­te Personen und pi mal Daumen 45.000 Interaktionen. Praktisch wuss­te also die gan­ze Grenzregion Bescheid, dass die­ser Hund gefun­den wur­de. Darüber hin­aus fan­den sich unglaub­lich enga­gier­te Niederländer, die die Chipnummern durch sämt­li­che Datenbanken gejagt haben. Tierschützer, Tierheimbesitzer, Tierärzte und ande­re Berufsgruppen, die Zugang zu den Datenbanken hat­ten. Selbst das nie­der­län­di­sche Konsulat hat beim Tierheim ange­ru­fen und gefragt, ob sie irgend­wie hel­fen kön­nen. Da hab ich tat­säch­lich selbst als abge­brüh­ter Community-Manager-Hund ein biss­chen Pipi in den Augen gehabt. Das war ein­fach über­wäl­ti­gend schön, wie sehr sich die Menschen enga­giert haben.

Nun ja, das Leben ist kein Ponyhof

Aber wie das Leben halt nun mal so ist – es ist kein Ponyhof. Es wäre natür­lich mein per­sön­li­cher Facebook-Oscar gewe­sen, hät­te sich das Herrchen oder Frauchen gefun­den. Am Besten noch von ziem­lich weit weg und sehr ver­zwei­felt auf der Suche nach sei­nem oder ihrem Hund. Zack, Hund hin­ge­bracht, Foto gemacht, alle wären glück­lich gewe­sen und es wäre DIE Facebook-Story des Jahres gewe­sen. Aber lei­der war dem nicht so. Herrchen oder Frauchen haben den Chip nicht regis­triert und es ist nicht ganz unwahr­schein­lich, dass das arme Tier ein­fach im Wald aus­ge­setzt wur­de. Das habe ich aller­dings dann lie­ber mal nicht geschrie­ben. Viel zu trau­rig.

Aber ja, ihr merkt, ich habe gro­ße Freude an dem Projekt und ich habe gro­ßen Respekt vor der Arbeit, die die Menschen im Tierheim jeden Tag voll­brin­gen. Ich selbst bin ja nur die, die Fotos macht und das in die­ses Online da bringt. Aber es erfüllt mich und ich bin jeden Tag froh, wenn ich als per­sön­li­ches Highlight mei­nes Arbeitstages eine klei­ne aber fei­ne Geschichte online set­ze, die vie­le Menschen irgend­wie, irgend­wo berührt. Denn manch­mal ist es ganz schön frus­trie­rend, laut mit meh­re­ren Accounts auf Facebook rum­zu­schrei­en und irgend­wie zu ver­su­chen, sich Gehör zu ver­schaf­fen und trotz­dem nur eine klit­ze­klei­ne Randnotiz im Alltag eines Menschen zu sein, die bald schon wie­der aus dem Kurzzeitgedächtnis ver­bannt wird. Da ist es ein­fach wun­der­bar, wenn man nur lei­se kurz eine Geschichte erzählt und trotz­dem einen blei­ben­den Eindruck zu hin­ter­las­sen.

Ich habe ein Problem. In mei­ner Timeline. Denn Facebook ist längst im Mainstream ange­kom­men und lang­sam stresst mich das wirk­lich, wie unre­flek­tiert eini­ge Personen mit dem Internet umge­hen.

Es gab mal eine Zeit, da war mein Facebook-Newsfeed ein freund­li­cher Platz in dem mei­ne Freunde Quatsch gepos­tet und mir put­zi­ge Videos von hüp­fen­den Pinguinen emp­foh­len haben. Politik war da noch kein Thema und Facebook war ein sor­gen­frei­er Raum, in den ich ger­ne tauch­te um abzu­schal­ten. Das ist jetzt vor­bei. Jetzt kommt mir zwar immer auch noch viel Schönes und Positives ent­ge­gen – aber auch genau so viel Schreckliches und Dinge, die ich gar nicht sehen woll­te.

Jeder kennt ein oder zwei Spezialisten, die immer was Fragwürdiges posten

Ich gehe davon aus, dass jeder von euch so zwei, drei Spezis in sei­ner Freundesliste hat, die einem mit gepos­te­ten und geteil­ten Inhalten in den poli­ti­schen und mora­li­schen Wahnsinn trei­ben. Ein brand­ak­tu­el­les Beispiel. Gerade mache ich Facebook auf und Folgendes kommt mir ent­ge­gen: Ein Video, in dem Hunde gequält wer­den (wir reden hier nicht von einer Happy End-Geschichte, in der die Hunde ein lie­be­vol­les Zuhause fin­den. Die Hunde sind am Ende tot). Dann folgt irgend­so ein Aufruf, dass ich eine Petition unter­schrei­ben soll, dass soge­nann­te “Nafris” schnel­ler abge­scho­ben wer­den sol­len (Ääääh… Nein, Danke). Und als Highlight hat sich dann noch einer mei­ner Facebookfreunde furcht­bar in einer Klever Gruppe dar­über auf­ge­regt, dass der Caspar bei den drei Sternsingern aus Political Correctness nicht mehr schwarz ange­malt wird (Ja lass die doch, die Farbe hat bei mir frü­her eh immer nur ne all­er­gi­sche Reaktion her­vor­ge­ru­fen).

Und ich denk nur so: Alle mal die Sabbel hal­ten, ich bin gekom­me­nen um ein Brot zu essen und dabei ein paar wit­zi­ge Dinge zu sehen. Stattdessen bekom­me ich aber schlech­te Nachrichten, Schockvideos und die Erkenntnis dar­über, wie pein­lich eini­ge Menschen aus mei­nem Bekanntenkreis sind, weil sie angeb­lich eine simp­le Antwort auf ein kom­ple­xes Problem gefun­den haben und die Lösung dann laut und unge­fragt im Internet rum­schrei­en. Das muss auf­hö­ren. Ich habe kei­nen Platz in mei­nem Leben für poli­tisch ver­wirr­te Quatschköppe mit man­geln­der Medienkompetenz oder ver­meint­li­che Aufklärungs-Messiasse (ist das der Plural von Messias? Geht das über­haupt? Sonst ver­such ich’s mal mit Messiasuten).

Die Supermarkt-Regel

Ich per­sön­lich ach­te pein­lich dar­auf, dass mei­ne Äußerungen in die­sem Online nicht zu poli­tisch wer­den, da für mich Facebook und gene­rell das Internet immer noch ein Raum für Spaß, Kreativität und gute Laune ist. Denn mei­ne poli­ti­sche Meinung ist etwas Privates und da ich nicht in der Politik aktiv bin, geht sie auch nie­man­den etwas an. Wahrscheinlich inter­es­siert es auch nie­man­den groß­ar­tig, wel­che poli­ti­sche Einstellung ich zu ver­schie­de­nen Themen habe.

Und das ist der Knackpunkt, den eini­ge nicht ver­stan­den haben. Wer digi­tal unter­wegs ist, ist nicht pri­vat unter­wegs. Zumindest nicht pri­vat pri­vat. Das soll bedeu­ten, dass sozia­le Medien eigent­lich dazu da sind, sich ober­fläch­lich mit ande­ren Menschen aus­zu­tau­schen. Also über Dinge, mit denen man auch mit sei­nen Bekannten an der Supermarktkasse quatscht: Ich arbei­te jetzt bei der und der Firma – schau mal hier, ein Bild von mei­ner Katze – ich hab letz­tens die­sen Film gese­hen, der war echt rich­tig gut. Das reicht. Wer eine durch­schnitt­li­che sozia­le Kompetenz auf­weist, wür­de an der Supermarktkasse einem prak­tisch Fremden nie­mals im zwei­ten Satz sei­ne Meinung über “Nafris” raus­bla­sen, Streit über die Gesichtsbemalung der Heiligen Drei Könige anfan­gen oder jeman­dem ein Video auf sei­nem Handy zei­gen, in dem Hunde gequält wer­den.

Weniger Platz für Politisch-Verwirrte und mehr Cat-Content

Ist da aber das Internet als Schutzschild vor, hau­en einem eini­ge Personen unge­fragt ihre Meinung um die Ohren. Die inter­es­siert mich aber nicht. Sorry. Erzählt das bit­te euren engen Freunden oder irgend­wel­chen Personen, die ihr regel­mä­ßig bei eurem Stammtisch trefft. Denn auch wenn ich mich nicht poli­tisch äuße­re, heißt das nicht, dass ich ein armer unwis­sen­der Bürger bin, der Aufklärung sucht. Im Gegenteil. Ich weiß ziem­lich viel und bin nicht son­der­lich auf den Kopf gefal­len – ich habe vie­le eurer beklopp­ten Argumente in drei Sätzen aus­ein­an­der genom­men (außer ihr seid Hardcore-Veganer – ihr seid mir meis­tens rhe­to­risch und mora­lisch über­le­gen).

Ich möch­te gera­de ein­fach nur kei­ne gequäl­ten Hunde sehen oder ver­que­re Meinungen lesen, wenn ich mein Brot esse. Ist das denn zu viel ver­langt? So Timeline-Spezis sind wie Bauarbeiter, die einer Frau hin­ter­her­pfei­fen. Da denkt die Frau ja auch nicht: “Was für ein tol­ler Typ!” und star­tet eine Affäre mit ihm. Nein, sie geht wei­ter, denkt sich “Vollpfosten…” und läs­tert danach mit ihren Freundinnen dar­über ab. Das ist nicht anders mit stark pola­ri­sie­ren­den Aussagen in sozia­len Netzwerken. Niemand wird sich der Meinung anschlie­ßen. Die meis­ten Nutzer scrol­len wei­ter, den­ken sich “Vollpfosten…” und läs­tern danach mit ihren Freunden dar­über ab. So ein­fach ist das.

Naja, ich hab mich gera­de eigent­lich nur mal ganz furcht­bar auf­re­gen müs­sen. Aber ab jetzt wird alles wie­der posi­tiv – ich hab mei­nen Facebookfeed auf­ge­räumt und jetzt drei Facebook-“Freunde” weni­ger. Sollte den drei Personen auf­fal­len, dass wir kei­ne “Freunde” mehr sind, erklä­re ich es ihnen ger­ne, wenn ich sie an der Supermarktkasse tref­fe. Mal sehen, ob die das auch von Angesicht zu Angesicht mit einer Person bespre­chen möch­ten, die sie kaum ken­nen 😉

Ich find das sel­ber doof, dass das so ein nega­ti­ver Post war. Also mach ich die Laune jetzt wie­der gut. Et Violá: Pinguine (soll­te jetzt jemand sagen, wie ich mich noch an Pinguinen erfreu­en kann, wenn gleich­zei­tig die Gletscher schmel­zen und mir ein Video über glo­ba­le Erderwärmung schi­cken, hau ich um mich!)

Style 3

 

Was war los die­se Woche? An die­ser Stelle möch­te ich euch ger­ne mei­ne Internetschätze prä­sen­tie­ren – denn: Es war viel los. Ich habe sehr viel den Kopf geschüt­telt und auch herz­lich gelacht. Enjoy.

Fail der Woche:

Dieses doch sehr offen­sicht­lich schlecht auto-über­­­set­z­­te Popup kam mir die­se Woche ent­ge­gen.

Benutzen die­se auto­ma­tisch Übersetzungen immer ist nicht so eine gute Idee. Ist aber für alle Fälle herr­li­ches Entertainment. Nachdem ich habe gele­sen die Überschrift, ich habe alle deut­schen Sätze ein­fach in eng­li­sche Grammatik umge­formt. Ich fand das lus­tig – meis­te ande­re Menschen nicht.

Quelle: smartbuyglasses.co.uk 

Politikum der Woche

Ich sags ja immer wie­der: Wer in der digi­ta­len Welt durch­star­ten will, muss immer so geklei­det sein, als wür­de es gleich noch schnell zum Späti gehen. In die­sem Fall hat der Typ von ResearchGate alles rich­tig gemacht: Erst noch schnell die Kanzlerin tref­fen und dann ab in den Feierabend an den See. Mir ist der sehr sym­pa­thisch – wobei ich mir sicher bin, dass nur Menschen aus unse­rer Branche das 100% nach­voll­zie­hen kön­nen.

Gedanken, die der wahr­schein­lich hat­te “Na, du willst doch was von mir und ich nicht von dir, oder? Ich komm ange­zo­gen, wie ich will!”

Ich find den cool.

Quelle: Twitter.com/RegSprecher

Meme der Woche

Einige von euch sind wahr­schein­lich nicht so tief im Internet drin wie ich, des­halb ist hier ein wenig Erklärungsbedarf. (Was ein Meme ist, erklä­re ich hier mal nicht. Für die Wenigen, die es nicht wis­sen und erfah­ren möch­ten: Hier) Das Internet ist ja unbe­re­chen­bar. Ich hän­ge viel auf 9GAG rum und da wer­den vie­le Memes über aktu­el­le gesell­schafts­po­li­ti­sche Themen (neben viel Quatsch) gepos­tet. Einige von denen sind manch­mal echt so nah an der Geschmacklosigkeit dran, dass man tief ein­at­met und es einem eher unan­ge­nehm ist, dass man dar­über gelacht hat.

Manchmal hat das Internet aber auch wahn­wit­zi­ge Trends und Vorlieben, die nicht so ganz nach­voll­zieh­bar sind. Das Internet ist neben dem Phänomen des Bronie-Trends und der Faszination für neue Namensfindungen für Beresect Conderhadge näm­lich auch ein gro­ßer Fan der Kinderserie Lazytown, ins­be­son­de­re des Schurkens, der von Stefan Karl gespielt wur­de. Der ist ges­tern nach einem lan­gen Kampf mit dem Krebs gestor­ben.

Ich muss nicht erwäh­nen, dass die­ses Meme die Internet-Woche ganz gut zusam­men­fasst, oder?

Respect to the number one.
Quelle: 9GAG

WTF der Woche

Speaking of Memes: Warum? Warum? Waaaruuuum? Gut, Otto hat nichts falsch gemacht. Die haben ein­fach den Darsteller von Hide The Pain Harold genom­men, dem wahr­schein­lich ne ziem­li­che Stange Geld gezahlt und einen Werbespot für die rele­van­te Zielgruppe gedreht. 

Hide The Pain Harold ist irgend­so ein ukrai­ni­sches Stockfoto-Model, das auf zahl­rei­chen, abge­dro­sche­nen Stockfotos zu sehen ist. Irgendwann wur­de er zum Meme und bekannt als Hide The Pain Harold, weil er immer so gequält lacht. Zuerst fand er es doof, dass ihn Leute auf der Straße die gan­ze Zeit ange­spro­chen haben. Jetzt, wo er Geld draus machen kann, scheint das doch nicht mehr so blöd zu sein. 

Ich hab mich trotz­dem ein wenig vor den Kopf gesto­ßen gefühlt, als ich den in hoch auf­ge­löst und mit gutem Script gese­hen habe. Hide The Pain Harold soll­te wei­ter schlech­te Witze in pixe­li­ger Qualität machen.

Andererseits… Ich gön­ne ihm den lukra­ti­ven Fame und höre jetzt mit die­sem “Vor-dem-Kommerz-war-alles-bes­­ser” auf. Ich lebe schließ­lich von die­sem Kommerz 😉

https://www.youtube.com/watch?v=wTTDwEJkoaE

Aha! der Woche

Ich hab Windings ja frü­her immer nur benutzt, um “heim­li­che” Nachrichten mit mei­ner dama­li­gen bes­ten Freundin aus­zu­tau­schen. Da war ich zwölf und dach­te, ich sei unglaub­lich cle­ver. Wozu Windings tat­säch­lich gut ist, war mir nie bewusst.

Vielleicht soll­te ich das noch­mal aus­pro­bie­ren. Ich schmeiß’ immer direkt Photoshop an – aber viel­leicht geht das auch ein­fa­cher.

https://www.youtube.com/watch?v=JdKV1L1DJHc

Rumspielerei der Woche

Ich war auf Facebook unter­wegs und bin ja schon ein gro­ßer Fan die­ser 3D-Rumspielereien. Eigentlich ste­he ich mit Van Gogh auf Kriegsfuß, weil ich im Kunstunterricht mal die­ses Blumenbild nach­ma­len muss­te und mit Ach und Krach gera­de mal ne 4- geschafft habe – aber mal zu sehen, wie Van Goghs Sternennacht zum Leben erweckt wird, ist sau­cool.

Quelle: facebook.com/iartGaleria

Produkt der Woche

Zuerst hab ich gedacht “Hahahahaha, was für Idioten!” dann habe ich mich aber selbst dabei ertappt, den Kauf die­ses Produkts in Erwägung zu zie­hen. Weiß zwar sel­ber noch nicht, was ich damit anfan­gen soll – aber irgend­wie wär’s geil. Personalisierte Hundesocken woll­te ich schon immer mal haben. Solltet ihr im Kreis der Menschen sein, die mir in regel­mä­ßi­gen Abständen was schen­ken müs­sen – eine klei­ne Inspiration.

Quelle: Supersocken.de

Video der Woche

Und hier noch­mal ein­fach was für die gute Laune. Ich per­sön­lich fand, dass es sehr gut inves­tier­te 3 Minuten mei­ner Zeit waren. Einfach zuhö­ren und wit­zig fin­den. Dödödödö död­ödö dödö. Dödödödö död­öd­öd­öd­ödö… Ach nee, das war Tetris. Oder genau­er gesagt: Johann Sebastian Bach

https://www.youtube.com/watch?v=FT0RSXGLPpw

GIF der Woche

Ich arbei­te ja unter ande­rem auch für die bezau­bern­den Ladies von der Curiosity Box und da ich dort die ein­zi­ge Deutsche bin, die dazu auch noch mit DSGVO-Fun Facts alle Marketingträume zunich­te macht, habe ich die­ses GIF die­se Woche sehr oft erhal­ten. Zurecht. Ich elen­der DSGVO-Spielverderber 😉

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Hach ja – ihr habt es sicher­lich schon mit­be­kom­men: Es war warm. Nicht nur so ein biss­chen warm, son­dern eher so warm, dass man stän­dig in sei­ner eige­nen Suppe geses­sen hat und sich ein­fach nicht bewe­gen woll­te. Dazu gehör­te ich selbst­ver­ständ­lich auch. Aber wisst ihr, wer auch dazu gehör­te? Meine Telefonanlage. Jap, das arme Ding ist auf dem Dachboden unse­res Gründerzeit-Hauses instal­liert wor­den und hat eine auto­ma­ti­sche Abschalt-Funktion, die unmit­tel­bar in Kraft tritt, sobald die Raumtemperatur etwa 50°C über­steigt. Ich war die ver­gan­ge­nen Wochen also vom Nachmittag an ohne Internet.

Das neue Spiel für Adrenalinjunkies: Wann ist das Internet weg?

Wann genau konn­te ich aller­dings nicht sagen. Deshalb hab ich ziem­li­che vie­le Runden „Schaff-ich-das-noch-bevor-sich-alles-ver­­a­b­­schie­­det-Bingo“ gespielt. Ist tat­säch­lich mit ein biss­chen Nervenkitzel ver­bun­den. Ich kam mir vor wie in einer die­ser Kochshows, in denen die Kandidaten unter immensem Zeitdruck eine drei­stö­cki­ge, fili­gran ver­zier­te Hochzeitstorte zusam­men­bas­teln müs­sen bevor die Uhr stoppt und sie sofort die Hände von der Torte weg­neh­men und auf einen roten Buzzer drü­cken müs­sen. So ging das in etwa bei mir auch, nur dass ich eher Facebookkampagnen auf­ge­setzt habe und eine Zeit lang auch nicht wirk­lich ein­schät­zen konn­te, wann die Uhr stop­pen wür­de.

Doch ich bin ja schlau und habe mich des­halb kur­zer­hand zu einer Art Amateur-Meteorologin ent­wi­ckelt, die anhand von Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit in etwa abschät­zen kann, wann Schicht im Schacht ist. Gut, dass man Wikipediaartikel näm­lich auch run­ter­la­den kann.

Kein Internet: Langweilig. Voll langweilig.

Hatte ja auch genug Zeit, mich mit Meteorologie zu beschäf­ti­gen, war ja schließ­lich nichts ande­res zu tun. Denn mir war lang­wei­lig. Mein Gott, war mir lang­wei­lig. Mein Fernseher funk­tio­nier­te auch nicht ohne Internet, mein Datenvolumen war bis ans Maximum aus­ge­reizt und mein iPad hat­te kei­nen Speicherplatz mehr, weil ich da tat­säch­lich Sachen für die Arbeit drauf habe, die ich brau­che.

In die­ser Zeit ist mir dann schmerz­lich bewusst gewor­den, dass ich zu viel vor Bildschirmen hän­ge: Wenn ich nicht vor dem Computer arbei­te, fri­ckel ich irgend­was auf mei­nem Handy rum, schaue Netflix auf mei­nem iPad oder lass mich vom Vorabendprogramm auf dem Fernseher berie­seln. Die ein­zi­ge Zeit, die ich nicht vor einem Bildschirm ver­brin­ge, gehe ich ent­we­der mit dem Hund oder bin ver­hin­dert, weil ich gera­de schla­fe.

Was macht man nochmal in diesem Offline?

Sich des­sen bewusst zu wer­den, ist schon ganz schön krass. Klar, digi­tal unter­wegs zu sein ist mei­ne Passion, mein Beruf und ein gro­ßer Teil mei­nes Lebens – aber ich muss doch auch mal was off­line machen! Nur was macht man noch­mal so in die­sem Offline? Ehrlich gesagt war ich zunächst ein wenig rat­los.

Früher habe ich immer gele­sen. Meine Mutter war näm­lich der Meinung, dass Fernseher und Handys dumm machen und des­halb war ich ziem­lich oft auf mich allei­ne gestellt in Sachen Entertainment. Also habe ich immer mei­ne Bücherei-Karte aus­ge­reizt und ein­fach mal so fast jedes Buch in unse­rer klei­nen Dorfbücherei gele­sen. Denn ich hat­te nicht den Luxus eines Kindle-Abos und muss­te ein­fach das lesen, was da war. Das führ­te dann auch dazu, dass ich mich durch Michel Houllebecq gequält und wahr­schein­lich jeden seich­ten Frauenroman ver­schlun­gen habe, der in den Jahren 2002 bis 2008 ver­öf­fent­licht wur­de. 2008 war dann Schluss, dann habe ich Abi gemacht und hat­te von da an einen Fernseher und einen Computer. Da ging es schon ein biss­chen berg­ab.

Richtig berg­ab ging es dann aber mit dem Smartphone. Seitdem ich das Teil habe, nut­ze ich es auch. Ich orga­ni­sie­re mein Leben mit Apps, scrol­le immer mal wie­der durch die Branchennews und habe schon viel zu viel Zeit damit ver­bracht, sinn­lo­se Videos auf YouTube zu schau­en – und wo wir gera­de schon­mal so ehr­lich sind: Ich bin nicht stolz drauf, aber bei Candy Crush Soda Saga befin­de ich mich gera­de in Level 1153. Ja, das hat so vie­le Level und noch viel mehr. Nein, da bin ich echt nicht stolz drauf.

Naja, gut. Ein biss­chen.

Fragen über Fragen, deren Antworten nur online zu finden sind…

Nun ja, da ich mei­nen Feierabend also ohne Internet und Fernsehen ver­brach­te, muss­te ich umdis­po­nie­ren: Gut. Lesen wir doch mal was. Wir mögen lesen.

Hier ist doch das Buch von Obama, das ich schon so lan­ge mal lesen woll­te: Dreams from my Father. (Warum woll­te ich das lesen? Ich hab Obama bei Letterman auf Netflix gese­hen und noch wäh­rend ich geschaut habe bei Amazon auf “Bestellen” geklickt…). Zwei Seiten gele­sen. “Mhm, mhm, mhm inter­es­sant” – “Hab ich eigent­lich die Smartphone-Gebote in der einen AdWords-Kampagne ange­passt?” – “Wann war noch­mal das Frank Turner Konzert?” -“Waren das jetzt Elefanten, die nicht sprin­gen kön­nen oder Giraffen? Oder bei­de?”

Leider konn­te ich mich also nicht auf das Buch kon­zen­trie­ren, weil mir stän­dig Fragen in den Sinn gekom­men sind, deren Antwort ich nur online gefun­den hät­te.

Nach einer Woche oder so wur­de es dann aber bes­ser und ich habe es tat­säch­lich geschafft, Dreams from my Father zu been­den (Naja, zu 2/3 – beim letz­ten Drittel hab ich gechea­ted und die Hörbuch-Version bei Audible gehört, wäh­rend ich mit dem Hund gegan­gen bin. Aber ey – Obama liest es per­sön­lich mit sei­ner samt­wei­chen Soul-Stimme vor)

Zwei Wochen offline und schon werd ich zu Martha Stewart-Picasso

Irgendwie war das schon ein ziem­lich gutes Gefühl, sei­ne Zeit irgend­wie auch mal sinn­voll zu gestal­ten nach Feierabend. Denn ich habe nicht nur gele­sen, ich habe auch mein Malen nach Zahlen end­lich mal fast fer­tig (ist mir egal, dass ihr das total uncool fin­det, in der Instagram-Werbung sah das viel­ver­spre­chend und hip aus) und ich habe eine nicht zu ver­ach­ten­de Zahl an gesun­den Snacks selbst her­ge­stellt und mich wie Martha Stewart gefühlt. Von die­sen Snacks schme­cken zwar nur etwa 50% ganz okay . Bisschen Schwund ist halt immer.

Heute ist ja der ver­meint­lich letz­te Tag der Hitzewelle und ich muss ja sagen, dass mir der digi­ta­le Detox auch mal ganz gut­ge­tan hat. Aber reicht jetzt auch. Ich wer­de bestimmt nie­mals zu den Menschen gehö­ren, die sagen „Also ich hab ja kei­nen Fernseher“ (Was ist eigent­lich das heu­ti­ge Äquivalent dazu? – „Ich leb ja im Wald ohne Empfang?“) – dafür lie­be ich mein Internet zu doll. Aber ich fin­de es nicht schlecht, mal wie­der Momente der Entschleunigung zu erfah­ren und aktiv Dinge zu gestal­ten.

Fazit: Offline geht schon wieder ganz gut, muss aber nicht immer sein.

Trotzdem kann ich es nicht abwar­ten, die Netflix-Mashup Folge von Queer Eye und Nailed It auf Netflix zu inha­lie­ren, Level 1154 bei Candy Crush zu rocken und end­lich, end­lich wie­der mal nen Wasserrutschen-Test bei Galileo zu sehen (Viele den­ken, ich mache Witze. Aber: Über Galileo macht man kei­ne Witze. Ich lie­be Galileo. Also geh weg und lass mich.)

Dass ich das mache, erwäh­ne ich in zukünf­ti­gen Gesprächen natür­lich nicht. Ich wer­de mei­nem Gegenüber aus­schließ­lich gehö­rig damit auf die Nüsse gehen, in jedem drit­ten Satz mei­nen (natür­lich total frei­wil­li­gen) Digitalen Detox zu erwäh­nen und die befrei­en­de Reise, die ich dabei erlebt habe.

Ihr ent­schul­digt mich, ich habe Candy zu Crushen.

Als ich NEON das ers­te Mal sah, war ich hin und weg. Ich war zar­te 17 Jahre alt und traf NEON in einer Zeit, in der das Leben gera­de erst rich­tig anfing und ich auf der Suche nach einem Kompass war, der mich durch die­se auf­re­gen­de, aber auch ang­st­ein­flö­ßen­de Zeit navi­gier­te. Da war NEON nun. Lag läs­sig im Zeitschriftenregal und schau­te mich mit sei­nem auf­fäl­li­gen NEON-Design an. Und dann mach­te es “BOOM!”, wie das nur bei Jugendlichen geschieht.

Ich nahm NEON ohne zu zögern mit zu mir nach Hause und wir rede­ten und rede­ten, Stunde um Stunde. NEON erzähl­te mir von der gro­ßen wei­ten Welt. Wie es im Osten von China ist, wer die ange­sag­tes­ten neu­en Indie-Bands sind, wie er Bosse getrof­fen hat und ihm Fragen zur EU stell­te. In mei­nen Teenager-Augen war NEON der Größte und ich war ziem­lich ver­knallt in ihn. Jeden Monat hat­te NEON so viel zu berich­ten und zeig­te mir die gan­ze Welt.

Immer an meiner Seite – eine Schöne Zeit.

So ging das ein paar Jahre und NEON wur­de zu einem treu­en Begleiter. Er erzähl­te mir alles und inspi­rier­te mich, immer wie­der neu­es aus­zu­pro­bie­ren und an mich zu glau­ben. Die Jahre mit NEON waren unbe­schwert und vol­ler span­nen­der Lebensabschnitte. England hier, Hamburg da, dann mal in Schweden und ger­ne auch noch­mal nach Köln. Es war eine schö­ne Zeit und NEON war immer an mei­ner Seite und beglei­te­te mich.

Die Liebesgeschichte von NEON und mir zer­brach – wie so vie­le jun­ge Lieben – schlei­chend und still. Wir hat­ten uns ver­än­dert. Auseinandergelebt. Während ich mei­ner Arbeit nach­ging und mich über Versicherungen ärger­te, hielt NEON immer noch an Backpackingtrips für Bratislava fest. Irgendwann wur­de mir klar, dass das so nicht wei­ter­ge­hen konn­te. Ich tat also das, was jeder tun muss, der eine gelieb­te Person hin­ter sich las­sen muss, um wei­ter­zu­kom­men: Ich habe die Beziehung zu NEON been­det. In einem pro­fes­sio­nell distan­zier­ten, aber trotz­dem ein­fühl­sa­men Brief erklär­te ich NEON, dass es so nicht wei­ter­geht und ich mein Abonnement hier­mit zum nächst­mög­li­chen Zeitpunkt kün­di­gen möch­te. Das hat NEON sehr ver­letzt. Anrufe folg­ten, in denen NEON bet­tel­te, mich zurück­zu­neh­men. Wieso wol­le ich es nicht noch­mal ver­su­chen? Würde eine Dreiecksbeziehung mit der NIDO viel­leicht alles ret­ten? Heutzutage bezie­hen vie­le Leute Kombiabos. Aber egal, wie sehr NEON auch bet­tel­te – es war aus und vor­bei. Ich muss­te wei­ter­zie­hen.

Heftige Äffaren und kurzfristige Liasons – doch keine ist wie du

Es folg­ten ande­re Zeitschriften, doch nie wie­der konn­te ich mich mit vol­lem Herzen an eine Zeitschrift bin­den. Nach den Jahren des Gefangenseins woll­te ich mei­ne Freiheit spü­ren. Wollte ein­fach in den Kiosk gehen und mir neh­men, was ich brauch­te. Es folg­te eine kur­ze, aber hef­ti­ge Affäre mit Business Punk und eine eher halb­her­zi­ge Liaison mit stern Crime. Die ande­ren Zeitschriften waren okay für den Augenblick, aber nie wie­der schaff­te es eine Zeitschrift, mich so zu berüh­ren wie NEON.

Von Zeit zu Zeit sah ich mir alte Erinnerungen an, bei denen ich es nicht an mich brin­gen konn­te, sie zu ent­sor­gen – wie etwa die Ausgehtipps für Oxford oder die Rezepte von Migranten – und dach­te an NEON. Manchmal sah ich NEON auch aus der Ferne und es schien ihm gut zu gehen. Das Cover leuch­tend wie eh und je und die Überschriften gleich­zei­tig prä­gnant und raf­fi­niert. Dabei rea­li­sier­te ich anschei­nend nicht, dass es NEON seit mei­nem Weggang immer schlech­ter ging. Die Leserschaft wur­de klei­ner und klei­ner und damit auch das Selbstbewusstsein. Der Umzug von München nach Hamburg ließ NEON inner­lich zer­rei­ßen und die Leser nach mir waren nicht so treu wie ich – stän­dig ver­lie­ßen sie NEON und ban­del­ten mit VICE.de und ande­ren digi­ta­len Plattformen an. Doch all das sah ich nicht, weil ich mit mei­nem eige­nen Leben beschäf­tigt war.

Ein Wiedersehen.

Bis zum heu­ti­gen Tag, da traf ich NEON wie­der. Ich hör­te von HORIZONT, wie es NEON in den letz­ten Monaten ergan­gen war. Dass er an einem Tiefpunkt ange­langt war, sich aber jetzt wie­der auf­rap­pelt und einen Neustart wagt. Das hat mich inner­lich sehr berührt. Zuerst, weil ich nicht gese­hen habe, wie schlecht es NEON ging und außer­dem, weil ich ihm in die­ser Zeit bei­ste­hen woll­te. Ich sam­mel­te NEON in einem Kiosk ein und wir setz­ten uns in ein Café, wo wir lan­ge spra­chen. Ich freu­te mich, NEON wie­der­zu­se­hen und bei­na­he war es wie frü­her: Die Geschichten über Dreiecksbeziehungen der Studenten-Freunde, das Beschweren über die Eltern und den läs­ti­gen Nebenjob und die Aufklärung über den Atomausstieg. Es hat­te sich eini­ges ver­än­dert, aber vie­les war doch gleich­ge­blie­ben und ver­traut.

Doch eines ist mir klar. NEON muss sei­nen Weg nun allei­ne gehen, es gibt kei­ne Chance auf ein Happy End. Wir haben uns zu sehr aus­ein­an­der­ge­lebt. Denn ich höre mir gele­gent­lich noch ger­ne NEONs Geschichten über Backpacker und ner­ven­de Mitbewohner an, aber ich kann sie nicht mehr rich­tig füh­len.

Mein Leben ist jetzt anders. Ich hof­fe, NEON ver­steht das.

Lebe wohl, mei­ne ers­te gro­ße Zeitschriften-Liebe.

Mögest du eine Generation von Lesern fin­den, die dich genau­so liebt, wie ich es tat.

Ich ges­tern so: Seufz. Kurz vom Bildschirm weg­ge­se­hen, dann wie­der hin­ge­se­hen. Nein, es ist immer noch da. Nochmal weg­ge­se­hen. Nochmal hin­ge­se­hen. Mist. Immer noch da. Ich hat­te das also nicht geträumt und das war wirk­lich pas­siert. Einer der größ­ten und mäch­tigs­ten Konzerne der Welt hat sich mit einer Online-Kampagne in die Nesseln gesetzt. Aaaaaah. So geht das doch nicht. So. Geht. Das. Nicht.

Echt. Nicht.

Auch große Konzerne haben das Netz nicht immer verstanden.

Liebes McDonald’s‑Team – ihr habt doch Geld. Astronomisch viel Geld. Wieso macht ihr dann so einen Quatsch? McDonald’s hat es ges­tern wie­der geschafft, zu sehr an die Menschheit zu glau­ben und zu ver­ges­sen, dass das Internet in den meis­ten Fällen durch und durch böse ist.

Was ist also genau pas­siert? McDonald’s Neuseeland mein­te es gut mit den Kunden und des­we­gen gab McDonald’s ihnen die Möglichkeit, Burger selbst zu kre­ieren. So weit, so gut. Ist ja eigent­lich eine sehr net­te Idee und wahr­schein­lich hat der Pommes-Konzern einer über­kan­di­del­ten Marketingagentur ziem­lich vie­le Dollar in den Hintern gebla­sen, weil die das ja anschei­nend kön­nen. Sonst wür­den die nicht so viel Geld ver­lan­gen.

Tja. Wer auch immer die Agentur dahin­ter ist, scheint das Internet nicht ver­stan­den zu haben. Denn die Burger konn­ten kre­iert wer­den, ohne vor­her eine Freigabeprozedur durch­lau­fen zu müs­sen. Und das war der Fehler. Ähm Tschuldigung – hat denn hier nie­mand gelernt, was pas­siert, wenn man das Internet auf sowas los lässt?

TayTweets, der intel­li­gen­te Chat-Bot von Microsoft, der am Ende nur eines Tages von einer freund­li­chen jun­gen Dame von den Usern durch unan­ge­brach­te Kommentare zu einer ras­­sis­­tisch-sexis­­ti­­schen ollen Hexe ver­wan­delt wur­de? Boaty McBoatface, das bri­ti­sche Forschungsschiff, das doch nicht so hei­ßen darf, weil die Organisatoren Spaßbremsen sind und sich vor­her nicht den­ken konn­ten, dass so ein Name dabei raus­kommt, wenn es kei­ne Freigabeprozedur gibt?

Tote Kinder, Vergewaltigungen und eine Prise Islamfeindlichkeit

Eine ähn­li­che Konsequenz gab es auch für McDonald‘s: Die Startseite explo­dier­te vor lau­ter Burger der Unmöglichkeit. Erst erschie­nen da noch grenz­wer­tig wit­zi­ge Burger wie „Rektal Prolapse“ – ein Burger mit sehr viel Weichkäse, der am nächs­ten Morgen wahr­schein­lich nicht so viel Spaß macht und „The Sad European“ – ein Burger, der aus zwei Buns und einer Scheibe Käse besteht. Aber dann tauch­ten mehr und mehr Burger auf, die geschmack­los und defi­ni­tiv nicht für die öffent­li­che Zurschaustellung geeig­net sind. „Toddler Body Bag“, „The Aryan“ und „Pound my Back, Daddy“ gehen bei­spiels­wei­se über alle Geschmackgrenzen hin­aus und beherrsch­ten schon bald die Startseite der Kampagnenseite, sodass die Startseite bald aus einem Best Of “Dinge, die man bes­ser nicht sagt” bestand. Gerne wür­de ich euch ja an dem Spaß teil­ha­ben las­sen, aber lei­der muss­te McDonald’s die Seite aus dem Netz neh­men.

Das zeigt also wie­der, dass sol­che Kampagnen immer Prüfprozesse haben soll­ten. Ja, das ist mehr Aufwand und ja, das erhöht die Kosten – aber es ist immer noch bes­ser, als die Kampagne – so wie McDonald’s Neuseeland – nach einem Tag abbre­chen zu müs­sen. Nochmal so zum Mitschreiben: Das Internet ist böse und das soll­te zu jeder Zeit beach­tet wer­den. Wenn die­ser Aspekt beach­tet wird, dann klappt’s auch mit den Online-Kampagnen. Gerne sonst vor der nächs­ten Kampagne mich noch­mal fra­gen und ich schi­cke kom­men­tar­los die Kritiken die­ser Kampagne zurück.

Heute schrei­be ich mei­nen ers­ten Blog-Artikel seit lan­gem. Warum? Ich hat­te unglaub­lich viel Arbeit. Die letz­ten Wochen und Monate wuss­te ich ein­fach nicht, wo mir der Kopf steht. Aufträge über Aufträge. Immer, wenn ich gedacht habe, dass ich jetzt end­lich ein wenig zur Ruhe kom­men kann, kam der nächs­te Auftrag rein. Das ist natür­lich schön für mich, ande­rer­seits habe ich es auch ver­misst, end­lich mal wie­der etwas für mich zu schrei­ben – und über Themen, die mich inter­es­sie­ren und mir am Herzen lie­gen.

Aber jetzt ist es soweit. Diese Woche habe ich ein biss­chen Luft und kann mich wie­der auf die wesent­li­chen Dinge kon­zen­trie­ren, bevor die November-Projekte los­ge­hen. Denn in der Zwischenzeit sind wun­der­vol­le Dinge pas­siert und eines davon möch­te ich euch ger­ne erzäh­len: Ich habe jetzt einen Hund. Den habe ich aus dem Tierheim geholt. Und durch Zufall ein Herzensprojekt gefun­den.

So könn­te man es ganz kurz gefasst sagen. Denn ich bin jetzt in Charge über den Facebook-Account Tierheim Kranenburg e.V. – und es ist das Beste, was mir in mei­ner beruf­li­chen Laufbahn pas­siert ist. (Achtung, der nach­fol­gen­de Satz ent­hält nerv­tö­tend vie­le Anglizismen und Fachwörter) Natürlich ver­die­ne ich kein Geld damit, aber es ist schön, einen Social Media-Account zu ver­wal­ten, auf dem das Involvement unglaub­lich hoch und auch der Zusammenhalt der Community so unglaub­lich groß ist. Das lässt ein­fach das Herz eines jeden Community-Managers auf­ge­hen.

Das ist Dobby, der Zuwachs in unse­rer klei­nen Familie. Sie hat prak­tisch kei­ne Unterwolle und weil sie nur spa­ni­sches Klima gewohnt ist, muss sie den ers­ten Herbst und Winter wohl mit die­ser Situation rum­lau­fen. Findet sie nur so mit­tel.

Social Media – Irgendwas ist immer

Wieso? Erstens bin ich ja mitt­ler­wei­le ver­wal­ten­de Kraft hin­ter einer nicht zu ver­ach­ten­den Anzahl an Social-Media-Accounts aus den ver­schie­dens­ten Bereichen. Hier ist ja inter­es­sant, dass jeder Bereich ganz ande­res funk­tio­niert. Einige haben Unmengen an Followern, die aller­dings über­haupt nicht mit den Inhalten inter­agie­ren, indem sie weder liken noch kom­men­tie­ren – dafür aber kon­su­mie­ren wie die Blöden. Also auf die ent­spre­chen­den Links kli­cken und den Artikel lesen oder sich über das Produkt infor­mie­ren. Dann gibt es aber auch Accounts, die nur eine sehr gerin­ge Anzahl an Followern haben, die­se weni­gen Follower aber eine Interaktionsrate haben, von denen die meis­ten Unternehmen nur träu­men. Allerdings pas­siert es bei die­sen Accounts auch oft genug, dass zwar inter­agiert wird, als gäbe es kein Morgen mehr – aber nie­mand die Inhalte anklickt, weil die Produkte oder Dienstleistungen dann doch nicht sooooo inter­es­sant sind.

Ja und dann gibt es natür­lich auch noch die Accounts, die eine gerin­ge Anzahl an Followern haben, mit denen kei­ner inter­agiert und deren Inhalte auch kei­ner anklickt, weil die Inhalte pups­lang­wei­lig sind (aber die sind nicht in mei­ner Verwaltung. Dann wäre ich ein schlech­ter Social-Media- und Community-Manager). Bis jetzt konn­te ich also sagen: Bei Social-Media-Accounts gibt es kei­ne eier­le­gen­de Wollmilchsau, bei der die Followermenge groß, die Interkationsrate himm­lisch und die Conversionrate

(also Leute, die das Proukt oder die Dienstleistung auf­grund des Posts letzt­end­lich gekauft haben) ein Traum ist. Irgendeinen Wermutstropfen gibt’s immer irgen­wie.

Im Tierheim ist immer was los

Aber der Account vom Tierheim Kranenburg ist anders als alles, was ich bis jetzt ver­wal­tet habe. Bei einem Tierheim-Account kom­men alle Faktoren zusam­men, die das Gesicht eines Community-Managers zum Strahlen brin­gen. Meine per­sön­li­che eier­le­gen­de Wollmilchsau. Bei den Inhalten muss ich meist nicht lan­ge über­le­gen. Im Tierheim ist eigent­lich immer was los und ich habe jetzt schon Geschichten und Fotos auf Lager, mit denen ich jetzt schon täg­lich einen Post bis Mitte 2017 vor­be­rei­ten könn­te. Emotional ist alles dabei: Rührende Geschichten, wit­zi­ge Geschichten, trau­ri­ge Geschichten, herz­er­wär­men­de Geschichten und immer ein süßes Hundegesicht. Das hat man sonst als Social Media-Manager ja nicht so. Sonst muss man auch viel und ange­strengt über­le­gen, wie man die rich­ti­ge Portion Emotionalität in den Inhalt bekommt und ihn infor­ma­tiv gestal­tet. Beim Tierheim: Ts, die Emotionalität wird schon gleich mit­ge­lie­fert.

Dann ist da noch das Involvement der Community (ja, ich weiß, biss­chen vie­le Anglizismen, aber so heißt das lei­der nun mal). Generelles Szenario, wenn ich etwas pos­te: Paar Likes, paar Kommentare, paar Reaktionen und ab und zu auch ne Diskussion. Ein Teil der Nutzer kauft oder infor­miert sich über Produkte. Ziel erreicht. My Job is Done. Beim Tierheim? Ich pos­te, die Likes flie­gen zu, die Reaktionen flie­gen zu, die Nutzer schmei­ßen einem selbst Content zu, der Facebook-Gold ist (wun­der­ba­re Storys von armen, armen Straßenhunden, die ein lie­be­vol­les Zuhause gefun­den haben und die klei­nen Racker beim Spielen, Schlafen und beim Spaziergang zei­gen), tei­len wie die Irren und locken somit neue Nutzer an, die schluss­end­lich die Seite liken und letzt­end­lich ein Tier adop­tie­ren (Coversionrate ist also auch phä­no­me­nal).

6.750 MAL geteilt, 450.000 erreichte Personen. Richtig krass.

Glaubt ihr nicht? Ich möch­te euch ein Fallbeispiel nen­nen (ein extre­mes, zuge­ge­ben – sonst ist das natür­lich nicht so krass). Anwohner hier am Grenzwald in Frasselt hat­ten schon seit Tagen einen her­ren­lo­sen Hund her­um­lau­fen sehen – wahr­schein­lich einen Border Collie oder einen Border Collie-Mix – und das Tierheim ver­stän­digt. Das Tierheim hat den Hund ein­ge­fan­gen und erst ein­mal im Tierheim unter­ge­bracht, bis der Besitzer sich fin­den und mel­den wür­de. Die Hoffnung war groß, dass der Besitzer gefun­den wer­den wür­de, da das Tier gechipt war. Leider konn­te man den Chip dann nicht aus­le­sen, da es sich um einen nie­der­län­di­schen Chip han­del­te und es Wochenende war.

Da dach­te ich mir: Ach komm, setzt du den armen Kerl mal auf Facebook und schreibst auf Deutsch und Niederländisch, ob jemand die­sen Hund ver­misst. Ich hat­te damit gerech­net, dass die Interaktionsrate schon hoch sein wür­de – aber was dann pas­siert ist, hab selbst ich nicht abse­hen kön­nen. Wir sind viral gegan­gen. Aber frag nicht nach Sonnenschein. Über 6.750 mal geteilt, mehr als 450.000 erreich­te Personen und pi mal Daumen 45.000 Interaktionen. Praktisch wuss­te also die gan­ze Grenzregion Bescheid, dass die­ser Hund gefun­den wur­de. Darüber hin­aus fan­den sich unglaub­lich enga­gier­te Niederländer, die die Chipnummern durch sämt­li­che Datenbanken gejagt haben. Tierschützer, Tierheimbesitzer, Tierärzte und ande­re Berufsgruppen, die Zugang zu den Datenbanken hat­ten. Selbst das nie­der­län­di­sche Konsulat hat beim Tierheim ange­ru­fen und gefragt, ob sie irgend­wie hel­fen kön­nen. Da hab ich tat­säch­lich selbst als abge­brüh­ter Community-Manager-Hund ein biss­chen Pipi in den Augen gehabt. Das war ein­fach über­wäl­ti­gend schön, wie sehr sich die Menschen enga­giert haben.

Nun ja, das Leben ist kein Ponyhof

Aber wie das Leben halt nun mal so ist – es ist kein Ponyhof. Es wäre natür­lich mein per­sön­li­cher Facebook-Oscar gewe­sen, hät­te sich das Herrchen oder Frauchen gefun­den. Am Besten noch von ziem­lich weit weg und sehr ver­zwei­felt auf der Suche nach sei­nem oder ihrem Hund. Zack, Hund hin­ge­bracht, Foto gemacht, alle wären glück­lich gewe­sen und es wäre DIE Facebook-Story des Jahres gewe­sen. Aber lei­der war dem nicht so. Herrchen oder Frauchen haben den Chip nicht regis­triert und es ist nicht ganz unwahr­schein­lich, dass das arme Tier ein­fach im Wald aus­ge­setzt wur­de. Das habe ich aller­dings dann lie­ber mal nicht geschrie­ben. Viel zu trau­rig.

Aber ja, ihr merkt, ich habe gro­ße Freude an dem Projekt und ich habe gro­ßen Respekt vor der Arbeit, die die Menschen im Tierheim jeden Tag voll­brin­gen. Ich selbst bin ja nur die, die Fotos macht und das in die­ses Online da bringt. Aber es erfüllt mich und ich bin jeden Tag froh, wenn ich als per­sön­li­ches Highlight mei­nes Arbeitstages eine klei­ne aber fei­ne Geschichte online set­ze, die vie­le Menschen irgend­wie, irgend­wo berührt. Denn manch­mal ist es ganz schön frus­trie­rend, laut mit meh­re­ren Accounts auf Facebook rum­zu­schrei­en und irgend­wie zu ver­su­chen, sich Gehör zu ver­schaf­fen und trotz­dem nur eine klit­ze­klei­ne Randnotiz im Alltag eines Menschen zu sein, die bald schon wie­der aus dem Kurzzeitgedächtnis ver­bannt wird. Da ist es ein­fach wun­der­bar, wenn man nur lei­se kurz eine Geschichte erzählt und trotz­dem einen blei­ben­den Eindruck zu hin­ter­las­sen.

Ich habe ein Problem. In mei­ner Timeline. Denn Facebook ist längst im Mainstream ange­kom­men und lang­sam stresst mich das wirk­lich, wie unre­flek­tiert eini­ge Personen mit dem Internet umge­hen.

Es gab mal eine Zeit, da war mein Facebook-Newsfeed ein freund­li­cher Platz in dem mei­ne Freunde Quatsch gepos­tet und mir put­zi­ge Videos von hüp­fen­den Pinguinen emp­foh­len haben. Politik war da noch kein Thema und Facebook war ein sor­gen­frei­er Raum, in den ich ger­ne tauch­te um abzu­schal­ten. Das ist jetzt vor­bei. Jetzt kommt mir zwar immer auch noch viel Schönes und Positives ent­ge­gen – aber auch genau so viel Schreckliches und Dinge, die ich gar nicht sehen woll­te.

Jeder kennt ein oder zwei Spezialisten, die immer was Fragwürdiges posten

Ich gehe davon aus, dass jeder von euch so zwei, drei Spezis in sei­ner Freundesliste hat, die einem mit gepos­te­ten und geteil­ten Inhalten in den poli­ti­schen und mora­li­schen Wahnsinn trei­ben. Ein brand­ak­tu­el­les Beispiel. Gerade mache ich Facebook auf und Folgendes kommt mir ent­ge­gen: Ein Video, in dem Hunde gequält wer­den (wir reden hier nicht von einer Happy End-Geschichte, in der die Hunde ein lie­be­vol­les Zuhause fin­den. Die Hunde sind am Ende tot). Dann folgt irgend­so ein Aufruf, dass ich eine Petition unter­schrei­ben soll, dass soge­nann­te “Nafris” schnel­ler abge­scho­ben wer­den sol­len (Ääääh… Nein, Danke). Und als Highlight hat sich dann noch einer mei­ner Facebookfreunde furcht­bar in einer Klever Gruppe dar­über auf­ge­regt, dass der Caspar bei den drei Sternsingern aus Political Correctness nicht mehr schwarz ange­malt wird (Ja lass die doch, die Farbe hat bei mir frü­her eh immer nur ne all­er­gi­sche Reaktion her­vor­ge­ru­fen).

Und ich denk nur so: Alle mal die Sabbel hal­ten, ich bin gekom­me­nen um ein Brot zu essen und dabei ein paar wit­zi­ge Dinge zu sehen. Stattdessen bekom­me ich aber schlech­te Nachrichten, Schockvideos und die Erkenntnis dar­über, wie pein­lich eini­ge Menschen aus mei­nem Bekanntenkreis sind, weil sie angeb­lich eine simp­le Antwort auf ein kom­ple­xes Problem gefun­den haben und die Lösung dann laut und unge­fragt im Internet rum­schrei­en. Das muss auf­hö­ren. Ich habe kei­nen Platz in mei­nem Leben für poli­tisch ver­wirr­te Quatschköppe mit man­geln­der Medienkompetenz oder ver­meint­li­che Aufklärungs-Messiasse (ist das der Plural von Messias? Geht das über­haupt? Sonst ver­such ich’s mal mit Messiasuten).

Die Supermarkt-Regel

Ich per­sön­lich ach­te pein­lich dar­auf, dass mei­ne Äußerungen in die­sem Online nicht zu poli­tisch wer­den, da für mich Facebook und gene­rell das Internet immer noch ein Raum für Spaß, Kreativität und gute Laune ist. Denn mei­ne poli­ti­sche Meinung ist etwas Privates und da ich nicht in der Politik aktiv bin, geht sie auch nie­man­den etwas an. Wahrscheinlich inter­es­siert es auch nie­man­den groß­ar­tig, wel­che poli­ti­sche Einstellung ich zu ver­schie­de­nen Themen habe.

Und das ist der Knackpunkt, den eini­ge nicht ver­stan­den haben. Wer digi­tal unter­wegs ist, ist nicht pri­vat unter­wegs. Zumindest nicht pri­vat pri­vat. Das soll bedeu­ten, dass sozia­le Medien eigent­lich dazu da sind, sich ober­fläch­lich mit ande­ren Menschen aus­zu­tau­schen. Also über Dinge, mit denen man auch mit sei­nen Bekannten an der Supermarktkasse quatscht: Ich arbei­te jetzt bei der und der Firma – schau mal hier, ein Bild von mei­ner Katze – ich hab letz­tens die­sen Film gese­hen, der war echt rich­tig gut. Das reicht. Wer eine durch­schnitt­li­che sozia­le Kompetenz auf­weist, wür­de an der Supermarktkasse einem prak­tisch Fremden nie­mals im zwei­ten Satz sei­ne Meinung über “Nafris” raus­bla­sen, Streit über die Gesichtsbemalung der Heiligen Drei Könige anfan­gen oder jeman­dem ein Video auf sei­nem Handy zei­gen, in dem Hunde gequält wer­den.

Weniger Platz für Politisch-Verwirrte und mehr Cat-Content

Ist da aber das Internet als Schutzschild vor, hau­en einem eini­ge Personen unge­fragt ihre Meinung um die Ohren. Die inter­es­siert mich aber nicht. Sorry. Erzählt das bit­te euren engen Freunden oder irgend­wel­chen Personen, die ihr regel­mä­ßig bei eurem Stammtisch trefft. Denn auch wenn ich mich nicht poli­tisch äuße­re, heißt das nicht, dass ich ein armer unwis­sen­der Bürger bin, der Aufklärung sucht. Im Gegenteil. Ich weiß ziem­lich viel und bin nicht son­der­lich auf den Kopf gefal­len – ich habe vie­le eurer beklopp­ten Argumente in drei Sätzen aus­ein­an­der genom­men (außer ihr seid Hardcore-Veganer – ihr seid mir meis­tens rhe­to­risch und mora­lisch über­le­gen).

Ich möch­te gera­de ein­fach nur kei­ne gequäl­ten Hunde sehen oder ver­que­re Meinungen lesen, wenn ich mein Brot esse. Ist das denn zu viel ver­langt? So Timeline-Spezis sind wie Bauarbeiter, die einer Frau hin­ter­her­pfei­fen. Da denkt die Frau ja auch nicht: “Was für ein tol­ler Typ!” und star­tet eine Affäre mit ihm. Nein, sie geht wei­ter, denkt sich “Vollpfosten…” und läs­tert danach mit ihren Freundinnen dar­über ab. Das ist nicht anders mit stark pola­ri­sie­ren­den Aussagen in sozia­len Netzwerken. Niemand wird sich der Meinung anschlie­ßen. Die meis­ten Nutzer scrol­len wei­ter, den­ken sich “Vollpfosten…” und läs­tern danach mit ihren Freunden dar­über ab. So ein­fach ist das.

Naja, ich hab mich gera­de eigent­lich nur mal ganz furcht­bar auf­re­gen müs­sen. Aber ab jetzt wird alles wie­der posi­tiv – ich hab mei­nen Facebookfeed auf­ge­räumt und jetzt drei Facebook-“Freunde” weni­ger. Sollte den drei Personen auf­fal­len, dass wir kei­ne “Freunde” mehr sind, erklä­re ich es ihnen ger­ne, wenn ich sie an der Supermarktkasse tref­fe. Mal sehen, ob die das auch von Angesicht zu Angesicht mit einer Person bespre­chen möch­ten, die sie kaum ken­nen 😉

Ich find das sel­ber doof, dass das so ein nega­ti­ver Post war. Also mach ich die Laune jetzt wie­der gut. Et Violá: Pinguine (soll­te jetzt jemand sagen, wie ich mich noch an Pinguinen erfreu­en kann, wenn gleich­zei­tig die Gletscher schmel­zen und mir ein Video über glo­ba­le Erderwärmung schi­cken, hau ich um mich!)

Style 4

 

Was war los die­se Woche? An die­ser Stelle möch­te ich euch ger­ne mei­ne Internetschätze prä­sen­tie­ren – denn: Es war viel los. Ich habe sehr viel den Kopf geschüt­telt und auch herz­lich gelacht. Enjoy.

Fail der Woche:

Dieses doch sehr offen­sicht­lich schlecht auto-über­­­set­z­­te Popup kam mir die­se Woche ent­ge­gen.

Benutzen die­se auto­ma­tisch Übersetzungen immer ist nicht so eine gute Idee. Ist aber für alle Fälle herr­li­ches Entertainment. Nachdem ich habe gele­sen die Überschrift, ich habe alle deut­schen Sätze ein­fach in eng­li­sche Grammatik umge­formt. Ich fand das lus­tig – meis­te ande­re Menschen nicht.

Quelle: smartbuyglasses.co.uk 

Politikum der Woche

Ich sags ja immer wie­der: Wer in der digi­ta­len Welt durch­star­ten will, muss immer so geklei­det sein, als wür­de es gleich noch schnell zum Späti gehen. In die­sem Fall hat der Typ von ResearchGate alles rich­tig gemacht: Erst noch schnell die Kanzlerin tref­fen und dann ab in den Feierabend an den See. Mir ist der sehr sym­pa­thisch – wobei ich mir sicher bin, dass nur Menschen aus unse­rer Branche das 100% nach­voll­zie­hen kön­nen.

Gedanken, die der wahr­schein­lich hat­te “Na, du willst doch was von mir und ich nicht von dir, oder? Ich komm ange­zo­gen, wie ich will!”

Ich find den cool.

Quelle: Twitter.com/RegSprecher

Meme der Woche

Einige von euch sind wahr­schein­lich nicht so tief im Internet drin wie ich, des­halb ist hier ein wenig Erklärungsbedarf. (Was ein Meme ist, erklä­re ich hier mal nicht. Für die Wenigen, die es nicht wis­sen und erfah­ren möch­ten: Hier) Das Internet ist ja unbe­re­chen­bar. Ich hän­ge viel auf 9GAG rum und da wer­den vie­le Memes über aktu­el­le gesell­schafts­po­li­ti­sche Themen (neben viel Quatsch) gepos­tet. Einige von denen sind manch­mal echt so nah an der Geschmacklosigkeit dran, dass man tief ein­at­met und es einem eher unan­ge­nehm ist, dass man dar­über gelacht hat.

Manchmal hat das Internet aber auch wahn­wit­zi­ge Trends und Vorlieben, die nicht so ganz nach­voll­zieh­bar sind. Das Internet ist neben dem Phänomen des Bronie-Trends und der Faszination für neue Namensfindungen für Beresect Conderhadge näm­lich auch ein gro­ßer Fan der Kinderserie Lazytown, ins­be­son­de­re des Schurkens, der von Stefan Karl gespielt wur­de. Der ist ges­tern nach einem lan­gen Kampf mit dem Krebs gestor­ben.

Ich muss nicht erwäh­nen, dass die­ses Meme die Internet-Woche ganz gut zusam­men­fasst, oder?

Respect to the number one.
Quelle: 9GAG

WTF der Woche

Speaking of Memes: Warum? Warum? Waaaruuuum? Gut, Otto hat nichts falsch gemacht. Die haben ein­fach den Darsteller von Hide The Pain Harold genom­men, dem wahr­schein­lich ne ziem­li­che Stange Geld gezahlt und einen Werbespot für die rele­van­te Zielgruppe gedreht. 

Hide The Pain Harold ist irgend­so ein ukrai­ni­sches Stockfoto-Model, das auf zahl­rei­chen, abge­dro­sche­nen Stockfotos zu sehen ist. Irgendwann wur­de er zum Meme und bekannt als Hide The Pain Harold, weil er immer so gequält lacht. Zuerst fand er es doof, dass ihn Leute auf der Straße die gan­ze Zeit ange­spro­chen haben. Jetzt, wo er Geld draus machen kann, scheint das doch nicht mehr so blöd zu sein. 

Ich hab mich trotz­dem ein wenig vor den Kopf gesto­ßen gefühlt, als ich den in hoch auf­ge­löst und mit gutem Script gese­hen habe. Hide The Pain Harold soll­te wei­ter schlech­te Witze in pixe­li­ger Qualität machen.

Andererseits… Ich gön­ne ihm den lukra­ti­ven Fame und höre jetzt mit die­sem “Vor-dem-Kommerz-war-alles-bes­­ser” auf. Ich lebe schließ­lich von die­sem Kommerz 😉

https://www.youtube.com/watch?v=wTTDwEJkoaE

Aha! der Woche

Ich hab Windings ja frü­her immer nur benutzt, um “heim­li­che” Nachrichten mit mei­ner dama­li­gen bes­ten Freundin aus­zu­tau­schen. Da war ich zwölf und dach­te, ich sei unglaub­lich cle­ver. Wozu Windings tat­säch­lich gut ist, war mir nie bewusst.

Vielleicht soll­te ich das noch­mal aus­pro­bie­ren. Ich schmeiß’ immer direkt Photoshop an – aber viel­leicht geht das auch ein­fa­cher.

https://www.youtube.com/watch?v=JdKV1L1DJHc

Rumspielerei der Woche

Ich war auf Facebook unter­wegs und bin ja schon ein gro­ßer Fan die­ser 3D-Rumspielereien. Eigentlich ste­he ich mit Van Gogh auf Kriegsfuß, weil ich im Kunstunterricht mal die­ses Blumenbild nach­ma­len muss­te und mit Ach und Krach gera­de mal ne 4- geschafft habe – aber mal zu sehen, wie Van Goghs Sternennacht zum Leben erweckt wird, ist sau­cool.

Quelle: facebook.com/iartGaleria

Produkt der Woche

Zuerst hab ich gedacht “Hahahahaha, was für Idioten!” dann habe ich mich aber selbst dabei ertappt, den Kauf die­ses Produkts in Erwägung zu zie­hen. Weiß zwar sel­ber noch nicht, was ich damit anfan­gen soll – aber irgend­wie wär’s geil. Personalisierte Hundesocken woll­te ich schon immer mal haben. Solltet ihr im Kreis der Menschen sein, die mir in regel­mä­ßi­gen Abständen was schen­ken müs­sen – eine klei­ne Inspiration.

Quelle: Supersocken.de

Video der Woche

Und hier noch­mal ein­fach was für die gute Laune. Ich per­sön­lich fand, dass es sehr gut inves­tier­te 3 Minuten mei­ner Zeit waren. Einfach zuhö­ren und wit­zig fin­den. Dödödödö död­ödö dödö. Dödödödö död­öd­öd­öd­ödö… Ach nee, das war Tetris. Oder genau­er gesagt: Johann Sebastian Bach

https://www.youtube.com/watch?v=FT0RSXGLPpw

GIF der Woche

Ich arbei­te ja unter ande­rem auch für die bezau­bern­den Ladies von der Curiosity Box und da ich dort die ein­zi­ge Deutsche bin, die dazu auch noch mit DSGVO-Fun Facts alle Marketingträume zunich­te macht, habe ich die­ses GIF die­se Woche sehr oft erhal­ten. Zurecht. Ich elen­der DSGVO-Spielverderber 😉

via GIPHY

Hach ja – ihr habt es sicher­lich schon mit­be­kom­men: Es war warm. Nicht nur so ein biss­chen warm, son­dern eher so warm, dass man stän­dig in sei­ner eige­nen Suppe geses­sen hat und sich ein­fach nicht bewe­gen woll­te. Dazu gehör­te ich selbst­ver­ständ­lich auch. Aber wisst ihr, wer auch dazu gehör­te? Meine Telefonanlage. Jap, das arme Ding ist auf dem Dachboden unse­res Gründerzeit-Hauses instal­liert wor­den und hat eine auto­ma­ti­sche Abschalt-Funktion, die unmit­tel­bar in Kraft tritt, sobald die Raumtemperatur etwa 50°C über­steigt. Ich war die ver­gan­ge­nen Wochen also vom Nachmittag an ohne Internet.

Das neue Spiel für Adrenalinjunkies: Wann ist das Internet weg?

Wann genau konn­te ich aller­dings nicht sagen. Deshalb hab ich ziem­li­che vie­le Runden „Schaff-ich-das-noch-bevor-sich-alles-ver­­a­b­­schie­­det-Bingo“ gespielt. Ist tat­säch­lich mit ein biss­chen Nervenkitzel ver­bun­den. Ich kam mir vor wie in einer die­ser Kochshows, in denen die Kandidaten unter immensem Zeitdruck eine drei­stö­cki­ge, fili­gran ver­zier­te Hochzeitstorte zusam­men­bas­teln müs­sen bevor die Uhr stoppt und sie sofort die Hände von der Torte weg­neh­men und auf einen roten Buzzer drü­cken müs­sen. So ging das in etwa bei mir auch, nur dass ich eher Facebookkampagnen auf­ge­setzt habe und eine Zeit lang auch nicht wirk­lich ein­schät­zen konn­te, wann die Uhr stop­pen wür­de.

Doch ich bin ja schlau und habe mich des­halb kur­zer­hand zu einer Art Amateur-Meteorologin ent­wi­ckelt, die anhand von Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit in etwa abschät­zen kann, wann Schicht im Schacht ist. Gut, dass man Wikipediaartikel näm­lich auch run­ter­la­den kann.

Kein Internet: Langweilig. Voll langweilig.

Hatte ja auch genug Zeit, mich mit Meteorologie zu beschäf­ti­gen, war ja schließ­lich nichts ande­res zu tun. Denn mir war lang­wei­lig. Mein Gott, war mir lang­wei­lig. Mein Fernseher funk­tio­nier­te auch nicht ohne Internet, mein Datenvolumen war bis ans Maximum aus­ge­reizt und mein iPad hat­te kei­nen Speicherplatz mehr, weil ich da tat­säch­lich Sachen für die Arbeit drauf habe, die ich brau­che.

In die­ser Zeit ist mir dann schmerz­lich bewusst gewor­den, dass ich zu viel vor Bildschirmen hän­ge: Wenn ich nicht vor dem Computer arbei­te, fri­ckel ich irgend­was auf mei­nem Handy rum, schaue Netflix auf mei­nem iPad oder lass mich vom Vorabendprogramm auf dem Fernseher berie­seln. Die ein­zi­ge Zeit, die ich nicht vor einem Bildschirm ver­brin­ge, gehe ich ent­we­der mit dem Hund oder bin ver­hin­dert, weil ich gera­de schla­fe.

Was macht man nochmal in diesem Offline?

Sich des­sen bewusst zu wer­den, ist schon ganz schön krass. Klar, digi­tal unter­wegs zu sein ist mei­ne Passion, mein Beruf und ein gro­ßer Teil mei­nes Lebens – aber ich muss doch auch mal was off­line machen! Nur was macht man noch­mal so in die­sem Offline? Ehrlich gesagt war ich zunächst ein wenig rat­los.

Früher habe ich immer gele­sen. Meine Mutter war näm­lich der Meinung, dass Fernseher und Handys dumm machen und des­halb war ich ziem­lich oft auf mich allei­ne gestellt in Sachen Entertainment. Also habe ich immer mei­ne Bücherei-Karte aus­ge­reizt und ein­fach mal so fast jedes Buch in unse­rer klei­nen Dorfbücherei gele­sen. Denn ich hat­te nicht den Luxus eines Kindle-Abos und muss­te ein­fach das lesen, was da war. Das führ­te dann auch dazu, dass ich mich durch Michel Houllebecq gequält und wahr­schein­lich jeden seich­ten Frauenroman ver­schlun­gen habe, der in den Jahren 2002 bis 2008 ver­öf­fent­licht wur­de. 2008 war dann Schluss, dann habe ich Abi gemacht und hat­te von da an einen Fernseher und einen Computer. Da ging es schon ein biss­chen berg­ab.

Richtig berg­ab ging es dann aber mit dem Smartphone. Seitdem ich das Teil habe, nut­ze ich es auch. Ich orga­ni­sie­re mein Leben mit Apps, scrol­le immer mal wie­der durch die Branchennews und habe schon viel zu viel Zeit damit ver­bracht, sinn­lo­se Videos auf YouTube zu schau­en – und wo wir gera­de schon­mal so ehr­lich sind: Ich bin nicht stolz drauf, aber bei Candy Crush Soda Saga befin­de ich mich gera­de in Level 1153. Ja, das hat so vie­le Level und noch viel mehr. Nein, da bin ich echt nicht stolz drauf.

Naja, gut. Ein biss­chen.

Fragen über Fragen, deren Antworten nur online zu finden sind…

Nun ja, da ich mei­nen Feierabend also ohne Internet und Fernsehen ver­brach­te, muss­te ich umdis­po­nie­ren: Gut. Lesen wir doch mal was. Wir mögen lesen.

Hier ist doch das Buch von Obama, das ich schon so lan­ge mal lesen woll­te: Dreams from my Father. (Warum woll­te ich das lesen? Ich hab Obama bei Letterman auf Netflix gese­hen und noch wäh­rend ich geschaut habe bei Amazon auf “Bestellen” geklickt…). Zwei Seiten gele­sen. “Mhm, mhm, mhm inter­es­sant” – “Hab ich eigent­lich die Smartphone-Gebote in der einen AdWords-Kampagne ange­passt?” – “Wann war noch­mal das Frank Turner Konzert?” -“Waren das jetzt Elefanten, die nicht sprin­gen kön­nen oder Giraffen? Oder bei­de?”

Leider konn­te ich mich also nicht auf das Buch kon­zen­trie­ren, weil mir stän­dig Fragen in den Sinn gekom­men sind, deren Antwort ich nur online gefun­den hät­te.

Nach einer Woche oder so wur­de es dann aber bes­ser und ich habe es tat­säch­lich geschafft, Dreams from my Father zu been­den (Naja, zu 2/3 – beim letz­ten Drittel hab ich gechea­ted und die Hörbuch-Version bei Audible gehört, wäh­rend ich mit dem Hund gegan­gen bin. Aber ey – Obama liest es per­sön­lich mit sei­ner samt­wei­chen Soul-Stimme vor)

Zwei Wochen offline und schon werd ich zu Martha Stewart-Picasso

Irgendwie war das schon ein ziem­lich gutes Gefühl, sei­ne Zeit irgend­wie auch mal sinn­voll zu gestal­ten nach Feierabend. Denn ich habe nicht nur gele­sen, ich habe auch mein Malen nach Zahlen end­lich mal fast fer­tig (ist mir egal, dass ihr das total uncool fin­det, in der Instagram-Werbung sah das viel­ver­spre­chend und hip aus) und ich habe eine nicht zu ver­ach­ten­de Zahl an gesun­den Snacks selbst her­ge­stellt und mich wie Martha Stewart gefühlt. Von die­sen Snacks schme­cken zwar nur etwa 50% ganz okay . Bisschen Schwund ist halt immer.

Heute ist ja der ver­meint­lich letz­te Tag der Hitzewelle und ich muss ja sagen, dass mir der digi­ta­le Detox auch mal ganz gut­ge­tan hat. Aber reicht jetzt auch. Ich wer­de bestimmt nie­mals zu den Menschen gehö­ren, die sagen „Also ich hab ja kei­nen Fernseher“ (Was ist eigent­lich das heu­ti­ge Äquivalent dazu? – „Ich leb ja im Wald ohne Empfang?“) – dafür lie­be ich mein Internet zu doll. Aber ich fin­de es nicht schlecht, mal wie­der Momente der Entschleunigung zu erfah­ren und aktiv Dinge zu gestal­ten.

Fazit: Offline geht schon wieder ganz gut, muss aber nicht immer sein.

Trotzdem kann ich es nicht abwar­ten, die Netflix-Mashup Folge von Queer Eye und Nailed It auf Netflix zu inha­lie­ren, Level 1154 bei Candy Crush zu rocken und end­lich, end­lich wie­der mal nen Wasserrutschen-Test bei Galileo zu sehen (Viele den­ken, ich mache Witze. Aber: Über Galileo macht man kei­ne Witze. Ich lie­be Galileo. Also geh weg und lass mich.)

Dass ich das mache, erwäh­ne ich in zukünf­ti­gen Gesprächen natür­lich nicht. Ich wer­de mei­nem Gegenüber aus­schließ­lich gehö­rig damit auf die Nüsse gehen, in jedem drit­ten Satz mei­nen (natür­lich total frei­wil­li­gen) Digitalen Detox zu erwäh­nen und die befrei­en­de Reise, die ich dabei erlebt habe.

Ihr ent­schul­digt mich, ich habe Candy zu Crushen.

Als ich NEON das ers­te Mal sah, war ich hin und weg. Ich war zar­te 17 Jahre alt und traf NEON in einer Zeit, in der das Leben gera­de erst rich­tig anfing und ich auf der Suche nach einem Kompass war, der mich durch die­se auf­re­gen­de, aber auch ang­st­ein­flö­ßen­de Zeit navi­gier­te. Da war NEON nun. Lag läs­sig im Zeitschriftenregal und schau­te mich mit sei­nem auf­fäl­li­gen NEON-Design an. Und dann mach­te es “BOOM!”, wie das nur bei Jugendlichen geschieht.

Ich nahm NEON ohne zu zögern mit zu mir nach Hause und wir rede­ten und rede­ten, Stunde um Stunde. NEON erzähl­te mir von der gro­ßen wei­ten Welt. Wie es im Osten von China ist, wer die ange­sag­tes­ten neu­en Indie-Bands sind, wie er Bosse getrof­fen hat und ihm Fragen zur EU stell­te. In mei­nen Teenager-Augen war NEON der Größte und ich war ziem­lich ver­knallt in ihn. Jeden Monat hat­te NEON so viel zu berich­ten und zeig­te mir die gan­ze Welt.

Immer an meiner Seite – eine Schöne Zeit.

So ging das ein paar Jahre und NEON wur­de zu einem treu­en Begleiter. Er erzähl­te mir alles und inspi­rier­te mich, immer wie­der neu­es aus­zu­pro­bie­ren und an mich zu glau­ben. Die Jahre mit NEON waren unbe­schwert und vol­ler span­nen­der Lebensabschnitte. England hier, Hamburg da, dann mal in Schweden und ger­ne auch noch­mal nach Köln. Es war eine schö­ne Zeit und NEON war immer an mei­ner Seite und beglei­te­te mich.

Die Liebesgeschichte von NEON und mir zer­brach – wie so vie­le jun­ge Lieben – schlei­chend und still. Wir hat­ten uns ver­än­dert. Auseinandergelebt. Während ich mei­ner Arbeit nach­ging und mich über Versicherungen ärger­te, hielt NEON immer noch an Backpackingtrips für Bratislava fest. Irgendwann wur­de mir klar, dass das so nicht wei­ter­ge­hen konn­te. Ich tat also das, was jeder tun muss, der eine gelieb­te Person hin­ter sich las­sen muss, um wei­ter­zu­kom­men: Ich habe die Beziehung zu NEON been­det. In einem pro­fes­sio­nell distan­zier­ten, aber trotz­dem ein­fühl­sa­men Brief erklär­te ich NEON, dass es so nicht wei­ter­geht und ich mein Abonnement hier­mit zum nächst­mög­li­chen Zeitpunkt kün­di­gen möch­te. Das hat NEON sehr ver­letzt. Anrufe folg­ten, in denen NEON bet­tel­te, mich zurück­zu­neh­men. Wieso wol­le ich es nicht noch­mal ver­su­chen? Würde eine Dreiecksbeziehung mit der NIDO viel­leicht alles ret­ten? Heutzutage bezie­hen vie­le Leute Kombiabos. Aber egal, wie sehr NEON auch bet­tel­te – es war aus und vor­bei. Ich muss­te wei­ter­zie­hen.

Heftige Äffaren und kurzfristige Liasons – doch keine ist wie du

Es folg­ten ande­re Zeitschriften, doch nie wie­der konn­te ich mich mit vol­lem Herzen an eine Zeitschrift bin­den. Nach den Jahren des Gefangenseins woll­te ich mei­ne Freiheit spü­ren. Wollte ein­fach in den Kiosk gehen und mir neh­men, was ich brauch­te. Es folg­te eine kur­ze, aber hef­ti­ge Affäre mit Business Punk und eine eher halb­her­zi­ge Liaison mit stern Crime. Die ande­ren Zeitschriften waren okay für den Augenblick, aber nie wie­der schaff­te es eine Zeitschrift, mich so zu berüh­ren wie NEON.

Von Zeit zu Zeit sah ich mir alte Erinnerungen an, bei denen ich es nicht an mich brin­gen konn­te, sie zu ent­sor­gen – wie etwa die Ausgehtipps für Oxford oder die Rezepte von Migranten – und dach­te an NEON. Manchmal sah ich NEON auch aus der Ferne und es schien ihm gut zu gehen. Das Cover leuch­tend wie eh und je und die Überschriften gleich­zei­tig prä­gnant und raf­fi­niert. Dabei rea­li­sier­te ich anschei­nend nicht, dass es NEON seit mei­nem Weggang immer schlech­ter ging. Die Leserschaft wur­de klei­ner und klei­ner und damit auch das Selbstbewusstsein. Der Umzug von München nach Hamburg ließ NEON inner­lich zer­rei­ßen und die Leser nach mir waren nicht so treu wie ich – stän­dig ver­lie­ßen sie NEON und ban­del­ten mit VICE.de und ande­ren digi­ta­len Plattformen an. Doch all das sah ich nicht, weil ich mit mei­nem eige­nen Leben beschäf­tigt war.

Ein Wiedersehen.

Bis zum heu­ti­gen Tag, da traf ich NEON wie­der. Ich hör­te von HORIZONT, wie es NEON in den letz­ten Monaten ergan­gen war. Dass er an einem Tiefpunkt ange­langt war, sich aber jetzt wie­der auf­rap­pelt und einen Neustart wagt. Das hat mich inner­lich sehr berührt. Zuerst, weil ich nicht gese­hen habe, wie schlecht es NEON ging und außer­dem, weil ich ihm in die­ser Zeit bei­ste­hen woll­te. Ich sam­mel­te NEON in einem Kiosk ein und wir setz­ten uns in ein Café, wo wir lan­ge spra­chen. Ich freu­te mich, NEON wie­der­zu­se­hen und bei­na­he war es wie frü­her: Die Geschichten über Dreiecksbeziehungen der Studenten-Freunde, das Beschweren über die Eltern und den läs­ti­gen Nebenjob und die Aufklärung über den Atomausstieg. Es hat­te sich eini­ges ver­än­dert, aber vie­les war doch gleich­ge­blie­ben und ver­traut.

Doch eines ist mir klar. NEON muss sei­nen Weg nun allei­ne gehen, es gibt kei­ne Chance auf ein Happy End. Wir haben uns zu sehr aus­ein­an­der­ge­lebt. Denn ich höre mir gele­gent­lich noch ger­ne NEONs Geschichten über Backpacker und ner­ven­de Mitbewohner an, aber ich kann sie nicht mehr rich­tig füh­len.

Mein Leben ist jetzt anders. Ich hof­fe, NEON ver­steht das.

Lebe wohl, mei­ne ers­te gro­ße Zeitschriften-Liebe.

Mögest du eine Generation von Lesern fin­den, die dich genau­so liebt, wie ich es tat.

Ich ges­tern so: Seufz. Kurz vom Bildschirm weg­ge­se­hen, dann wie­der hin­ge­se­hen. Nein, es ist immer noch da. Nochmal weg­ge­se­hen. Nochmal hin­ge­se­hen. Mist. Immer noch da. Ich hat­te das also nicht geträumt und das war wirk­lich pas­siert. Einer der größ­ten und mäch­tigs­ten Konzerne der Welt hat sich mit einer Online-Kampagne in die Nesseln gesetzt. Aaaaaah. So geht das doch nicht. So. Geht. Das. Nicht.

Echt. Nicht.

Auch große Konzerne haben das Netz nicht immer verstanden.

Liebes McDonald’s‑Team – ihr habt doch Geld. Astronomisch viel Geld. Wieso macht ihr dann so einen Quatsch? McDonald’s hat es ges­tern wie­der geschafft, zu sehr an die Menschheit zu glau­ben und zu ver­ges­sen, dass das Internet in den meis­ten Fällen durch und durch böse ist.

Was ist also genau pas­siert? McDonald’s Neuseeland mein­te es gut mit den Kunden und des­we­gen gab McDonald’s ihnen die Möglichkeit, Burger selbst zu kre­ieren. So weit, so gut. Ist ja eigent­lich eine sehr net­te Idee und wahr­schein­lich hat der Pommes-Konzern einer über­kan­di­del­ten Marketingagentur ziem­lich vie­le Dollar in den Hintern gebla­sen, weil die das ja anschei­nend kön­nen. Sonst wür­den die nicht so viel Geld ver­lan­gen.

Tja. Wer auch immer die Agentur dahin­ter ist, scheint das Internet nicht ver­stan­den zu haben. Denn die Burger konn­ten kre­iert wer­den, ohne vor­her eine Freigabeprozedur durch­lau­fen zu müs­sen. Und das war der Fehler. Ähm Tschuldigung – hat denn hier nie­mand gelernt, was pas­siert, wenn man das Internet auf sowas los lässt?

TayTweets, der intel­li­gen­te Chat-Bot von Microsoft, der am Ende nur eines Tages von einer freund­li­chen jun­gen Dame von den Usern durch unan­ge­brach­te Kommentare zu einer ras­­sis­­tisch-sexis­­ti­­schen ollen Hexe ver­wan­delt wur­de? Boaty McBoatface, das bri­ti­sche Forschungsschiff, das doch nicht so hei­ßen darf, weil die Organisatoren Spaßbremsen sind und sich vor­her nicht den­ken konn­ten, dass so ein Name dabei raus­kommt, wenn es kei­ne Freigabeprozedur gibt?

Tote Kinder, Vergewaltigungen und eine Prise Islamfeindlichkeit

Eine ähn­li­che Konsequenz gab es auch für McDonald‘s: Die Startseite explo­dier­te vor lau­ter Burger der Unmöglichkeit. Erst erschie­nen da noch grenz­wer­tig wit­zi­ge Burger wie „Rektal Prolapse“ – ein Burger mit sehr viel Weichkäse, der am nächs­ten Morgen wahr­schein­lich nicht so viel Spaß macht und „The Sad European“ – ein Burger, der aus zwei Buns und einer Scheibe Käse besteht. Aber dann tauch­ten mehr und mehr Burger auf, die geschmack­los und defi­ni­tiv nicht für die öffent­li­che Zurschaustellung geeig­net sind. „Toddler Body Bag“, „The Aryan“ und „Pound my Back, Daddy“ gehen bei­spiels­wei­se über alle Geschmackgrenzen hin­aus und beherrsch­ten schon bald die Startseite der Kampagnenseite, sodass die Startseite bald aus einem Best Of “Dinge, die man bes­ser nicht sagt” bestand. Gerne wür­de ich euch ja an dem Spaß teil­ha­ben las­sen, aber lei­der muss­te McDonald’s die Seite aus dem Netz neh­men.

Das zeigt also wie­der, dass sol­che Kampagnen immer Prüfprozesse haben soll­ten. Ja, das ist mehr Aufwand und ja, das erhöht die Kosten – aber es ist immer noch bes­ser, als die Kampagne – so wie McDonald’s Neuseeland – nach einem Tag abbre­chen zu müs­sen. Nochmal so zum Mitschreiben: Das Internet ist böse und das soll­te zu jeder Zeit beach­tet wer­den. Wenn die­ser Aspekt beach­tet wird, dann klappt’s auch mit den Online-Kampagnen. Gerne sonst vor der nächs­ten Kampagne mich noch­mal fra­gen und ich schi­cke kom­men­tar­los die Kritiken die­ser Kampagne zurück.

Heute schrei­be ich mei­nen ers­ten Blog-Artikel seit lan­gem. Warum? Ich hat­te unglaub­lich viel Arbeit. Die letz­ten Wochen und Monate wuss­te ich ein­fach nicht, wo mir der Kopf steht. Aufträge über Aufträge. Immer, wenn ich gedacht habe, dass ich jetzt end­lich ein wenig zur Ruhe kom­men kann, kam der nächs­te Auftrag rein. Das ist natür­lich schön für mich, ande­rer­seits habe ich es auch ver­misst, end­lich mal wie­der etwas für mich zu schrei­ben – und über Themen, die mich inter­es­sie­ren und mir am Herzen lie­gen.

Aber jetzt ist es soweit. Diese Woche habe ich ein biss­chen Luft und kann mich wie­der auf die wesent­li­chen Dinge kon­zen­trie­ren, bevor die November-Projekte los­ge­hen. Denn in der Zwischenzeit sind wun­der­vol­le Dinge pas­siert und eines davon möch­te ich euch ger­ne erzäh­len: Ich habe jetzt einen Hund. Den habe ich aus dem Tierheim geholt. Und durch Zufall ein Herzensprojekt gefun­den.

So könn­te man es ganz kurz gefasst sagen. Denn ich bin jetzt in Charge über den Facebook-Account Tierheim Kranenburg e.V. – und es ist das Beste, was mir in mei­ner beruf­li­chen Laufbahn pas­siert ist. (Achtung, der nach­fol­gen­de Satz ent­hält nerv­tö­tend vie­le Anglizismen und Fachwörter) Natürlich ver­die­ne ich kein Geld damit, aber es ist schön, einen Social Media-Account zu ver­wal­ten, auf dem das Involvement unglaub­lich hoch und auch der Zusammenhalt der Community so unglaub­lich groß ist. Das lässt ein­fach das Herz eines jeden Community-Managers auf­ge­hen.

Das ist Dobby, der Zuwachs in unse­rer klei­nen Familie. Sie hat prak­tisch kei­ne Unterwolle und weil sie nur spa­ni­sches Klima gewohnt ist, muss sie den ers­ten Herbst und Winter wohl mit die­ser Situation rum­lau­fen. Findet sie nur so mit­tel.

Social Media – Irgendwas ist immer

Wieso? Erstens bin ich ja mitt­ler­wei­le ver­wal­ten­de Kraft hin­ter einer nicht zu ver­ach­ten­den Anzahl an Social-Media-Accounts aus den ver­schie­dens­ten Bereichen. Hier ist ja inter­es­sant, dass jeder Bereich ganz ande­res funk­tio­niert. Einige haben Unmengen an Followern, die aller­dings über­haupt nicht mit den Inhalten inter­agie­ren, indem sie weder liken noch kom­men­tie­ren – dafür aber kon­su­mie­ren wie die Blöden. Also auf die ent­spre­chen­den Links kli­cken und den Artikel lesen oder sich über das Produkt infor­mie­ren. Dann gibt es aber auch Accounts, die nur eine sehr gerin­ge Anzahl an Followern haben, die­se weni­gen Follower aber eine Interaktionsrate haben, von denen die meis­ten Unternehmen nur träu­men. Allerdings pas­siert es bei die­sen Accounts auch oft genug, dass zwar inter­agiert wird, als gäbe es kein Morgen mehr – aber nie­mand die Inhalte anklickt, weil die Produkte oder Dienstleistungen dann doch nicht sooooo inter­es­sant sind.

Ja und dann gibt es natür­lich auch noch die Accounts, die eine gerin­ge Anzahl an Followern haben, mit denen kei­ner inter­agiert und deren Inhalte auch kei­ner anklickt, weil die Inhalte pups­lang­wei­lig sind (aber die sind nicht in mei­ner Verwaltung. Dann wäre ich ein schlech­ter Social-Media- und Community-Manager). Bis jetzt konn­te ich also sagen: Bei Social-Media-Accounts gibt es kei­ne eier­le­gen­de Wollmilchsau, bei der die Followermenge groß, die Interkationsrate himm­lisch und die Conversionrate

(also Leute, die das Proukt oder die Dienstleistung auf­grund des Posts letzt­end­lich gekauft haben) ein Traum ist. Irgendeinen Wermutstropfen gibt’s immer irgen­wie.

Im Tierheim ist immer was los

Aber der Account vom Tierheim Kranenburg ist anders als alles, was ich bis jetzt ver­wal­tet habe. Bei einem Tierheim-Account kom­men alle Faktoren zusam­men, die das Gesicht eines Community-Managers zum Strahlen brin­gen. Meine per­sön­li­che eier­le­gen­de Wollmilchsau. Bei den Inhalten muss ich meist nicht lan­ge über­le­gen. Im Tierheim ist eigent­lich immer was los und ich habe jetzt schon Geschichten und Fotos auf Lager, mit denen ich jetzt schon täg­lich einen Post bis Mitte 2017 vor­be­rei­ten könn­te. Emotional ist alles dabei: Rührende Geschichten, wit­zi­ge Geschichten, trau­ri­ge Geschichten, herz­er­wär­men­de Geschichten und immer ein süßes Hundegesicht. Das hat man sonst als Social Media-Manager ja nicht so. Sonst muss man auch viel und ange­strengt über­le­gen, wie man die rich­ti­ge Portion Emotionalität in den Inhalt bekommt und ihn infor­ma­tiv gestal­tet. Beim Tierheim: Ts, die Emotionalität wird schon gleich mit­ge­lie­fert.

Dann ist da noch das Involvement der Community (ja, ich weiß, biss­chen vie­le Anglizismen, aber so heißt das lei­der nun mal). Generelles Szenario, wenn ich etwas pos­te: Paar Likes, paar Kommentare, paar Reaktionen und ab und zu auch ne Diskussion. Ein Teil der Nutzer kauft oder infor­miert sich über Produkte. Ziel erreicht. My Job is Done. Beim Tierheim? Ich pos­te, die Likes flie­gen zu, die Reaktionen flie­gen zu, die Nutzer schmei­ßen einem selbst Content zu, der Facebook-Gold ist (wun­der­ba­re Storys von armen, armen Straßenhunden, die ein lie­be­vol­les Zuhause gefun­den haben und die klei­nen Racker beim Spielen, Schlafen und beim Spaziergang zei­gen), tei­len wie die Irren und locken somit neue Nutzer an, die schluss­end­lich die Seite liken und letzt­end­lich ein Tier adop­tie­ren (Coversionrate ist also auch phä­no­me­nal).

6.750 MAL geteilt, 450.000 erreichte Personen. Richtig krass.

Glaubt ihr nicht? Ich möch­te euch ein Fallbeispiel nen­nen (ein extre­mes, zuge­ge­ben – sonst ist das natür­lich nicht so krass). Anwohner hier am Grenzwald in Frasselt hat­ten schon seit Tagen einen her­ren­lo­sen Hund her­um­lau­fen sehen – wahr­schein­lich einen Border Collie oder einen Border Collie-Mix – und das Tierheim ver­stän­digt. Das Tierheim hat den Hund ein­ge­fan­gen und erst ein­mal im Tierheim unter­ge­bracht, bis der Besitzer sich fin­den und mel­den wür­de. Die Hoffnung war groß, dass der Besitzer gefun­den wer­den wür­de, da das Tier gechipt war. Leider konn­te man den Chip dann nicht aus­le­sen, da es sich um einen nie­der­län­di­schen Chip han­del­te und es Wochenende war.

Da dach­te ich mir: Ach komm, setzt du den armen Kerl mal auf Facebook und schreibst auf Deutsch und Niederländisch, ob jemand die­sen Hund ver­misst. Ich hat­te damit gerech­net, dass die Interaktionsrate schon hoch sein wür­de – aber was dann pas­siert ist, hab selbst ich nicht abse­hen kön­nen. Wir sind viral gegan­gen. Aber frag nicht nach Sonnenschein. Über 6.750 mal geteilt, mehr als 450.000 erreich­te Personen und pi mal Daumen 45.000 Interaktionen. Praktisch wuss­te also die gan­ze Grenzregion Bescheid, dass die­ser Hund gefun­den wur­de. Darüber hin­aus fan­den sich unglaub­lich enga­gier­te Niederländer, die die Chipnummern durch sämt­li­che Datenbanken gejagt haben. Tierschützer, Tierheimbesitzer, Tierärzte und ande­re Berufsgruppen, die Zugang zu den Datenbanken hat­ten. Selbst das nie­der­län­di­sche Konsulat hat beim Tierheim ange­ru­fen und gefragt, ob sie irgend­wie hel­fen kön­nen. Da hab ich tat­säch­lich selbst als abge­brüh­ter Community-Manager-Hund ein biss­chen Pipi in den Augen gehabt. Das war ein­fach über­wäl­ti­gend schön, wie sehr sich die Menschen enga­giert haben.

Nun ja, das Leben ist kein Ponyhof

Aber wie das Leben halt nun mal so ist – es ist kein Ponyhof. Es wäre natür­lich mein per­sön­li­cher Facebook-Oscar gewe­sen, hät­te sich das Herrchen oder Frauchen gefun­den. Am Besten noch von ziem­lich weit weg und sehr ver­zwei­felt auf der Suche nach sei­nem oder ihrem Hund. Zack, Hund hin­ge­bracht, Foto gemacht, alle wären glück­lich gewe­sen und es wäre DIE Facebook-Story des Jahres gewe­sen. Aber lei­der war dem nicht so. Herrchen oder Frauchen haben den Chip nicht regis­triert und es ist nicht ganz unwahr­schein­lich, dass das arme Tier ein­fach im Wald aus­ge­setzt wur­de. Das habe ich aller­dings dann lie­ber mal nicht geschrie­ben. Viel zu trau­rig.

Aber ja, ihr merkt, ich habe gro­ße Freude an dem Projekt und ich habe gro­ßen Respekt vor der Arbeit, die die Menschen im Tierheim jeden Tag voll­brin­gen. Ich selbst bin ja nur die, die Fotos macht und das in die­ses Online da bringt. Aber es erfüllt mich und ich bin jeden Tag froh, wenn ich als per­sön­li­ches Highlight mei­nes Arbeitstages eine klei­ne aber fei­ne Geschichte online set­ze, die vie­le Menschen irgend­wie, irgend­wo berührt. Denn manch­mal ist es ganz schön frus­trie­rend, laut mit meh­re­ren Accounts auf Facebook rum­zu­schrei­en und irgend­wie zu ver­su­chen, sich Gehör zu ver­schaf­fen und trotz­dem nur eine klit­ze­klei­ne Randnotiz im Alltag eines Menschen zu sein, die bald schon wie­der aus dem Kurzzeitgedächtnis ver­bannt wird. Da ist es ein­fach wun­der­bar, wenn man nur lei­se kurz eine Geschichte erzählt und trotz­dem einen blei­ben­den Eindruck zu hin­ter­las­sen.

Ich habe ein Problem. In mei­ner Timeline. Denn Facebook ist längst im Mainstream ange­kom­men und lang­sam stresst mich das wirk­lich, wie unre­flek­tiert eini­ge Personen mit dem Internet umge­hen.

Es gab mal eine Zeit, da war mein Facebook-Newsfeed ein freund­li­cher Platz in dem mei­ne Freunde Quatsch gepos­tet und mir put­zi­ge Videos von hüp­fen­den Pinguinen emp­foh­len haben. Politik war da noch kein Thema und Facebook war ein sor­gen­frei­er Raum, in den ich ger­ne tauch­te um abzu­schal­ten. Das ist jetzt vor­bei. Jetzt kommt mir zwar immer auch noch viel Schönes und Positives ent­ge­gen – aber auch genau so viel Schreckliches und Dinge, die ich gar nicht sehen woll­te.

Jeder kennt ein oder zwei Spezialisten, die immer was Fragwürdiges posten

Ich gehe davon aus, dass jeder von euch so zwei, drei Spezis in sei­ner Freundesliste hat, die einem mit gepos­te­ten und geteil­ten Inhalten in den poli­ti­schen und mora­li­schen Wahnsinn trei­ben. Ein brand­ak­tu­el­les Beispiel. Gerade mache ich Facebook auf und Folgendes kommt mir ent­ge­gen: Ein Video, in dem Hunde gequält wer­den (wir reden hier nicht von einer Happy End-Geschichte, in der die Hunde ein lie­be­vol­les Zuhause fin­den. Die Hunde sind am Ende tot). Dann folgt irgend­so ein Aufruf, dass ich eine Petition unter­schrei­ben soll, dass soge­nann­te “Nafris” schnel­ler abge­scho­ben wer­den sol­len (Ääääh… Nein, Danke). Und als Highlight hat sich dann noch einer mei­ner Facebookfreunde furcht­bar in einer Klever Gruppe dar­über auf­ge­regt, dass der Caspar bei den drei Sternsingern aus Political Correctness nicht mehr schwarz ange­malt wird (Ja lass die doch, die Farbe hat bei mir frü­her eh immer nur ne all­er­gi­sche Reaktion her­vor­ge­ru­fen).

Und ich denk nur so: Alle mal die Sabbel hal­ten, ich bin gekom­me­nen um ein Brot zu essen und dabei ein paar wit­zi­ge Dinge zu sehen. Stattdessen bekom­me ich aber schlech­te Nachrichten, Schockvideos und die Erkenntnis dar­über, wie pein­lich eini­ge Menschen aus mei­nem Bekanntenkreis sind, weil sie angeb­lich eine simp­le Antwort auf ein kom­ple­xes Problem gefun­den haben und die Lösung dann laut und unge­fragt im Internet rum­schrei­en. Das muss auf­hö­ren. Ich habe kei­nen Platz in mei­nem Leben für poli­tisch ver­wirr­te Quatschköppe mit man­geln­der Medienkompetenz oder ver­meint­li­che Aufklärungs-Messiasse (ist das der Plural von Messias? Geht das über­haupt? Sonst ver­such ich’s mal mit Messiasuten).

Die Supermarkt-Regel

Ich per­sön­lich ach­te pein­lich dar­auf, dass mei­ne Äußerungen in die­sem Online nicht zu poli­tisch wer­den, da für mich Facebook und gene­rell das Internet immer noch ein Raum für Spaß, Kreativität und gute Laune ist. Denn mei­ne poli­ti­sche Meinung ist etwas Privates und da ich nicht in der Politik aktiv bin, geht sie auch nie­man­den etwas an. Wahrscheinlich inter­es­siert es auch nie­man­den groß­ar­tig, wel­che poli­ti­sche Einstellung ich zu ver­schie­de­nen Themen habe.

Und das ist der Knackpunkt, den eini­ge nicht ver­stan­den haben. Wer digi­tal unter­wegs ist, ist nicht pri­vat unter­wegs. Zumindest nicht pri­vat pri­vat. Das soll bedeu­ten, dass sozia­le Medien eigent­lich dazu da sind, sich ober­fläch­lich mit ande­ren Menschen aus­zu­tau­schen. Also über Dinge, mit denen man auch mit sei­nen Bekannten an der Supermarktkasse quatscht: Ich arbei­te jetzt bei der und der Firma – schau mal hier, ein Bild von mei­ner Katze – ich hab letz­tens die­sen Film gese­hen, der war echt rich­tig gut. Das reicht. Wer eine durch­schnitt­li­che sozia­le Kompetenz auf­weist, wür­de an der Supermarktkasse einem prak­tisch Fremden nie­mals im zwei­ten Satz sei­ne Meinung über “Nafris” raus­bla­sen, Streit über die Gesichtsbemalung der Heiligen Drei Könige anfan­gen oder jeman­dem ein Video auf sei­nem Handy zei­gen, in dem Hunde gequält wer­den.

Weniger Platz für Politisch-Verwirrte und mehr Cat-Content

Ist da aber das Internet als Schutzschild vor, hau­en einem eini­ge Personen unge­fragt ihre Meinung um die Ohren. Die inter­es­siert mich aber nicht. Sorry. Erzählt das bit­te euren engen Freunden oder irgend­wel­chen Personen, die ihr regel­mä­ßig bei eurem Stammtisch trefft. Denn auch wenn ich mich nicht poli­tisch äuße­re, heißt das nicht, dass ich ein armer unwis­sen­der Bürger bin, der Aufklärung sucht. Im Gegenteil. Ich weiß ziem­lich viel und bin nicht son­der­lich auf den Kopf gefal­len – ich habe vie­le eurer beklopp­ten Argumente in drei Sätzen aus­ein­an­der genom­men (außer ihr seid Hardcore-Veganer – ihr seid mir meis­tens rhe­to­risch und mora­lisch über­le­gen).

Ich möch­te gera­de ein­fach nur kei­ne gequäl­ten Hunde sehen oder ver­que­re Meinungen lesen, wenn ich mein Brot esse. Ist das denn zu viel ver­langt? So Timeline-Spezis sind wie Bauarbeiter, die einer Frau hin­ter­her­pfei­fen. Da denkt die Frau ja auch nicht: “Was für ein tol­ler Typ!” und star­tet eine Affäre mit ihm. Nein, sie geht wei­ter, denkt sich “Vollpfosten…” und läs­tert danach mit ihren Freundinnen dar­über ab. Das ist nicht anders mit stark pola­ri­sie­ren­den Aussagen in sozia­len Netzwerken. Niemand wird sich der Meinung anschlie­ßen. Die meis­ten Nutzer scrol­len wei­ter, den­ken sich “Vollpfosten…” und läs­tern danach mit ihren Freunden dar­über ab. So ein­fach ist das.

Naja, ich hab mich gera­de eigent­lich nur mal ganz furcht­bar auf­re­gen müs­sen. Aber ab jetzt wird alles wie­der posi­tiv – ich hab mei­nen Facebookfeed auf­ge­räumt und jetzt drei Facebook-“Freunde” weni­ger. Sollte den drei Personen auf­fal­len, dass wir kei­ne “Freunde” mehr sind, erklä­re ich es ihnen ger­ne, wenn ich sie an der Supermarktkasse tref­fe. Mal sehen, ob die das auch von Angesicht zu Angesicht mit einer Person bespre­chen möch­ten, die sie kaum ken­nen 😉

Ich find das sel­ber doof, dass das so ein nega­ti­ver Post war. Also mach ich die Laune jetzt wie­der gut. Et Violá: Pinguine (soll­te jetzt jemand sagen, wie ich mich noch an Pinguinen erfreu­en kann, wenn gleich­zei­tig die Gletscher schmel­zen und mir ein Video über glo­ba­le Erderwärmung schi­cken, hau ich um mich!)

Style 5

 

Was war los die­se Woche? An die­ser Stelle möch­te ich euch ger­ne mei­ne Internetschätze prä­sen­tie­ren – denn: Es war viel los. Ich habe sehr viel den Kopf geschüt­telt und auch herz­lich gelacht. Enjoy.

Fail der Woche:

Dieses doch sehr offen­sicht­lich schlecht auto-über­­­set­z­­te Popup kam mir die­se Woche ent­ge­gen.

Benutzen die­se auto­ma­tisch Übersetzungen immer ist nicht so eine gute Idee. Ist aber für alle Fälle herr­li­ches Entertainment. Nachdem ich habe gele­sen die Überschrift, ich habe alle deut­schen Sätze ein­fach in eng­li­sche Grammatik umge­formt. Ich fand das lus­tig – meis­te ande­re Menschen nicht.

Quelle: smartbuyglasses.co.uk 

Politikum der Woche

Ich sags ja immer wie­der: Wer in der digi­ta­len Welt durch­star­ten will, muss immer so geklei­det sein, als wür­de es gleich noch schnell zum Späti gehen. In die­sem Fall hat der Typ von ResearchGate alles rich­tig gemacht: Erst noch schnell die Kanzlerin tref­fen und dann ab in den Feierabend an den See. Mir ist der sehr sym­pa­thisch – wobei ich mir sicher bin, dass nur Menschen aus unse­rer Branche das 100% nach­voll­zie­hen kön­nen.

Gedanken, die der wahr­schein­lich hat­te “Na, du willst doch was von mir und ich nicht von dir, oder? Ich komm ange­zo­gen, wie ich will!”

Ich find den cool.

Quelle: Twitter.com/RegSprecher

Meme der Woche

Einige von euch sind wahr­schein­lich nicht so tief im Internet drin wie ich, des­halb ist hier ein wenig Erklärungsbedarf. (Was ein Meme ist, erklä­re ich hier mal nicht. Für die Wenigen, die es nicht wis­sen und erfah­ren möch­ten: Hier) Das Internet ist ja unbe­re­chen­bar. Ich hän­ge viel auf 9GAG rum und da wer­den vie­le Memes über aktu­el­le gesell­schafts­po­li­ti­sche Themen (neben viel Quatsch) gepos­tet. Einige von denen sind manch­mal echt so nah an der Geschmacklosigkeit dran, dass man tief ein­at­met und es einem eher unan­ge­nehm ist, dass man dar­über gelacht hat.

Manchmal hat das Internet aber auch wahn­wit­zi­ge Trends und Vorlieben, die nicht so ganz nach­voll­zieh­bar sind. Das Internet ist neben dem Phänomen des Bronie-Trends und der Faszination für neue Namensfindungen für Beresect Conderhadge näm­lich auch ein gro­ßer Fan der Kinderserie Lazytown, ins­be­son­de­re des Schurkens, der von Stefan Karl gespielt wur­de. Der ist ges­tern nach einem lan­gen Kampf mit dem Krebs gestor­ben.

Ich muss nicht erwäh­nen, dass die­ses Meme die Internet-Woche ganz gut zusam­men­fasst, oder?

Respect to the number one.
Quelle: 9GAG

WTF der Woche

Speaking of Memes: Warum? Warum? Waaaruuuum? Gut, Otto hat nichts falsch gemacht. Die haben ein­fach den Darsteller von Hide The Pain Harold genom­men, dem wahr­schein­lich ne ziem­li­che Stange Geld gezahlt und einen Werbespot für die rele­van­te Zielgruppe gedreht. 

Hide The Pain Harold ist irgend­so ein ukrai­ni­sches Stockfoto-Model, das auf zahl­rei­chen, abge­dro­sche­nen Stockfotos zu sehen ist. Irgendwann wur­de er zum Meme und bekannt als Hide The Pain Harold, weil er immer so gequält lacht. Zuerst fand er es doof, dass ihn Leute auf der Straße die gan­ze Zeit ange­spro­chen haben. Jetzt, wo er Geld draus machen kann, scheint das doch nicht mehr so blöd zu sein. 

Ich hab mich trotz­dem ein wenig vor den Kopf gesto­ßen gefühlt, als ich den in hoch auf­ge­löst und mit gutem Script gese­hen habe. Hide The Pain Harold soll­te wei­ter schlech­te Witze in pixe­li­ger Qualität machen.

Andererseits… Ich gön­ne ihm den lukra­ti­ven Fame und höre jetzt mit die­sem “Vor-dem-Kommerz-war-alles-bes­­ser” auf. Ich lebe schließ­lich von die­sem Kommerz 😉

https://www.youtube.com/watch?v=wTTDwEJkoaE

Aha! der Woche

Ich hab Windings ja frü­her immer nur benutzt, um “heim­li­che” Nachrichten mit mei­ner dama­li­gen bes­ten Freundin aus­zu­tau­schen. Da war ich zwölf und dach­te, ich sei unglaub­lich cle­ver. Wozu Windings tat­säch­lich gut ist, war mir nie bewusst.

Vielleicht soll­te ich das noch­mal aus­pro­bie­ren. Ich schmeiß’ immer direkt Photoshop an – aber viel­leicht geht das auch ein­fa­cher.

https://www.youtube.com/watch?v=JdKV1L1DJHc

Rumspielerei der Woche

Ich war auf Facebook unter­wegs und bin ja schon ein gro­ßer Fan die­ser 3D-Rumspielereien. Eigentlich ste­he ich mit Van Gogh auf Kriegsfuß, weil ich im Kunstunterricht mal die­ses Blumenbild nach­ma­len muss­te und mit Ach und Krach gera­de mal ne 4- geschafft habe – aber mal zu sehen, wie Van Goghs Sternennacht zum Leben erweckt wird, ist sau­cool.

Quelle: facebook.com/iartGaleria

Produkt der Woche

Zuerst hab ich gedacht “Hahahahaha, was für Idioten!” dann habe ich mich aber selbst dabei ertappt, den Kauf die­ses Produkts in Erwägung zu zie­hen. Weiß zwar sel­ber noch nicht, was ich damit anfan­gen soll – aber irgend­wie wär’s geil. Personalisierte Hundesocken woll­te ich schon immer mal haben. Solltet ihr im Kreis der Menschen sein, die mir in regel­mä­ßi­gen Abständen was schen­ken müs­sen – eine klei­ne Inspiration.

Quelle: Supersocken.de

Video der Woche

Und hier noch­mal ein­fach was für die gute Laune. Ich per­sön­lich fand, dass es sehr gut inves­tier­te 3 Minuten mei­ner Zeit waren. Einfach zuhö­ren und wit­zig fin­den. Dödödödö död­ödö dödö. Dödödödö död­öd­öd­öd­ödö… Ach nee, das war Tetris. Oder genau­er gesagt: Johann Sebastian Bach

https://www.youtube.com/watch?v=FT0RSXGLPpw

GIF der Woche

Ich arbei­te ja unter ande­rem auch für die bezau­bern­den Ladies von der Curiosity Box und da ich dort die ein­zi­ge Deutsche bin, die dazu auch noch mit DSGVO-Fun Facts alle Marketingträume zunich­te macht, habe ich die­ses GIF die­se Woche sehr oft erhal­ten. Zurecht. Ich elen­der DSGVO-Spielverderber 😉

via GIPHY

Hach ja – ihr habt es sicher­lich schon mit­be­kom­men: Es war warm. Nicht nur so ein biss­chen warm, son­dern eher so warm, dass man stän­dig in sei­ner eige­nen Suppe geses­sen hat und sich ein­fach nicht bewe­gen woll­te. Dazu gehör­te ich selbst­ver­ständ­lich auch. Aber wisst ihr, wer auch dazu gehör­te? Meine Telefonanlage. Jap, das arme Ding ist auf dem Dachboden unse­res Gründerzeit-Hauses instal­liert wor­den und hat eine auto­ma­ti­sche Abschalt-Funktion, die unmit­tel­bar in Kraft tritt, sobald die Raumtemperatur etwa 50°C über­steigt. Ich war die ver­gan­ge­nen Wochen also vom Nachmittag an ohne Internet.

Das neue Spiel für Adrenalinjunkies: Wann ist das Internet weg?

Wann genau konn­te ich aller­dings nicht sagen. Deshalb hab ich ziem­li­che vie­le Runden „Schaff-ich-das-noch-bevor-sich-alles-ver­­a­b­­schie­­det-Bingo“ gespielt. Ist tat­säch­lich mit ein biss­chen Nervenkitzel ver­bun­den. Ich kam mir vor wie in einer die­ser Kochshows, in denen die Kandidaten unter immensem Zeitdruck eine drei­stö­cki­ge, fili­gran ver­zier­te Hochzeitstorte zusam­men­bas­teln müs­sen bevor die Uhr stoppt und sie sofort die Hände von der Torte weg­neh­men und auf einen roten Buzzer drü­cken müs­sen. So ging das in etwa bei mir auch, nur dass ich eher Facebookkampagnen auf­ge­setzt habe und eine Zeit lang auch nicht wirk­lich ein­schät­zen konn­te, wann die Uhr stop­pen wür­de.

Doch ich bin ja schlau und habe mich des­halb kur­zer­hand zu einer Art Amateur-Meteorologin ent­wi­ckelt, die anhand von Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit in etwa abschät­zen kann, wann Schicht im Schacht ist. Gut, dass man Wikipediaartikel näm­lich auch run­ter­la­den kann.

Kein Internet: Langweilig. Voll langweilig.

Hatte ja auch genug Zeit, mich mit Meteorologie zu beschäf­ti­gen, war ja schließ­lich nichts ande­res zu tun. Denn mir war lang­wei­lig. Mein Gott, war mir lang­wei­lig. Mein Fernseher funk­tio­nier­te auch nicht ohne Internet, mein Datenvolumen war bis ans Maximum aus­ge­reizt und mein iPad hat­te kei­nen Speicherplatz mehr, weil ich da tat­säch­lich Sachen für die Arbeit drauf habe, die ich brau­che.

In die­ser Zeit ist mir dann schmerz­lich bewusst gewor­den, dass ich zu viel vor Bildschirmen hän­ge: Wenn ich nicht vor dem Computer arbei­te, fri­ckel ich irgend­was auf mei­nem Handy rum, schaue Netflix auf mei­nem iPad oder lass mich vom Vorabendprogramm auf dem Fernseher berie­seln. Die ein­zi­ge Zeit, die ich nicht vor einem Bildschirm ver­brin­ge, gehe ich ent­we­der mit dem Hund oder bin ver­hin­dert, weil ich gera­de schla­fe.

Was macht man nochmal in diesem Offline?

Sich des­sen bewusst zu wer­den, ist schon ganz schön krass. Klar, digi­tal unter­wegs zu sein ist mei­ne Passion, mein Beruf und ein gro­ßer Teil mei­nes Lebens – aber ich muss doch auch mal was off­line machen! Nur was macht man noch­mal so in die­sem Offline? Ehrlich gesagt war ich zunächst ein wenig rat­los.

Früher habe ich immer gele­sen. Meine Mutter war näm­lich der Meinung, dass Fernseher und Handys dumm machen und des­halb war ich ziem­lich oft auf mich allei­ne gestellt in Sachen Entertainment. Also habe ich immer mei­ne Bücherei-Karte aus­ge­reizt und ein­fach mal so fast jedes Buch in unse­rer klei­nen Dorfbücherei gele­sen. Denn ich hat­te nicht den Luxus eines Kindle-Abos und muss­te ein­fach das lesen, was da war. Das führ­te dann auch dazu, dass ich mich durch Michel Houllebecq gequält und wahr­schein­lich jeden seich­ten Frauenroman ver­schlun­gen habe, der in den Jahren 2002 bis 2008 ver­öf­fent­licht wur­de. 2008 war dann Schluss, dann habe ich Abi gemacht und hat­te von da an einen Fernseher und einen Computer. Da ging es schon ein biss­chen berg­ab.

Richtig berg­ab ging es dann aber mit dem Smartphone. Seitdem ich das Teil habe, nut­ze ich es auch. Ich orga­ni­sie­re mein Leben mit Apps, scrol­le immer mal wie­der durch die Branchennews und habe schon viel zu viel Zeit damit ver­bracht, sinn­lo­se Videos auf YouTube zu schau­en – und wo wir gera­de schon­mal so ehr­lich sind: Ich bin nicht stolz drauf, aber bei Candy Crush Soda Saga befin­de ich mich gera­de in Level 1153. Ja, das hat so vie­le Level und noch viel mehr. Nein, da bin ich echt nicht stolz drauf.

Naja, gut. Ein biss­chen.

Fragen über Fragen, deren Antworten nur online zu finden sind…

Nun ja, da ich mei­nen Feierabend also ohne Internet und Fernsehen ver­brach­te, muss­te ich umdis­po­nie­ren: Gut. Lesen wir doch mal was. Wir mögen lesen.

Hier ist doch das Buch von Obama, das ich schon so lan­ge mal lesen woll­te: Dreams from my Father. (Warum woll­te ich das lesen? Ich hab Obama bei Letterman auf Netflix gese­hen und noch wäh­rend ich geschaut habe bei Amazon auf “Bestellen” geklickt…). Zwei Seiten gele­sen. “Mhm, mhm, mhm inter­es­sant” – “Hab ich eigent­lich die Smartphone-Gebote in der einen AdWords-Kampagne ange­passt?” – “Wann war noch­mal das Frank Turner Konzert?” -“Waren das jetzt Elefanten, die nicht sprin­gen kön­nen oder Giraffen? Oder bei­de?”

Leider konn­te ich mich also nicht auf das Buch kon­zen­trie­ren, weil mir stän­dig Fragen in den Sinn gekom­men sind, deren Antwort ich nur online gefun­den hät­te.

Nach einer Woche oder so wur­de es dann aber bes­ser und ich habe es tat­säch­lich geschafft, Dreams from my Father zu been­den (Naja, zu 2/3 – beim letz­ten Drittel hab ich gechea­ted und die Hörbuch-Version bei Audible gehört, wäh­rend ich mit dem Hund gegan­gen bin. Aber ey – Obama liest es per­sön­lich mit sei­ner samt­wei­chen Soul-Stimme vor)

Zwei Wochen offline und schon werd ich zu Martha Stewart-Picasso

Irgendwie war das schon ein ziem­lich gutes Gefühl, sei­ne Zeit irgend­wie auch mal sinn­voll zu gestal­ten nach Feierabend. Denn ich habe nicht nur gele­sen, ich habe auch mein Malen nach Zahlen end­lich mal fast fer­tig (ist mir egal, dass ihr das total uncool fin­det, in der Instagram-Werbung sah das viel­ver­spre­chend und hip aus) und ich habe eine nicht zu ver­ach­ten­de Zahl an gesun­den Snacks selbst her­ge­stellt und mich wie Martha Stewart gefühlt. Von die­sen Snacks schme­cken zwar nur etwa 50% ganz okay . Bisschen Schwund ist halt immer.

Heute ist ja der ver­meint­lich letz­te Tag der Hitzewelle und ich muss ja sagen, dass mir der digi­ta­le Detox auch mal ganz gut­ge­tan hat. Aber reicht jetzt auch. Ich wer­de bestimmt nie­mals zu den Menschen gehö­ren, die sagen „Also ich hab ja kei­nen Fernseher“ (Was ist eigent­lich das heu­ti­ge Äquivalent dazu? – „Ich leb ja im Wald ohne Empfang?“) – dafür lie­be ich mein Internet zu doll. Aber ich fin­de es nicht schlecht, mal wie­der Momente der Entschleunigung zu erfah­ren und aktiv Dinge zu gestal­ten.

Fazit: Offline geht schon wieder ganz gut, muss aber nicht immer sein.

Trotzdem kann ich es nicht abwar­ten, die Netflix-Mashup Folge von Queer Eye und Nailed It auf Netflix zu inha­lie­ren, Level 1154 bei Candy Crush zu rocken und end­lich, end­lich wie­der mal nen Wasserrutschen-Test bei Galileo zu sehen (Viele den­ken, ich mache Witze. Aber: Über Galileo macht man kei­ne Witze. Ich lie­be Galileo. Also geh weg und lass mich.)

Dass ich das mache, erwäh­ne ich in zukünf­ti­gen Gesprächen natür­lich nicht. Ich wer­de mei­nem Gegenüber aus­schließ­lich gehö­rig damit auf die Nüsse gehen, in jedem drit­ten Satz mei­nen (natür­lich total frei­wil­li­gen) Digitalen Detox zu erwäh­nen und die befrei­en­de Reise, die ich dabei erlebt habe.

Ihr ent­schul­digt mich, ich habe Candy zu Crushen.

Als ich NEON das ers­te Mal sah, war ich hin und weg. Ich war zar­te 17 Jahre alt und traf NEON in einer Zeit, in der das Leben gera­de erst rich­tig anfing und ich auf der Suche nach einem Kompass war, der mich durch die­se auf­re­gen­de, aber auch ang­st­ein­flö­ßen­de Zeit navi­gier­te. Da war NEON nun. Lag läs­sig im Zeitschriftenregal und schau­te mich mit sei­nem auf­fäl­li­gen NEON-Design an. Und dann mach­te es “BOOM!”, wie das nur bei Jugendlichen geschieht.

Ich nahm NEON ohne zu zögern mit zu mir nach Hause und wir rede­ten und rede­ten, Stunde um Stunde. NEON erzähl­te mir von der gro­ßen wei­ten Welt. Wie es im Osten von China ist, wer die ange­sag­tes­ten neu­en Indie-Bands sind, wie er Bosse getrof­fen hat und ihm Fragen zur EU stell­te. In mei­nen Teenager-Augen war NEON der Größte und ich war ziem­lich ver­knallt in ihn. Jeden Monat hat­te NEON so viel zu berich­ten und zeig­te mir die gan­ze Welt.

Immer an meiner Seite – eine Schöne Zeit.

So ging das ein paar Jahre und NEON wur­de zu einem treu­en Begleiter. Er erzähl­te mir alles und inspi­rier­te mich, immer wie­der neu­es aus­zu­pro­bie­ren und an mich zu glau­ben. Die Jahre mit NEON waren unbe­schwert und vol­ler span­nen­der Lebensabschnitte. England hier, Hamburg da, dann mal in Schweden und ger­ne auch noch­mal nach Köln. Es war eine schö­ne Zeit und NEON war immer an mei­ner Seite und beglei­te­te mich.

Die Liebesgeschichte von NEON und mir zer­brach – wie so vie­le jun­ge Lieben – schlei­chend und still. Wir hat­ten uns ver­än­dert. Auseinandergelebt. Während ich mei­ner Arbeit nach­ging und mich über Versicherungen ärger­te, hielt NEON immer noch an Backpackingtrips für Bratislava fest. Irgendwann wur­de mir klar, dass das so nicht wei­ter­ge­hen konn­te. Ich tat also das, was jeder tun muss, der eine gelieb­te Person hin­ter sich las­sen muss, um wei­ter­zu­kom­men: Ich habe die Beziehung zu NEON been­det. In einem pro­fes­sio­nell distan­zier­ten, aber trotz­dem ein­fühl­sa­men Brief erklär­te ich NEON, dass es so nicht wei­ter­geht und ich mein Abonnement hier­mit zum nächst­mög­li­chen Zeitpunkt kün­di­gen möch­te. Das hat NEON sehr ver­letzt. Anrufe folg­ten, in denen NEON bet­tel­te, mich zurück­zu­neh­men. Wieso wol­le ich es nicht noch­mal ver­su­chen? Würde eine Dreiecksbeziehung mit der NIDO viel­leicht alles ret­ten? Heutzutage bezie­hen vie­le Leute Kombiabos. Aber egal, wie sehr NEON auch bet­tel­te – es war aus und vor­bei. Ich muss­te wei­ter­zie­hen.

Heftige Äffaren und kurzfristige Liasons – doch keine ist wie du

Es folg­ten ande­re Zeitschriften, doch nie wie­der konn­te ich mich mit vol­lem Herzen an eine Zeitschrift bin­den. Nach den Jahren des Gefangenseins woll­te ich mei­ne Freiheit spü­ren. Wollte ein­fach in den Kiosk gehen und mir neh­men, was ich brauch­te. Es folg­te eine kur­ze, aber hef­ti­ge Affäre mit Business Punk und eine eher halb­her­zi­ge Liaison mit stern Crime. Die ande­ren Zeitschriften waren okay für den Augenblick, aber nie wie­der schaff­te es eine Zeitschrift, mich so zu berüh­ren wie NEON.

Von Zeit zu Zeit sah ich mir alte Erinnerungen an, bei denen ich es nicht an mich brin­gen konn­te, sie zu ent­sor­gen – wie etwa die Ausgehtipps für Oxford oder die Rezepte von Migranten – und dach­te an NEON. Manchmal sah ich NEON auch aus der Ferne und es schien ihm gut zu gehen. Das Cover leuch­tend wie eh und je und die Überschriften gleich­zei­tig prä­gnant und raf­fi­niert. Dabei rea­li­sier­te ich anschei­nend nicht, dass es NEON seit mei­nem Weggang immer schlech­ter ging. Die Leserschaft wur­de klei­ner und klei­ner und damit auch das Selbstbewusstsein. Der Umzug von München nach Hamburg ließ NEON inner­lich zer­rei­ßen und die Leser nach mir waren nicht so treu wie ich – stän­dig ver­lie­ßen sie NEON und ban­del­ten mit VICE.de und ande­ren digi­ta­len Plattformen an. Doch all das sah ich nicht, weil ich mit mei­nem eige­nen Leben beschäf­tigt war.

Ein Wiedersehen.

Bis zum heu­ti­gen Tag, da traf ich NEON wie­der. Ich hör­te von HORIZONT, wie es NEON in den letz­ten Monaten ergan­gen war. Dass er an einem Tiefpunkt ange­langt war, sich aber jetzt wie­der auf­rap­pelt und einen Neustart wagt. Das hat mich inner­lich sehr berührt. Zuerst, weil ich nicht gese­hen habe, wie schlecht es NEON ging und außer­dem, weil ich ihm in die­ser Zeit bei­ste­hen woll­te. Ich sam­mel­te NEON in einem Kiosk ein und wir setz­ten uns in ein Café, wo wir lan­ge spra­chen. Ich freu­te mich, NEON wie­der­zu­se­hen und bei­na­he war es wie frü­her: Die Geschichten über Dreiecksbeziehungen der Studenten-Freunde, das Beschweren über die Eltern und den läs­ti­gen Nebenjob und die Aufklärung über den Atomausstieg. Es hat­te sich eini­ges ver­än­dert, aber vie­les war doch gleich­ge­blie­ben und ver­traut.

Doch eines ist mir klar. NEON muss sei­nen Weg nun allei­ne gehen, es gibt kei­ne Chance auf ein Happy End. Wir haben uns zu sehr aus­ein­an­der­ge­lebt. Denn ich höre mir gele­gent­lich noch ger­ne NEONs Geschichten über Backpacker und ner­ven­de Mitbewohner an, aber ich kann sie nicht mehr rich­tig füh­len.

Mein Leben ist jetzt anders. Ich hof­fe, NEON ver­steht das.

Lebe wohl, mei­ne ers­te gro­ße Zeitschriften-Liebe.

Mögest du eine Generation von Lesern fin­den, die dich genau­so liebt, wie ich es tat.

Ich ges­tern so: Seufz. Kurz vom Bildschirm weg­ge­se­hen, dann wie­der hin­ge­se­hen. Nein, es ist immer noch da. Nochmal weg­ge­se­hen. Nochmal hin­ge­se­hen. Mist. Immer noch da. Ich hat­te das also nicht geträumt und das war wirk­lich pas­siert. Einer der größ­ten und mäch­tigs­ten Konzerne der Welt hat sich mit einer Online-Kampagne in die Nesseln gesetzt. Aaaaaah. So geht das doch nicht. So. Geht. Das. Nicht.

Echt. Nicht.

Auch große Konzerne haben das Netz nicht immer verstanden.

Liebes McDonald’s‑Team – ihr habt doch Geld. Astronomisch viel Geld. Wieso macht ihr dann so einen Quatsch? McDonald’s hat es ges­tern wie­der geschafft, zu sehr an die Menschheit zu glau­ben und zu ver­ges­sen, dass das Internet in den meis­ten Fällen durch und durch böse ist.

Was ist also genau pas­siert? McDonald’s Neuseeland mein­te es gut mit den Kunden und des­we­gen gab McDonald’s ihnen die Möglichkeit, Burger selbst zu kre­ieren. So weit, so gut. Ist ja eigent­lich eine sehr net­te Idee und wahr­schein­lich hat der Pommes-Konzern einer über­kan­di­del­ten Marketingagentur ziem­lich vie­le Dollar in den Hintern gebla­sen, weil die das ja anschei­nend kön­nen. Sonst wür­den die nicht so viel Geld ver­lan­gen.

Tja. Wer auch immer die Agentur dahin­ter ist, scheint das Internet nicht ver­stan­den zu haben. Denn die Burger konn­ten kre­iert wer­den, ohne vor­her eine Freigabeprozedur durch­lau­fen zu müs­sen. Und das war der Fehler. Ähm Tschuldigung – hat denn hier nie­mand gelernt, was pas­siert, wenn man das Internet auf sowas los lässt?

TayTweets, der intel­li­gen­te Chat-Bot von Microsoft, der am Ende nur eines Tages von einer freund­li­chen jun­gen Dame von den Usern durch unan­ge­brach­te Kommentare zu einer ras­­sis­­tisch-sexis­­ti­­schen ollen Hexe ver­wan­delt wur­de? Boaty McBoatface, das bri­ti­sche Forschungsschiff, das doch nicht so hei­ßen darf, weil die Organisatoren Spaßbremsen sind und sich vor­her nicht den­ken konn­ten, dass so ein Name dabei raus­kommt, wenn es kei­ne Freigabeprozedur gibt?

Tote Kinder, Vergewaltigungen und eine Prise Islamfeindlichkeit

Eine ähn­li­che Konsequenz gab es auch für McDonald‘s: Die Startseite explo­dier­te vor lau­ter Burger der Unmöglichkeit. Erst erschie­nen da noch grenz­wer­tig wit­zi­ge Burger wie „Rektal Prolapse“ – ein Burger mit sehr viel Weichkäse, der am nächs­ten Morgen wahr­schein­lich nicht so viel Spaß macht und „The Sad European“ – ein Burger, der aus zwei Buns und einer Scheibe Käse besteht. Aber dann tauch­ten mehr und mehr Burger auf, die geschmack­los und defi­ni­tiv nicht für die öffent­li­che Zurschaustellung geeig­net sind. „Toddler Body Bag“, „The Aryan“ und „Pound my Back, Daddy“ gehen bei­spiels­wei­se über alle Geschmackgrenzen hin­aus und beherrsch­ten schon bald die Startseite der Kampagnenseite, sodass die Startseite bald aus einem Best Of “Dinge, die man bes­ser nicht sagt” bestand. Gerne wür­de ich euch ja an dem Spaß teil­ha­ben las­sen, aber lei­der muss­te McDonald’s die Seite aus dem Netz neh­men.

Das zeigt also wie­der, dass sol­che Kampagnen immer Prüfprozesse haben soll­ten. Ja, das ist mehr Aufwand und ja, das erhöht die Kosten – aber es ist immer noch bes­ser, als die Kampagne – so wie McDonald’s Neuseeland – nach einem Tag abbre­chen zu müs­sen. Nochmal so zum Mitschreiben: Das Internet ist böse und das soll­te zu jeder Zeit beach­tet wer­den. Wenn die­ser Aspekt beach­tet wird, dann klappt’s auch mit den Online-Kampagnen. Gerne sonst vor der nächs­ten Kampagne mich noch­mal fra­gen und ich schi­cke kom­men­tar­los die Kritiken die­ser Kampagne zurück.

Heute schrei­be ich mei­nen ers­ten Blog-Artikel seit lan­gem. Warum? Ich hat­te unglaub­lich viel Arbeit. Die letz­ten Wochen und Monate wuss­te ich ein­fach nicht, wo mir der Kopf steht. Aufträge über Aufträge. Immer, wenn ich gedacht habe, dass ich jetzt end­lich ein wenig zur Ruhe kom­men kann, kam der nächs­te Auftrag rein. Das ist natür­lich schön für mich, ande­rer­seits habe ich es auch ver­misst, end­lich mal wie­der etwas für mich zu schrei­ben – und über Themen, die mich inter­es­sie­ren und mir am Herzen lie­gen.

Aber jetzt ist es soweit. Diese Woche habe ich ein biss­chen Luft und kann mich wie­der auf die wesent­li­chen Dinge kon­zen­trie­ren, bevor die November-Projekte los­ge­hen. Denn in der Zwischenzeit sind wun­der­vol­le Dinge pas­siert und eines davon möch­te ich euch ger­ne erzäh­len: Ich habe jetzt einen Hund. Den habe ich aus dem Tierheim geholt. Und durch Zufall ein Herzensprojekt gefun­den.

So könn­te man es ganz kurz gefasst sagen. Denn ich bin jetzt in Charge über den Facebook-Account Tierheim Kranenburg e.V. – und es ist das Beste, was mir in mei­ner beruf­li­chen Laufbahn pas­siert ist. (Achtung, der nach­fol­gen­de Satz ent­hält nerv­tö­tend vie­le Anglizismen und Fachwörter) Natürlich ver­die­ne ich kein Geld damit, aber es ist schön, einen Social Media-Account zu ver­wal­ten, auf dem das Involvement unglaub­lich hoch und auch der Zusammenhalt der Community so unglaub­lich groß ist. Das lässt ein­fach das Herz eines jeden Community-Managers auf­ge­hen.

Das ist Dobby, der Zuwachs in unse­rer klei­nen Familie. Sie hat prak­tisch kei­ne Unterwolle und weil sie nur spa­ni­sches Klima gewohnt ist, muss sie den ers­ten Herbst und Winter wohl mit die­ser Situation rum­lau­fen. Findet sie nur so mit­tel.

Social Media – Irgendwas ist immer

Wieso? Erstens bin ich ja mitt­ler­wei­le ver­wal­ten­de Kraft hin­ter einer nicht zu ver­ach­ten­den Anzahl an Social-Media-Accounts aus den ver­schie­dens­ten Bereichen. Hier ist ja inter­es­sant, dass jeder Bereich ganz ande­res funk­tio­niert. Einige haben Unmengen an Followern, die aller­dings über­haupt nicht mit den Inhalten inter­agie­ren, indem sie weder liken noch kom­men­tie­ren – dafür aber kon­su­mie­ren wie die Blöden. Also auf die ent­spre­chen­den Links kli­cken und den Artikel lesen oder sich über das Produkt infor­mie­ren. Dann gibt es aber auch Accounts, die nur eine sehr gerin­ge Anzahl an Followern haben, die­se weni­gen Follower aber eine Interaktionsrate haben, von denen die meis­ten Unternehmen nur träu­men. Allerdings pas­siert es bei die­sen Accounts auch oft genug, dass zwar inter­agiert wird, als gäbe es kein Morgen mehr – aber nie­mand die Inhalte anklickt, weil die Produkte oder Dienstleistungen dann doch nicht sooooo inter­es­sant sind.

Ja und dann gibt es natür­lich auch noch die Accounts, die eine gerin­ge Anzahl an Followern haben, mit denen kei­ner inter­agiert und deren Inhalte auch kei­ner anklickt, weil die Inhalte pups­lang­wei­lig sind (aber die sind nicht in mei­ner Verwaltung. Dann wäre ich ein schlech­ter Social-Media- und Community-Manager). Bis jetzt konn­te ich also sagen: Bei Social-Media-Accounts gibt es kei­ne eier­le­gen­de Wollmilchsau, bei der die Followermenge groß, die Interkationsrate himm­lisch und die Conversionrate

(also Leute, die das Proukt oder die Dienstleistung auf­grund des Posts letzt­end­lich gekauft haben) ein Traum ist. Irgendeinen Wermutstropfen gibt’s immer irgen­wie.

Im Tierheim ist immer was los

Aber der Account vom Tierheim Kranenburg ist anders als alles, was ich bis jetzt ver­wal­tet habe. Bei einem Tierheim-Account kom­men alle Faktoren zusam­men, die das Gesicht eines Community-Managers zum Strahlen brin­gen. Meine per­sön­li­che eier­le­gen­de Wollmilchsau. Bei den Inhalten muss ich meist nicht lan­ge über­le­gen. Im Tierheim ist eigent­lich immer was los und ich habe jetzt schon Geschichten und Fotos auf Lager, mit denen ich jetzt schon täg­lich einen Post bis Mitte 2017 vor­be­rei­ten könn­te. Emotional ist alles dabei: Rührende Geschichten, wit­zi­ge Geschichten, trau­ri­ge Geschichten, herz­er­wär­men­de Geschichten und immer ein süßes Hundegesicht. Das hat man sonst als Social Media-Manager ja nicht so. Sonst muss man auch viel und ange­strengt über­le­gen, wie man die rich­ti­ge Portion Emotionalität in den Inhalt bekommt und ihn infor­ma­tiv gestal­tet. Beim Tierheim: Ts, die Emotionalität wird schon gleich mit­ge­lie­fert.

Dann ist da noch das Involvement der Community (ja, ich weiß, biss­chen vie­le Anglizismen, aber so heißt das lei­der nun mal). Generelles Szenario, wenn ich etwas pos­te: Paar Likes, paar Kommentare, paar Reaktionen und ab und zu auch ne Diskussion. Ein Teil der Nutzer kauft oder infor­miert sich über Produkte. Ziel erreicht. My Job is Done. Beim Tierheim? Ich pos­te, die Likes flie­gen zu, die Reaktionen flie­gen zu, die Nutzer schmei­ßen einem selbst Content zu, der Facebook-Gold ist (wun­der­ba­re Storys von armen, armen Straßenhunden, die ein lie­be­vol­les Zuhause gefun­den haben und die klei­nen Racker beim Spielen, Schlafen und beim Spaziergang zei­gen), tei­len wie die Irren und locken somit neue Nutzer an, die schluss­end­lich die Seite liken und letzt­end­lich ein Tier adop­tie­ren (Coversionrate ist also auch phä­no­me­nal).

6.750 MAL geteilt, 450.000 erreichte Personen. Richtig krass.

Glaubt ihr nicht? Ich möch­te euch ein Fallbeispiel nen­nen (ein extre­mes, zuge­ge­ben – sonst ist das natür­lich nicht so krass). Anwohner hier am Grenzwald in Frasselt hat­ten schon seit Tagen einen her­ren­lo­sen Hund her­um­lau­fen sehen – wahr­schein­lich einen Border Collie oder einen Border Collie-Mix – und das Tierheim ver­stän­digt. Das Tierheim hat den Hund ein­ge­fan­gen und erst ein­mal im Tierheim unter­ge­bracht, bis der Besitzer sich fin­den und mel­den wür­de. Die Hoffnung war groß, dass der Besitzer gefun­den wer­den wür­de, da das Tier gechipt war. Leider konn­te man den Chip dann nicht aus­le­sen, da es sich um einen nie­der­län­di­schen Chip han­del­te und es Wochenende war.

Da dach­te ich mir: Ach komm, setzt du den armen Kerl mal auf Facebook und schreibst auf Deutsch und Niederländisch, ob jemand die­sen Hund ver­misst. Ich hat­te damit gerech­net, dass die Interaktionsrate schon hoch sein wür­de – aber was dann pas­siert ist, hab selbst ich nicht abse­hen kön­nen. Wir sind viral gegan­gen. Aber frag nicht nach Sonnenschein. Über 6.750 mal geteilt, mehr als 450.000 erreich­te Personen und pi mal Daumen 45.000 Interaktionen. Praktisch wuss­te also die gan­ze Grenzregion Bescheid, dass die­ser Hund gefun­den wur­de. Darüber hin­aus fan­den sich unglaub­lich enga­gier­te Niederländer, die die Chipnummern durch sämt­li­che Datenbanken gejagt haben. Tierschützer, Tierheimbesitzer, Tierärzte und ande­re Berufsgruppen, die Zugang zu den Datenbanken hat­ten. Selbst das nie­der­län­di­sche Konsulat hat beim Tierheim ange­ru­fen und gefragt, ob sie irgend­wie hel­fen kön­nen. Da hab ich tat­säch­lich selbst als abge­brüh­ter Community-Manager-Hund ein biss­chen Pipi in den Augen gehabt. Das war ein­fach über­wäl­ti­gend schön, wie sehr sich die Menschen enga­giert haben.

Nun ja, das Leben ist kein Ponyhof

Aber wie das Leben halt nun mal so ist – es ist kein Ponyhof. Es wäre natür­lich mein per­sön­li­cher Facebook-Oscar gewe­sen, hät­te sich das Herrchen oder Frauchen gefun­den. Am Besten noch von ziem­lich weit weg und sehr ver­zwei­felt auf der Suche nach sei­nem oder ihrem Hund. Zack, Hund hin­ge­bracht, Foto gemacht, alle wären glück­lich gewe­sen und es wäre DIE Facebook-Story des Jahres gewe­sen. Aber lei­der war dem nicht so. Herrchen oder Frauchen haben den Chip nicht regis­triert und es ist nicht ganz unwahr­schein­lich, dass das arme Tier ein­fach im Wald aus­ge­setzt wur­de. Das habe ich aller­dings dann lie­ber mal nicht geschrie­ben. Viel zu trau­rig.

Aber ja, ihr merkt, ich habe gro­ße Freude an dem Projekt und ich habe gro­ßen Respekt vor der Arbeit, die die Menschen im Tierheim jeden Tag voll­brin­gen. Ich selbst bin ja nur die, die Fotos macht und das in die­ses Online da bringt. Aber es erfüllt mich und ich bin jeden Tag froh, wenn ich als per­sön­li­ches Highlight mei­nes Arbeitstages eine klei­ne aber fei­ne Geschichte online set­ze, die vie­le Menschen irgend­wie, irgend­wo berührt. Denn manch­mal ist es ganz schön frus­trie­rend, laut mit meh­re­ren Accounts auf Facebook rum­zu­schrei­en und irgend­wie zu ver­su­chen, sich Gehör zu ver­schaf­fen und trotz­dem nur eine klit­ze­klei­ne Randnotiz im Alltag eines Menschen zu sein, die bald schon wie­der aus dem Kurzzeitgedächtnis ver­bannt wird. Da ist es ein­fach wun­der­bar, wenn man nur lei­se kurz eine Geschichte erzählt und trotz­dem einen blei­ben­den Eindruck zu hin­ter­las­sen.

Ich habe ein Problem. In mei­ner Timeline. Denn Facebook ist längst im Mainstream ange­kom­men und lang­sam stresst mich das wirk­lich, wie unre­flek­tiert eini­ge Personen mit dem Internet umge­hen.

Es gab mal eine Zeit, da war mein Facebook-Newsfeed ein freund­li­cher Platz in dem mei­ne Freunde Quatsch gepos­tet und mir put­zi­ge Videos von hüp­fen­den Pinguinen emp­foh­len haben. Politik war da noch kein Thema und Facebook war ein sor­gen­frei­er Raum, in den ich ger­ne tauch­te um abzu­schal­ten. Das ist jetzt vor­bei. Jetzt kommt mir zwar immer auch noch viel Schönes und Positives ent­ge­gen – aber auch genau so viel Schreckliches und Dinge, die ich gar nicht sehen woll­te.

Jeder kennt ein oder zwei Spezialisten, die immer was Fragwürdiges posten

Ich gehe davon aus, dass jeder von euch so zwei, drei Spezis in sei­ner Freundesliste hat, die einem mit gepos­te­ten und geteil­ten Inhalten in den poli­ti­schen und mora­li­schen Wahnsinn trei­ben. Ein brand­ak­tu­el­les Beispiel. Gerade mache ich Facebook auf und Folgendes kommt mir ent­ge­gen: Ein Video, in dem Hunde gequält wer­den (wir reden hier nicht von einer Happy End-Geschichte, in der die Hunde ein lie­be­vol­les Zuhause fin­den. Die Hunde sind am Ende tot). Dann folgt irgend­so ein Aufruf, dass ich eine Petition unter­schrei­ben soll, dass soge­nann­te “Nafris” schnel­ler abge­scho­ben wer­den sol­len (Ääääh… Nein, Danke). Und als Highlight hat sich dann noch einer mei­ner Facebookfreunde furcht­bar in einer Klever Gruppe dar­über auf­ge­regt, dass der Caspar bei den drei Sternsingern aus Political Correctness nicht mehr schwarz ange­malt wird (Ja lass die doch, die Farbe hat bei mir frü­her eh immer nur ne all­er­gi­sche Reaktion her­vor­ge­ru­fen).

Und ich denk nur so: Alle mal die Sabbel hal­ten, ich bin gekom­me­nen um ein Brot zu essen und dabei ein paar wit­zi­ge Dinge zu sehen. Stattdessen bekom­me ich aber schlech­te Nachrichten, Schockvideos und die Erkenntnis dar­über, wie pein­lich eini­ge Menschen aus mei­nem Bekanntenkreis sind, weil sie angeb­lich eine simp­le Antwort auf ein kom­ple­xes Problem gefun­den haben und die Lösung dann laut und unge­fragt im Internet rum­schrei­en. Das muss auf­hö­ren. Ich habe kei­nen Platz in mei­nem Leben für poli­tisch ver­wirr­te Quatschköppe mit man­geln­der Medienkompetenz oder ver­meint­li­che Aufklärungs-Messiasse (ist das der Plural von Messias? Geht das über­haupt? Sonst ver­such ich’s mal mit Messiasuten).

Die Supermarkt-Regel

Ich per­sön­lich ach­te pein­lich dar­auf, dass mei­ne Äußerungen in die­sem Online nicht zu poli­tisch wer­den, da für mich Facebook und gene­rell das Internet immer noch ein Raum für Spaß, Kreativität und gute Laune ist. Denn mei­ne poli­ti­sche Meinung ist etwas Privates und da ich nicht in der Politik aktiv bin, geht sie auch nie­man­den etwas an. Wahrscheinlich inter­es­siert es auch nie­man­den groß­ar­tig, wel­che poli­ti­sche Einstellung ich zu ver­schie­de­nen Themen habe.

Und das ist der Knackpunkt, den eini­ge nicht ver­stan­den haben. Wer digi­tal unter­wegs ist, ist nicht pri­vat unter­wegs. Zumindest nicht pri­vat pri­vat. Das soll bedeu­ten, dass sozia­le Medien eigent­lich dazu da sind, sich ober­fläch­lich mit ande­ren Menschen aus­zu­tau­schen. Also über Dinge, mit denen man auch mit sei­nen Bekannten an der Supermarktkasse quatscht: Ich arbei­te jetzt bei der und der Firma – schau mal hier, ein Bild von mei­ner Katze – ich hab letz­tens die­sen Film gese­hen, der war echt rich­tig gut. Das reicht. Wer eine durch­schnitt­li­che sozia­le Kompetenz auf­weist, wür­de an der Supermarktkasse einem prak­tisch Fremden nie­mals im zwei­ten Satz sei­ne Meinung über “Nafris” raus­bla­sen, Streit über die Gesichtsbemalung der Heiligen Drei Könige anfan­gen oder jeman­dem ein Video auf sei­nem Handy zei­gen, in dem Hunde gequält wer­den.

Weniger Platz für Politisch-Verwirrte und mehr Cat-Content

Ist da aber das Internet als Schutzschild vor, hau­en einem eini­ge Personen unge­fragt ihre Meinung um die Ohren. Die inter­es­siert mich aber nicht. Sorry. Erzählt das bit­te euren engen Freunden oder irgend­wel­chen Personen, die ihr regel­mä­ßig bei eurem Stammtisch trefft. Denn auch wenn ich mich nicht poli­tisch äuße­re, heißt das nicht, dass ich ein armer unwis­sen­der Bürger bin, der Aufklärung sucht. Im Gegenteil. Ich weiß ziem­lich viel und bin nicht son­der­lich auf den Kopf gefal­len – ich habe vie­le eurer beklopp­ten Argumente in drei Sätzen aus­ein­an­der genom­men (außer ihr seid Hardcore-Veganer – ihr seid mir meis­tens rhe­to­risch und mora­lisch über­le­gen).

Ich möch­te gera­de ein­fach nur kei­ne gequäl­ten Hunde sehen oder ver­que­re Meinungen lesen, wenn ich mein Brot esse. Ist das denn zu viel ver­langt? So Timeline-Spezis sind wie Bauarbeiter, die einer Frau hin­ter­her­pfei­fen. Da denkt die Frau ja auch nicht: “Was für ein tol­ler Typ!” und star­tet eine Affäre mit ihm. Nein, sie geht wei­ter, denkt sich “Vollpfosten…” und läs­tert danach mit ihren Freundinnen dar­über ab. Das ist nicht anders mit stark pola­ri­sie­ren­den Aussagen in sozia­len Netzwerken. Niemand wird sich der Meinung anschlie­ßen. Die meis­ten Nutzer scrol­len wei­ter, den­ken sich “Vollpfosten…” und läs­tern danach mit ihren Freunden dar­über ab. So ein­fach ist das.

Naja, ich hab mich gera­de eigent­lich nur mal ganz furcht­bar auf­re­gen müs­sen. Aber ab jetzt wird alles wie­der posi­tiv – ich hab mei­nen Facebookfeed auf­ge­räumt und jetzt drei Facebook-“Freunde” weni­ger. Sollte den drei Personen auf­fal­len, dass wir kei­ne “Freunde” mehr sind, erklä­re ich es ihnen ger­ne, wenn ich sie an der Supermarktkasse tref­fe. Mal sehen, ob die das auch von Angesicht zu Angesicht mit einer Person bespre­chen möch­ten, die sie kaum ken­nen 😉

Ich find das sel­ber doof, dass das so ein nega­ti­ver Post war. Also mach ich die Laune jetzt wie­der gut. Et Violá: Pinguine (soll­te jetzt jemand sagen, wie ich mich noch an Pinguinen erfreu­en kann, wenn gleich­zei­tig die Gletscher schmel­zen und mir ein Video über glo­ba­le Erderwärmung schi­cken, hau ich um mich!)

Style 6

 

Was war los die­se Woche? An die­ser Stelle möch­te ich euch ger­ne mei­ne Internetschätze prä­sen­tie­ren – denn: Es war viel los. Ich habe sehr viel den Kopf geschüt­telt und auch herz­lich gelacht. Enjoy.

Fail der Woche:

Dieses doch sehr offen­sicht­lich schlecht auto-über­­­set­z­­te Popup kam mir die­se Woche ent­ge­gen.

Benutzen die­se auto­ma­tisch Übersetzungen immer ist nicht so eine gute Idee. Ist aber für alle Fälle herr­li­ches Entertainment. Nachdem ich habe gele­sen die Überschrift, ich habe alle deut­schen Sätze ein­fach in eng­li­sche Grammatik umge­formt. Ich fand das lus­tig – meis­te ande­re Menschen nicht.

Quelle: smartbuyglasses.co.uk 

Politikum der Woche

Ich sags ja immer wie­der: Wer in der digi­ta­len Welt durch­star­ten will, muss immer so geklei­det sein, als wür­de es gleich noch schnell zum Späti gehen. In die­sem Fall hat der Typ von ResearchGate alles rich­tig gemacht: Erst noch schnell die Kanzlerin tref­fen und dann ab in den Feierabend an den See. Mir ist der sehr sym­pa­thisch – wobei ich mir sicher bin, dass nur Menschen aus unse­rer Branche das 100% nach­voll­zie­hen kön­nen.

Gedanken, die der wahr­schein­lich hat­te “Na, du willst doch was von mir und ich nicht von dir, oder? Ich komm ange­zo­gen, wie ich will!”

Ich find den cool.

Quelle: Twitter.com/RegSprecher

Meme der Woche

Einige von euch sind wahr­schein­lich nicht so tief im Internet drin wie ich, des­halb ist hier ein wenig Erklärungsbedarf. (Was ein Meme ist, erklä­re ich hier mal nicht. Für die Wenigen, die es nicht wis­sen und erfah­ren möch­ten: Hier) Das Internet ist ja unbe­re­chen­bar. Ich hän­ge viel auf 9GAG rum und da wer­den vie­le Memes über aktu­el­le gesell­schafts­po­li­ti­sche Themen (neben viel Quatsch) gepos­tet. Einige von denen sind manch­mal echt so nah an der Geschmacklosigkeit dran, dass man tief ein­at­met und es einem eher unan­ge­nehm ist, dass man dar­über gelacht hat.

Manchmal hat das Internet aber auch wahn­wit­zi­ge Trends und Vorlieben, die nicht so ganz nach­voll­zieh­bar sind. Das Internet ist neben dem Phänomen des Bronie-Trends und der Faszination für neue Namensfindungen für Beresect Conderhadge näm­lich auch ein gro­ßer Fan der Kinderserie Lazytown, ins­be­son­de­re des Schurkens, der von Stefan Karl gespielt wur­de. Der ist ges­tern nach einem lan­gen Kampf mit dem Krebs gestor­ben.

Ich muss nicht erwäh­nen, dass die­ses Meme die Internet-Woche ganz gut zusam­men­fasst, oder?

Respect to the number one.
Quelle: 9GAG

WTF der Woche

Speaking of Memes: Warum? Warum? Waaaruuuum? Gut, Otto hat nichts falsch gemacht. Die haben ein­fach den Darsteller von Hide The Pain Harold genom­men, dem wahr­schein­lich ne ziem­li­che Stange Geld gezahlt und einen Werbespot für die rele­van­te Zielgruppe gedreht. 

Hide The Pain Harold ist irgend­so ein ukrai­ni­sches Stockfoto-Model, das auf zahl­rei­chen, abge­dro­sche­nen Stockfotos zu sehen ist. Irgendwann wur­de er zum Meme und bekannt als Hide The Pain Harold, weil er immer so gequält lacht. Zuerst fand er es doof, dass ihn Leute auf der Straße die gan­ze Zeit ange­spro­chen haben. Jetzt, wo er Geld draus machen kann, scheint das doch nicht mehr so blöd zu sein. 

Ich hab mich trotz­dem ein wenig vor den Kopf gesto­ßen gefühlt, als ich den in hoch auf­ge­löst und mit gutem Script gese­hen habe. Hide The Pain Harold soll­te wei­ter schlech­te Witze in pixe­li­ger Qualität machen.

Andererseits… Ich gön­ne ihm den lukra­ti­ven Fame und höre jetzt mit die­sem “Vor-dem-Kommerz-war-alles-bes­­ser” auf. Ich lebe schließ­lich von die­sem Kommerz 😉

https://www.youtube.com/watch?v=wTTDwEJkoaE

Aha! der Woche

Ich hab Windings ja frü­her immer nur benutzt, um “heim­li­che” Nachrichten mit mei­ner dama­li­gen bes­ten Freundin aus­zu­tau­schen. Da war ich zwölf und dach­te, ich sei unglaub­lich cle­ver. Wozu Windings tat­säch­lich gut ist, war mir nie bewusst.

Vielleicht soll­te ich das noch­mal aus­pro­bie­ren. Ich schmeiß’ immer direkt Photoshop an – aber viel­leicht geht das auch ein­fa­cher.

https://www.youtube.com/watch?v=JdKV1L1DJHc

Rumspielerei der Woche

Ich war auf Facebook unter­wegs und bin ja schon ein gro­ßer Fan die­ser 3D-Rumspielereien. Eigentlich ste­he ich mit Van Gogh auf Kriegsfuß, weil ich im Kunstunterricht mal die­ses Blumenbild nach­ma­len muss­te und mit Ach und Krach gera­de mal ne 4- geschafft habe – aber mal zu sehen, wie Van Goghs Sternennacht zum Leben erweckt wird, ist sau­cool.

Quelle: facebook.com/iartGaleria

Produkt der Woche

Zuerst hab ich gedacht “Hahahahaha, was für Idioten!” dann habe ich mich aber selbst dabei ertappt, den Kauf die­ses Produkts in Erwägung zu zie­hen. Weiß zwar sel­ber noch nicht, was ich damit anfan­gen soll – aber irgend­wie wär’s geil. Personalisierte Hundesocken woll­te ich schon immer mal haben. Solltet ihr im Kreis der Menschen sein, die mir in regel­mä­ßi­gen Abständen was schen­ken müs­sen – eine klei­ne Inspiration.

Quelle: Supersocken.de

Video der Woche

Und hier noch­mal ein­fach was für die gute Laune. Ich per­sön­lich fand, dass es sehr gut inves­tier­te 3 Minuten mei­ner Zeit waren. Einfach zuhö­ren und wit­zig fin­den. Dödödödö död­ödö dödö. Dödödödö död­öd­öd­öd­ödö… Ach nee, das war Tetris. Oder genau­er gesagt: Johann Sebastian Bach

https://www.youtube.com/watch?v=FT0RSXGLPpw

GIF der Woche

Ich arbei­te ja unter ande­rem auch für die bezau­bern­den Ladies von der Curiosity Box und da ich dort die ein­zi­ge Deutsche bin, die dazu auch noch mit DSGVO-Fun Facts alle Marketingträume zunich­te macht, habe ich die­ses GIF die­se Woche sehr oft erhal­ten. Zurecht. Ich elen­der DSGVO-Spielverderber 😉

via GIPHY

Hach ja – ihr habt es sicher­lich schon mit­be­kom­men: Es war warm. Nicht nur so ein biss­chen warm, son­dern eher so warm, dass man stän­dig in sei­ner eige­nen Suppe geses­sen hat und sich ein­fach nicht bewe­gen woll­te. Dazu gehör­te ich selbst­ver­ständ­lich auch. Aber wisst ihr, wer auch dazu gehör­te? Meine Telefonanlage. Jap, das arme Ding ist auf dem Dachboden unse­res Gründerzeit-Hauses instal­liert wor­den und hat eine auto­ma­ti­sche Abschalt-Funktion, die unmit­tel­bar in Kraft tritt, sobald die Raumtemperatur etwa 50°C über­steigt. Ich war die ver­gan­ge­nen Wochen also vom Nachmittag an ohne Internet.

Das neue Spiel für Adrenalinjunkies: Wann ist das Internet weg?

Wann genau konn­te ich aller­dings nicht sagen. Deshalb hab ich ziem­li­che vie­le Runden „Schaff-ich-das-noch-bevor-sich-alles-ver­­a­b­­schie­­det-Bingo“ gespielt. Ist tat­säch­lich mit ein biss­chen Nervenkitzel ver­bun­den. Ich kam mir vor wie in einer die­ser Kochshows, in denen die Kandidaten unter immensem Zeitdruck eine drei­stö­cki­ge, fili­gran ver­zier­te Hochzeitstorte zusam­men­bas­teln müs­sen bevor die Uhr stoppt und sie sofort die Hände von der Torte weg­neh­men und auf einen roten Buzzer drü­cken müs­sen. So ging das in etwa bei mir auch, nur dass ich eher Facebookkampagnen auf­ge­setzt habe und eine Zeit lang auch nicht wirk­lich ein­schät­zen konn­te, wann die Uhr stop­pen wür­de.

Doch ich bin ja schlau und habe mich des­halb kur­zer­hand zu einer Art Amateur-Meteorologin ent­wi­ckelt, die anhand von Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit in etwa abschät­zen kann, wann Schicht im Schacht ist. Gut, dass man Wikipediaartikel näm­lich auch run­ter­la­den kann.

Kein Internet: Langweilig. Voll langweilig.

Hatte ja auch genug Zeit, mich mit Meteorologie zu beschäf­ti­gen, war ja schließ­lich nichts ande­res zu tun. Denn mir war lang­wei­lig. Mein Gott, war mir lang­wei­lig. Mein Fernseher funk­tio­nier­te auch nicht ohne Internet, mein Datenvolumen war bis ans Maximum aus­ge­reizt und mein iPad hat­te kei­nen Speicherplatz mehr, weil ich da tat­säch­lich Sachen für die Arbeit drauf habe, die ich brau­che.

In die­ser Zeit ist mir dann schmerz­lich bewusst gewor­den, dass ich zu viel vor Bildschirmen hän­ge: Wenn ich nicht vor dem Computer arbei­te, fri­ckel ich irgend­was auf mei­nem Handy rum, schaue Netflix auf mei­nem iPad oder lass mich vom Vorabendprogramm auf dem Fernseher berie­seln. Die ein­zi­ge Zeit, die ich nicht vor einem Bildschirm ver­brin­ge, gehe ich ent­we­der mit dem Hund oder bin ver­hin­dert, weil ich gera­de schla­fe.

Was macht man nochmal in diesem Offline?

Sich des­sen bewusst zu wer­den, ist schon ganz schön krass. Klar, digi­tal unter­wegs zu sein ist mei­ne Passion, mein Beruf und ein gro­ßer Teil mei­nes Lebens – aber ich muss doch auch mal was off­line machen! Nur was macht man noch­mal so in die­sem Offline? Ehrlich gesagt war ich zunächst ein wenig rat­los.

Früher habe ich immer gele­sen. Meine Mutter war näm­lich der Meinung, dass Fernseher und Handys dumm machen und des­halb war ich ziem­lich oft auf mich allei­ne gestellt in Sachen Entertainment. Also habe ich immer mei­ne Bücherei-Karte aus­ge­reizt und ein­fach mal so fast jedes Buch in unse­rer klei­nen Dorfbücherei gele­sen. Denn ich hat­te nicht den Luxus eines Kindle-Abos und muss­te ein­fach das lesen, was da war. Das führ­te dann auch dazu, dass ich mich durch Michel Houllebecq gequält und wahr­schein­lich jeden seich­ten Frauenroman ver­schlun­gen habe, der in den Jahren 2002 bis 2008 ver­öf­fent­licht wur­de. 2008 war dann Schluss, dann habe ich Abi gemacht und hat­te von da an einen Fernseher und einen Computer. Da ging es schon ein biss­chen berg­ab.

Richtig berg­ab ging es dann aber mit dem Smartphone. Seitdem ich das Teil habe, nut­ze ich es auch. Ich orga­ni­sie­re mein Leben mit Apps, scrol­le immer mal wie­der durch die Branchennews und habe schon viel zu viel Zeit damit ver­bracht, sinn­lo­se Videos auf YouTube zu schau­en – und wo wir gera­de schon­mal so ehr­lich sind: Ich bin nicht stolz drauf, aber bei Candy Crush Soda Saga befin­de ich mich gera­de in Level 1153. Ja, das hat so vie­le Level und noch viel mehr. Nein, da bin ich echt nicht stolz drauf.

Naja, gut. Ein biss­chen.

Fragen über Fragen, deren Antworten nur online zu finden sind…

Nun ja, da ich mei­nen Feierabend also ohne Internet und Fernsehen ver­brach­te, muss­te ich umdis­po­nie­ren: Gut. Lesen wir doch mal was. Wir mögen lesen.

Hier ist doch das Buch von Obama, das ich schon so lan­ge mal lesen woll­te: Dreams from my Father. (Warum woll­te ich das lesen? Ich hab Obama bei Letterman auf Netflix gese­hen und noch wäh­rend ich geschaut habe bei Amazon auf “Bestellen” geklickt…). Zwei Seiten gele­sen. “Mhm, mhm, mhm inter­es­sant” – “Hab ich eigent­lich die Smartphone-Gebote in der einen AdWords-Kampagne ange­passt?” – “Wann war noch­mal das Frank Turner Konzert?” -“Waren das jetzt Elefanten, die nicht sprin­gen kön­nen oder Giraffen? Oder bei­de?”

Leider konn­te ich mich also nicht auf das Buch kon­zen­trie­ren, weil mir stän­dig Fragen in den Sinn gekom­men sind, deren Antwort ich nur online gefun­den hät­te.

Nach einer Woche oder so wur­de es dann aber bes­ser und ich habe es tat­säch­lich geschafft, Dreams from my Father zu been­den (Naja, zu 2/3 – beim letz­ten Drittel hab ich gechea­ted und die Hörbuch-Version bei Audible gehört, wäh­rend ich mit dem Hund gegan­gen bin. Aber ey – Obama liest es per­sön­lich mit sei­ner samt­wei­chen Soul-Stimme vor)

Zwei Wochen offline und schon werd ich zu Martha Stewart-Picasso

Irgendwie war das schon ein ziem­lich gutes Gefühl, sei­ne Zeit irgend­wie auch mal sinn­voll zu gestal­ten nach Feierabend. Denn ich habe nicht nur gele­sen, ich habe auch mein Malen nach Zahlen end­lich mal fast fer­tig (ist mir egal, dass ihr das total uncool fin­det, in der Instagram-Werbung sah das viel­ver­spre­chend und hip aus) und ich habe eine nicht zu ver­ach­ten­de Zahl an gesun­den Snacks selbst her­ge­stellt und mich wie Martha Stewart gefühlt. Von die­sen Snacks schme­cken zwar nur etwa 50% ganz okay . Bisschen Schwund ist halt immer.

Heute ist ja der ver­meint­lich letz­te Tag der Hitzewelle und ich muss ja sagen, dass mir der digi­ta­le Detox auch mal ganz gut­ge­tan hat. Aber reicht jetzt auch. Ich w